Migräne und Gesichtsschmerzen: Ursachen und Behandlungsansätze

Gesichtsschmerzen können vielfältige Ursachen haben und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Sie können von leichten Beschwerden bis hin zu unerträglichen Schmerzattacken reichen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Gesichtsschmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne und der Trigeminusneuralgie, und stellt gängige Behandlungsansätze vor.

Einführung in Gesichtsschmerzen

"Unter Gesichtsschmerzen versteht man allgemein Schmerzen, die im Bereich von der Stirn bis zum Kinn auftreten", erklärt Prof. Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN). Anhaltende oder häufig wiederkehrende Schmerzen im Gesichtsbereich können viele Ursachen haben. Die Hälfte der Fälle sind auf eine Nebenhöhlenentzündung zurückzuführen, Zahnprobleme stellen die zweithäufigste Ursache dar. Wenn die Gesichtsschmerzen besonders stark oder untypisch ausgeprägt sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um andere Ursachen auszuschließen.

Häufige Ursachen von Gesichtsschmerzen

Entzündungen

  • Akute oder chronische Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis): Bei einer Dauer von unter 30 Tagen spricht man von einer akuten und danach von einer chronischen Nebenhöhlenentzündung. Diese tritt oft im Anschluss an eine Erkältung auf. Charakteristisch sind eine verstopfte Nase, gelblich verfärbter Schleim, einseitige Schmerzen sowie ein unangenehmer Geruch oder Geschmack. Eine Entzündung der Nasennebenhöhlen kann zu Schmerzen im Gesichtsbereich führen. Oft genügt es, über einige Tage Nasentropfen und gegebenenfalls Paracetamol zur Schmerzlinderung anzuwenden.
  • Zahnfleischentzündung (Gingivitis): Die Erkrankung ist weit verbreitet und verläuft in der Frühphase oft ohne ausgeprägte Symptome. Anfangs dominieren Beschwerden wie Mundgeruch und Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder bei der Verwendung von Zahnseide. Entwickelt sich ein Abszess, kommt es zu Schmerzen und Schwellungen. Bei Verdacht auf Karies oder Zahnfleischentzündung sollte eine zahnärztliche Untersuchung erfolgen.
  • Bakterielle Infektion der Speicheldrüse (Sialadenitis): Betroffen sind die Speicheldrüsen unter der Zunge (Glandula submandibularis) oder unterhalb des Kiefergelenks (Glandula parotis), was eine akute Schwellung der Speicheldrüsen mit Schmerzen und Schwellungen bei den Mahlzeiten und ggf. Fieber verursacht.

Zahnprobleme

  • Karies und Zahnschmerzen: Klopfen gegen den Zahn verursacht Schmerzen.
  • Eingekeilter Weisheitszahn: Weisheitszähne brechen in der Regel im Alter von 18 bis 24 Jahren durch, wobei individuell eine erhebliche Spannbreite besteht. Weisheitszähne gelten dann als verkeilt, wenn die „Zahnpassage“ blockiert ist. Dies kann gelegentlich zu Komplikationen wie Infektionen (Perikoronitis), Schädigung benachbarter Zähne, Zahnfleischentzündung und Zystenbildung führen.
  • Schmerzen im und um das Kiefergelenk: Bissprobleme können Schmerzen im Kiefergelenk verursachen. Meist sind hiervon jüngere Frauen betroffen. Nur wenige suchen deswegen ärztlichen Rat. Die Schmerzen sind oft morgens am schlimmsten und Patienten klagen häufig über schmerzende Zähne oder Zähneknirschen. Nicht selten strahlen die Schmerzen zum Ohr, zu den Schläfen, Wangen oder entlang dem Unterkiefer aus. Gelegentlich tritt ein Knacken und Klicken im Kiefergelenk auf. Ein knackendes Kiefergelenk allein ist nicht selten und sollte vorerst keinen Grund zur Besorgnis darstellen.

