Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das in den meisten Fällen harmlos ist. Treten sie jedoch wiederholt oder über einen längeren Zeitraum auf, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Bei der Diagnose von Kopfschmerzen und insbesondere Migräne spielen verschiedene Untersuchungsmethoden eine Rolle, darunter das Elektroenzephalogramm (EEG). Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung des EEGs bei der Diagnose und Behandlung von Migräne, seine Anwendung in der Praxis und die Abgrenzung zu anderen bildgebenden Verfahren.
Kopfschmerzen: Ein häufiges Problem
Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Epidemiologische Erhebungen zeigen, dass etwa 70 % der Bevölkerung - Frauen häufiger als Männer - innerhalb eines Jahres mit Kopfschmerzen zu tun haben. In den meisten Fällen sind diese harmlos, aber bei wiederholtem oder anhaltendem Auftreten ist ein Arztbesuch ratsam.
Die Rolle des Arztgesprächs bei der Migräne-Diagnose
Bei der Diagnose einer Migräne ist der Arzt vorrangig auf die Angaben des Patienten angewiesen. Daher kommt dem Arztgespräch eine zentrale Bedeutung zu. Der Arzt erkundigt sich nach:
- Zeitlicher Ablauf: Wie häufig treten die Kopfschmerzen auf?
- Charakter und Lokalisation: Wo genau und wie stark treten die Schmerzattacken auf?
- Ursachen und Auslöser: Gibt es eine genetische Veranlagung, also zum Beispiel bekannte Migränefälle in der Familie?
- Verhalten des Patienten: Was verstärkt die Kopfschmerzen (z. B. Bewegung/körperliche Aktivität)?
- Medikamente: Können Schmerzmittel die Beschwerden lindern? In welcher Dosis?
Außerdem erkundigt sich der Arzt bei den Migränepatienten nach Begleit- und Vorerkrankungen sowie der beruflichen Tätigkeit, um mögliche Einflussfaktoren wie Stress zu erkennen.
Neurologische Untersuchung und Diagnosekriterien
Neben dem Arzt-Patienten-Gespräch ist meist außerdem eine neurologische Untersuchung Bestandteil der Migräne-Diagnose. Ziel ist es unter anderem, andere schwere Erkrankungen auszuschließen. Gerade bei der Migräne mit Aura, die mit neurologischen Ausfällen einhergehen kann, ist eine solche Abgrenzung wichtig, da die Symptome zum Beispiel auch mögliche Hinweise auf einen Schlaganfall sind (migranöser Infarkt).
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
Zur Befundstellung dienen dem Mediziner die Migräne-Diagnosekriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS). Hinweise, die auf eine Migräne schließen lassen, sind beispielsweise gegeben, wenn der Betroffene die Kopfschmerzen als einseitig und pulsierend oder als pochend beschreibt. Außerdem können Ärzte eine Migräne daran erkennen, dass sich die Beschwerden bei Bewegung verschlimmern und meist von Symptomen wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit begleitet werden.
Bildgebende Verfahren: MRT, CT und EEG
In einigen Fällen, zum Beispiel wenn der Verdacht bezüglich einer anderen Erkrankung besteht, können zudem noch weitere Untersuchungsverfahren angewandt werden. Zu den häufigsten bildgebenden Verfahren bei Kopfschmerzen zählen MRT, CT und EEG.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Um detailliertere Einblicke in das Gehirn zu bekommen und die Diagnose Migräne zu festigen, verordnen Mediziner in manchen Fällen ein MRT (Magnetresonanztomographie; auch Kernspintomographie). Damit können sie krankhafte Veränderungen oder Blutungen ausschließen.
Patienten mit Kopfschmerzen legen sich beim MRT auf einen Untersuchungstisch. Dieser wird eine Röhre gefahren, in der sich ein Magnetfeld befindet. Mithilfe der magnetischen Wellen lassen sich Schnittbildaufnahmen des Körperinneren von hoher Qualität erzeugen. Die Untersuchung dauert 15 bis 50 Minuten. Sogenannte Kontrastmittel werden über die Armvene in den Blutkreislauf verabreicht. Dadurch lassen sich beim MRT Blutgefäße und Muskeln besser darstellen.