Kopfschmerzerkrankungen

  • Migräne: Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die in der Regel mit anfallsartigen Kopfschmerzen verbunden ist und mehr Frauen als Männer betrifft. Die Beschwerden äußern sich in Form von Anfällen mit einseitigen Kopfschmerzen. Bei einem Viertel der Betroffenen machen sich Vorzeichen (Prodromi, Aura) bemerkbar. Die Anfälle dauern 4 bis 24 Stunden und treten in unregelmäßigen Abständen auf. Der Schmerz wird oft als pulsierend beschrieben. Als weitere Symptome werden meist Licht- und Geräuschempfindlichkeit und ein vermindertes körperliches Leistungsvermögen genannt. Es gibt jedoch die Sonderform der sogenannten fazialen Migräne, bei der der Schmerz im Gesichtsbereich lokalisiert ist. Patienten können hierbei weitere Migränesymptomen wie Übelkeit oder Lichtscheu bemerken.
  • Cluster-Kopfschmerz: Bei Clusterkopfschmerzen handelt es sich um sehr plötzlich über einen bestimmten Zeitraum auftretende starke Schmerzen einseitig im Bereich der Augen, Stirn und Schläfe. Seltene Erkrankung, von der Männer fünf- bis sechsmal häufiger betroffen sind als Frauen. Es kommt zu regelmäßig wiederkehrenden, in schwerwiegenden Fällen täglichen, Kopfschmerzattacken. Diese halten 15 bis 180 Minuten an und treten vorwiegend in der Nacht auf. Starke einseitige Schmerzen hinter einem Auge sind typisch. Bei erneuten Anfällen ist fast immer die gleiche Seite betroffen. Neben einem Tränen des Auges wird oft eine verstopfte oder laufende Nase und ein Schweißausbruch im Gesicht auf der betroffenen Seite beobachtet. Auch der Clusterkopfschmerz kann, wenn auch selten, isoliert als Gesichtsschmerz auftreten. Bei dieser Kopfschmerzerkrankung tritt oft parallel eine Rötung und Schwellung der Wange auf. Im Gegensatz zur Migräne empfinden Patienten mit Clusterkopfschmerzen während der Schmerzattacken einen ausgeprägten Bewegungsdrang.

Weitere Ursachen

  • Gürtelrose oder anhaltende Schmerzen nach durchgemachter Gürtelrose: Der Schmerz ist nicht selten im mittleren Bereich des Gesichtes lokalisiert. In einigen Fällen machen sich die Schmerzen vor Auftreten des Ausschlags bemerkbar. Etwa 10 % derjenigen, die eine Gürtelrose durchgemacht haben, leiden langfristig unter Schmerzen in dem von dem Ausschlag betroffenen Bereich. Vor allem ältere Menschen sind hiervon betroffen.
  • Generalisierte Ängste oder Depressionen: Stresszustände können Muskelverspannungen mit chronisch verspannter Kaumuskulatur zur Folge haben, wodurch Schmerzen entstehen können.
  • Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit: Aufgrund einer ungünstigen Belastung der Augenmuskulatur können Gesichtsschmerzen auftreten.
  • Steinbildung in den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen (Sialolithiasis): Eine Steinbildung wird häufiger in den Ausführungsgängen vor der Speicheldrüse unter der Zunge (Glandula submandibularis) als in den Ausführungsgängen vor der Drüse unterhalb des Kiefergelenks (Glandula parotis) beobachtet. Es kommt im Zusammenhang mit den Mahlzeiten zu einer lokalen Schwellung mit Schmerzen und Pochen. Häufig treten bei den Betroffenen wiederholt Entzündungen der Speicheldrüsen auf.
  • Angina pectoris: Tritt vor allem bei Menschen mittleren und fortgeschrittenen Alters auf. Folge einer beeinträchtigten Blutzufuhr in den Herzkranzarterien (Koronararterien). Leitsymptome sind Schmerzen hinter dem Brustbein, die im Anschluss an anstrengende Aktivitäten auftreten. In Ruhe klingen die Schmerzen rasch ab. Manchmal können die Schmerzen bis in den Kiefer ausstrahlen. Dies ist ebenso bei einem Herzinfarkt möglich.
  • Entzündung der Schläfenarterie (Arteriitis temporalis): Tritt in erster Linie bei älteren Menschen auf. Am häufigsten klagen Betroffene über Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Schläfenbereich und der Kopfhaut. Zudem können Symptome einer Polymyalgia rheumatica auftreten. In seltenen Fällen kommt es zu einem plötzlichen Verlust des Sehvermögens. Hier handelt es sich um einen Notfall.
  • Entzündung der Regenbogenhaut, Entzündung des Sehnervs und akuter Augenüberdruck: Erkrankungen des Auges können Gesichtsschmerzen verursachen.
  • Seltene Ursachen: Lokale Tumoren, Streuung von Tumoren oder Ausbuchtungen von Blutgefäßen im Gehirn können in seltenen Fällen zu Schmerzen im Gesicht führen.

Die Trigeminusneuralgie im Detail

Plötzliche starke Schmerzattacken im Gesicht, insbesondere im Kieferbereich, die mehrmals am Tag auftreten können und häufig die Lebensqualität der Betroffenen deutlich einschränken, können die Folge einer Trigeminusneuralgie sein. Die Trigeminusneuralgie ist wohl die bekannteste Form des Gesichtsschmerzes. Die Trigeminusneuralgie ist eine häufige Form des Gesichtsschmerzes. Schmerzattacken können hierbei spontan oder durch Reize wie Berührung im Versorgungsgebiet der Nervenäste auftreten, beispielsweise durch Kauen, Sprechen, Schlucken oder Zähneputzen.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Bei einer Trigeminusneuralgie handelt es sich um intensive, plötzliche Schmerzen im Gesicht, die durch eine Funktionsstörung des Trigeminusnervs (Nervus trigeminus) hervorgerufen werden. Auf einen Blick Unter einer Trigeminusneuralgie versteht man heftige, einseitige Gesichtsschmerzen. Sie dauern meist nur wenige Sekunden, können aber über mehrere Tage oder Wochen immer wieder auftreten. Ausgelöst werden die Schmerzen durch eine Reizung des Trigeminusnervs, auch Drillingsnerv genannt. Etwa 10 von 100.000 Personen sind von dieser Erkrankung betroffen, wobei Frauen deutlich häufiger an den Schmerzattacken im Gesicht leiden. Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr auf. Typischerweise tritt die Erkrankung in höherem Lebensalter (ab 50 Jahren) und meist nur einseitig auf. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer (5 bzw. Menschen mit einer Trigeminusneuralgie haben heftige Gesichtsschmerzen. Die Schmerzen entstehen durch einen gereizten Trigeminusnerv - beispielsweise, weil ein benachbartes Blutgefäß auf den Nerv drückt. Der Trigeminusnerv ist der fünfte Hirnnerv des Menschen. Der Trigeminusnerv ist für die Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzempfinden der folgenden Gesichtspartien verantwortlich: Stirn und Augen, Ober- und Unterkiefer, Lippe und Wange. Die Funktion des Trigeminusnervs ist die Leitung sensibler Informationen aus dem Gesicht an das Gehirn. Der umgangssprachlich als Fühlnerv bezeichnete Nervus trigeminus dient dazu, dass der Mensch riechen, schmecken oder im Gesicht fühlen kann. Auch die Benetzung der Hornhaut des Auges wird durch den Trigeminusnerv ermöglicht. Bei einer Trigeminusneuralgie sind meist der Unterkiefer- und Oberkieferast betroffen.

Formen der Trigeminusneuralgie

Bei der Trigeminusneuralgie kann zwischen zwei Formen unterschieden werden:

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  • Klassische oder idiopathische Trigeminusneuralgie: Die idiopathische Trigeminusneuralgie tritt unabhängig von anderen Erkrankungen auf und hat ihre Ursache im sogenannten neurovaskulären Konflikt. Als Ursache der Schmerzen nimmt man bei der klassischen Trigeminusneuralgie nach heutigem Wissensstand eine Kompression eines Blutgefäßes im Bereich des Austritts des Nervus trigeminus am Hirnstamm an. Bei 80 bis 90 Prozent der Menschen mit einer Trigeminusneuralgie drückt ein benachbartes Blutgefäß auf den Nerv. Das reizt die schützende Nervenhülle, wodurch der Nerv leichter erregbar wird. Fachleute sprechen hier von der klassischen oder primären Trigeminusneuralgie.
  • Symptomatische Trigeminusneuralgie: Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie sind andere Erkrankungen die Ursache. In seltenen Fällen kann die Trigeminusneuralgie auch Folge von Tumoren, Gefäßmissbildungen oder einer Multiplen Sklerose sein. Von einer sekundären oder symptomatischen Trigeminusneuralgie ist die Rede, wenn der Nerv durch andere Erkrankungen gereizt ist und die Gesichtsschmerzen verursacht. Dazu gehören: multiple Sklerose, Tumoren, die Druck ausüben, Bindegewebserkrankungen, angeborene Fehlbildungen von Blutgefäßen.

Wenn sich für die typischen Gesichtsschmerzen keine Ursache erkennen lässt, liegt eine sogenannte idiopathische Trigeminusneuralgie vor.

Die klassische Trigeminusneuralgie wird weiter unterteilt in:

  • Rein paroxysmal
  • Klassische Neuralgie mit begleitendem Dauerschmerz
  • Sekundäre Trigeminusneuralgien:
    • Verursacht durch Multiple Sklerose
    • Verursacht durch Raumforderungen (Tumoren, Gefäßmalformationen)
    • Verursacht durch andere Erkrankungen

Symptome der Trigeminusneuralgie

Bei einer Trigeminusneuralgie treten blitzartige Schmerzen in einer Gesichtshälfte auf. Weitere Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten:

  • spontan auftretende starke Schmerzen nach einer Berührung des Gesichts, dem Kauen oder Sprechen
  • serienhaft auftretende starke Schmerzen mit einer Dauer von weniger Sekunden bis Minuten
  • wochen- oder monatelange Episoden mit schweren Schmerzattacken, die von schmerzfreien Perioden abgelöst werden
  • andauerndes, brennendes Gefühl im Gesicht als Vorbote der blitzartigen Schmerzen
  • Schmerzen im Bereich der Augen, Wangen, Lippen, Kiefer, Zähne und des Zahnfleischs

Zudem gibt es wenige symptomatische Unterschiede zwischen den beiden Formen der Trigeminusneuralgie. Bei der klassischen Form treten täglich bis zu 100 Schmerzattacken auf. Bei der symptomatischen Form leiden Patientinnen und Patienten meist dauerhaft an den Schmerzen. Es können außerdem Gefühlstörungen oder motorische Ausfälle im Gesicht auftreten. Die Schmerzen treten einseitig auf. Menschen mit einer Trigeminusneuralgie verspüren plötzlich einsetzende, heftige Schmerzen im Gesicht. Zwischen Zeiten mit häufigen Beschwerden liegen schmerzfreie Phasen. Die Abstände zwischen den Attacken können sich mit der Zeit verkürzen. Es kann sich auch ein dumpfer Dauerschmerz einstellen. Die Schmerzen im Gesicht können von Kopfschmerzen begleitet sein. Zu Beginn sind die Schmerzattacken oft nur leicht, können aber rasch zu höchster Schmerzintensität ansteigen, die dazu führen, dass Patienten, aus Furcht vor den Attacken keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Der Schmerz tritt periodisch auf, d.h. es gibt Wochen und Monate ohne Beschwerden, bevor wieder eine Phase mit häufigen Attacken auftritt.

Die Schmerzanfälle können spontan auftreten oder durch bestimmte Reize ausgelöst werden, auch Trigger genannt. Dazu zählen bereits leichte Gesichtsberührungen, Kauen oder Zähneputzen. Reize wie Niesen, Kauen oder ein kühler Luftzug können bei Menschen mit einer Trigeminusneuralgie heftige, in eine Gesichtshälfte einschießende Schmerzen auslösen.

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Ursachen der Trigeminusneuralgie

Bei 70 bis nahezu 100 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einer klassischen Trigeminusneuralgie rührt der Gesichtsschmerz von einer Kompression des Nervus trigeminus durch Blutgefäße. Dabei wird der Nerv von einem benachbarten Blutgefäß im Bereich des Nerveneintritts am Hirnstamm eingeengt, was die Myelinschicht beschädigt. Das hat zur Folge, dass die betroffenen Nervenzellen überregt werden und die Signalübertragung gestört ist. Das Ergebnis sind blitzartige Gesichtsschmerzen mit hoher Intensität.

Diagnose der Trigeminusneuralgie

Häufig kann die Diagnose bereits aufgrund der typischen Beschwerden gestellt werden. Ob eine Trigeminusneuralgie vorliegt, stellen Ärztinnen und Ärzte durch ein ausführliches Gespräch und eine gründliche körperliche Untersuchung fest. Im Gespräch wird unter anderem erfragt, wie lange die Schmerzen anhalten und wie häufig sie auftreten. Hinweise auf eine Trigeminusneuralgie geben auch die Begleitsymptome sowie die Reize, die eine Schmerzattacke auslösen können. Außerdem wird die Ärztin oder der Arzt das Empfindungsvermögen im Gesicht testen sowie weitere körperliche Untersuchungen machen.

Behandlung der Trigeminusneuralgie

Grundsätzlich lässt sich zwischen einer medikamentösen Therapie und einem operativen Eingriff zur Behandlung einer Trigeminusneuralgie unterscheiden. Mit Medikamenten, einem operativen Eingriff oder einer Strahlentherapie lässt sich die Neuralgie gut behandeln. Häufig wird die neurologische Erkrankung sowohl bei der idiopathischen als auch symptomatischen Form zunächst medikamentös behandelt, was eine gute Erfolgsrate hat und den Gesichtsschmerz reduzieren kann.

Medikamentöse Therapie

Die konservative Therapie mit Medikamenten ist meist die erste Maßnahme bei einer Trigeminusneuralgie. Dabei werden Medikamente wie Carbamazepin, Pregabalin, Gabapentin oder Baclofen verwendet. Haben Betroffene heftige, schmerzvolle Attacken im Gesicht, können Medikamente bei Trigeminusneuralgie eine Hilfe zur Schmerzlinderung bieten. Dabei kommen meist Antiepileptika wie Carbamazepin, Oxcarbazepin, Lamotrigin oder Phenytoin zum Einsatz. Mittel der Wahl sind Medikamente, die normalerweise bei epileptischen Anfällen verschrieben werden. Die beiden bekanntesten Wirkstoffe sind Carbamazepin und Oxcarbazepin. Sie verringern die Anzahl der Schmerzepisoden. Die Dosis der Mittel wird langsam gesteigert, bis sie gut wirken und möglichst wenige Nebenwirkungen verursachen. Zunächst starten Patientinnen und Patienten mit einer geringen Dosierung und steigern diese im Verlauf der Therapie. Spricht der jeweilige Wirkstoff nicht an, kann in manchen Fällen eine Kombination mehrerer Medikamente notwendig werden.

Herkömmliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol wirken bei einer Trigeminusneuralgie nicht, weil die Schmerzattacken zu kurz sind. Selbst stärkste Schmerzmittel wie Opioide haben keine Wirkung. Bei andauernden Schmerzepisoden mit wiederholten Schmerzattacken können Infusionen mit speziellen Wirkstoffen die akuten Beschwerden lindern. Es empfiehlt sich, den Attacken durch eine Dauertherapie vorzubeugen.

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Operative Verfahren

Verschaffen Medikamente bei einer Trigeminusneuralgie keine Besserung, gibt es weitere Verfahren, die Patientinnen und Patienten in Anspruch nehmen können. Eine Operation wird erst durchgeführt, wenn zuvor alle anderen Behandlungsmöglichkeiten mit verschiedenen Wirkstoffen ausgeschöpft wurden oder wegen Nebenwirkungen nicht möglich sind.

  • Mikrovaskuläre Dekompression: Bei einer klassischen Trigeminusneuralgie kann eine mikrovaskuläre Dekompression durchgeführt werden. Die mikrovaskuläre Dekompression (MVD) ist ein chirurgisches Verfahren, das bei Patient:innen mit Trigeminusneuralgie angewendet wird, wenn ein Gefäß-Nerven-Kontakt (neurovaskuläre Kompression) als Ursache identifiziert wurde. Bei diesem Eingriff werden Blutgefäße, die auf den Trigeminusnerv drücken, vorsichtig verlagert, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren. Bei diesem operativen Eingriff wird zunächst der Schädel hinter dem Ohr geöffnet und das Kleinhirn etwas zurückgezogen, um den Hirnstamm und den Nervus trigeminus sichtbar zu machen. Im nächsten Schritt wird ein Kunststoffstück wie beispielsweise Teflon zwischen Blutgefäß und Nerv eingebracht, um den mikrovaskulären Konflikt zu beseitigen. Die mikrovaskuläre Dekompression gilt als wirksame Wahl, wenn ein Kontakt zwischen Trigeminusnerv und Blutgefäß besteht. Der Eingriff soll diesen Kontakt unterbrechen und den Druck auf den Nerv lösen.
  • Perkutane Operationsverfahren: Zu den perkutanen Operationsverfahren zählen die Ballonkompression, die Glycerininjektion und die Thermokoagulation. Perkutane Verfahren wie die Thermokoagulation nach Sweet oder die Glyzerinrhizolyse sind minimalinvasive Behandlungsmethoden, die bei Trigeminusneuralgie eingesetzt werden können. Bei diesen Verfahren wird ein Nervenknoten an der Schädelbasis (das sog. Ganglion Gasseri) mit einer Kanüle, die neben dem Mundwinkel eingestochen wird, aufgesucht (vgl. Abbildung). Anschließend versucht man mit einer gezielten Hitzeläsion (Thermokoagulation) oder Alkoholinjektion (Glyzerolinstillation) einen oder mehrere Äste des Trigeminusnerven kontrolliert zu schädigen, um die Schmerzentstehung und -weiterleitung zu unterbinden. Bei diesen Verfahren handelt es sich um neurochirurgische Routineeingriffe, die weltweit bei mehreren Tausend Patienten mit anhaltend gutem Erfolg eingesetzt wurden. Diese Verfahren bilden keinen chirurgischen Eingriff und sind invasiv. Daher bieten sie sich für Patientinnen und Patienten an, denen eine medikamentöse Behandlung keine Abhilfe verschaffen konnte oder deren Operations- oder Narkoserisiko zu hoch ist. Bei der sogenannten Neuroablation zerstört die Ärztin oder der Arzt Nervenfasern mit Hilfe von Wärme, Druck oder einer Alkohollösung.
  • Stereotaktische Radiochirurgie: Zu den strahlentherapeutischen Verfahren zählt die sogenannte stereotaktische Bestrahlung, bei der der Trigeminusnerv zielgerichtet und millimetergenau vor dem Eintritt in das Gehirn bestrahlt wird. Die stereotaktische Radiochirurgie ist eine nicht-invasive Behandlungsoption, die insbesondere für Patient:innen in Frage kommt, die für eine Operation nicht geeignet sind oder diese ablehnen. Mithilfe von hochpräziser Strahlung wird der betroffene Bereich des Nervs behandelt, um die Schmerzsignale zu reduzieren. Durch diese Bestrahlung wird der Nerv innerhalb von wenigen Wochen zu einem Umbau angeregt, was zur Schmerzlinderung führen soll. Eine andere Möglichkeit ist, den Trigeminusnerv mit radioaktiven Strahlen (GammaKnife) zu behandeln.

Diagnostik bei Gesichtsschmerzen

Damit eine korrekte Diagnose gestellt werden kann, sollten die Schmerzen sowie mögliche Auslöser und Begleitsymptome möglichst genau erfasst werden. Das Führen eines Schmerztagebuchs kann hierfür hilfreich sein. Unter Kopf- und Gesichtsschmerzen werden über 300 verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst. Hierbei ist die genaue diagnostische Einordnung wichtig, welche als erster Schritt im Rahmen der Erstvorstellung bei uns erfolgt. Als Ursache der Schmerzen kommen neben einer eigenständigen (primären) Kopfschmerzerkrankung auch seltener sekundäre Ursachen wie Schädigungen an Nerven, aber auch entzündliche Veränderungen, muskuläre und Gelenkfehlfunktionen oder traumatische Folgezustände am Kopf und im Gesicht in Frage. Es ist die Aufgabe des Arztes, hier eine richtige Diagnose zu stellen und auch eine wirkungsvolle Therapie zu erarbeiten.

Bei Schmerzen unklarer Ursache, sehr starken Schmerzen oder lange anhaltenden Schmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Verdacht auf Karies oder Zahnfleischentzündung sollte eine zahnärztliche Untersuchung erfolgen.

Anamnese

Der Arzt kann Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Wo genau tut es weh?
  • Ist der Schmerz konstant oder treten Schmerzattacken auf?
  • Können Sie den Schmerz beschreiben?
  • Gibt es auslösende Faktoren?
  • Bestehen andere Krankheitszeichen?

Ärztliche Untersuchung

Unter Umständen wird eine sorgfältige Untersuchung des Kopfes durchgeführt: Gesicht, Kopfhaut, Nacken, Lymphknoten, vergrößerte Speicheldrüsen. Beurteilung von Druckempfindlichkeit oder Schmerzen im Kiefergelenk. Beurteilung von allgemeinen Muskelschmerzen und etwaiger lokaler Schmerzempfindlichkeit. Nase, Mund und Rachen sowie der Zahnstatus werden beurteilt. Bei Verdacht auf Zahnwurzelentzündung kann ein vorsichtiges Klopfen auf die Zahnkrone starke Schmerzen verursachen.

Weitere Untersuchungen

In einigen Fällen können einfache Blutuntersuchungen Aufschluss geben. Abhängig von der verdächtigten Ursache der Gesichtsschmerzen werden eventuell bildgebende Untersuchungen, wie z. B.

Allgemeine Behandlungsmethoden bei Kopf- und Gesichtsschmerzen

Die Behandlung von Kopf- und Gesichtsschmerzen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. In den medizinischen Einrichtungen von Asklepios werden verschiedene bewährte Therapiemethoden angeboten, um Patient:innen Linderung zu verschaffen.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung ist eine der häufigsten Methoden zur Linderung von Kopf- und Gesichtsschmerzen. Bei stärkeren Kopfschmerzen vom Spannungstyp oder leichteren Migräneattacken können klassische Analgetika wie Ibuprofen oder ASS eingesetzt werden. Bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken werden oft Triptane eingesetzt, die spezifisch auf die Attacken wirken und Symptome wie Schmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit reduzieren können. Bei der Trigeminusneuralgie ist Carbamazepin das Mittel der Wahl. Es wirkt stabilisierend auf die Nervenmembran und kann die Häufigkeit und Intensität der Schmerzattacken verringern. Andere Medikamente wie zum Beispiel Gabapentin oder Pregabalin werden ebenfalls verwendet, insbesondere wenn Patient:innen Carbamazepin nicht vertragen oder dieses nicht ausreichend wirksam ist. Bei Migräne und Clusterkopfschmerz kommt der medikamentösen Prophylaxe eine wichtige Bedeutung zu.

Supportive Therapien

Neben den genannten Behandlungsmethoden spielen supportive Therapien eine wichtige Rolle. Dazu gehören Physiotherapie, Entspannungsverfahren und psychologische Schmerztherapie.

Prävention von Gesichtskopfschmerzen

Obwohl Gesichtskopfschmerzen oft schwer zu vermeiden sind, gibt es bestimmte Schritte, die Sie unternehmen können, um das Risiko von Kopfschmerzen zu reduzieren. Dazu gehört die Vermeidung von Triggerfaktoren wie stressigen Situationen, bestimmten Lebensmitteln oder Getränken und zu viel oder zu wenig Schlaf. Regelmäßige körperliche Aktivität und Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können auch dazu beitragen, das Risiko von Kopfschmerzen zu reduzieren.

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