Ob ein Mensch Migräne-Patient ist oder nicht, kann der Mediziner mit einem MRT nicht direkt sehen. Zunächst gilt es, mittels der Diagnostik andere Störungen oder Erkrankungen auszuschließen.
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
Computertomographie (CT)
Die Computertomographie des Kopfes ist besonders geeignet, um Veränderungen in der Struktur des Gehirns und z. B. Gefäßschäden im Schädel zu erkennen. Auch die Knochen und knochenähnliche Strukturen können mit dem Verfahren genauer als mit einem MRT dargestellt werden.
Aufgrund der Strahlenbelastung wird die Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Auch bei schwangeren Patienten mit Kopfschmerzen ist ein MRT zu bevorzugen.
Wie läuft ein CT ab? Du liegst in der Regel in Rückenlage, manchmal auch auf dem Bauch, auf einer schmalen Liege. Um diese befindet sich eine ringförmige Öffnung (keine Röhre), in die du hineingefahren wirst - Personen mit Platzangst müssen hier keine Sorgen haben, da das Gerät einen relativ großen Durchmesser hat. Die Messung ist schmerzfrei, falls es dir doch unangenehm wird, kannst du mit den Arzthelfern über eine Gegensprechanlage reden.
Ob eine Migräne vorliegt, ist mit dem CT direkt nicht nachweisbar. Wenn der Arzt Hirnblutungen, Gefäßfehlbildungen oder -verschlüsse sowie Erkrankungen des Schädels und der Nebenhöhlen ausschließen will oder es sich um Akutfälle handelt, ist ein CT oft sinnvoll.
Elektroenzephalographie (EEG)
Bei Kopfschmerzen zählt auch das EEG nicht zu den Basisuntersuchungen. In Ausnahmefällen kann die Elektroenzephalographie aber sinnvoll sein. Es wird dabei die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen. Patienten erhalten dafür eine Art Haarnetz aus Haltebändern. Darauf werden Elektroden angebracht, die Hirnströme messen können.
Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?
Die EEG (Elektroenzephalographie) ist ebenso nicht Teil der Basisuntersuchungen einer Migräne. Manchmal ist sie jedoch sinnvoll, zum Beispiel wenn der Arzt mehr über die elektrische Aktivität des Gehirns wissen möchte. Die Mediziner messen die Hirnströme, wodurch eine mögliche erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems nachgewiesen werden kann - das ist bei einer Migräne im EEG oft auffällig. Für die Messung bekommen Patienten ein Netz mit Elektroden auf den Kopf gesetzt.
Bei bestimmten Kopfschmerzen kann ein EEG bei der Diagnose und Therapie behilflich sein - z. B. bei Migräne. Denn dabei ist oft die Erregbarkeit des Nervensystems erhöht, was ein Auslöser von Kopfschmerzen sein kann. Mithilfe des EEGs lässt sich dies nachweisen. Dafür werden Betroffene während der Untersuchung mit akustischen oder visuellen Reizen konfrontiert. Die Aufzeichnung der Hirnströme lässt dann erkennen, ob eine erhöhte Reizbarkeit der Nerven vorliegt. Bei Spannungskopfschmerzen kann ein EEG außerdem eingesetzt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Eine Studie konnte mittels EEG-Messung darstellen, dass Migräne-Patienten Probleme besser lösen als gesunde Probanden. In dem Experiment mussten die Teilnehmer eine hilflose Situation bewältigen.
Wann ist ein EEG bei Migräne sinnvoll?
Obwohl das EEG nicht zur Basisdiagnostik bei Migräne gehört, kann es in bestimmten Fällen wertvolle Informationen liefern:
- Nachweis einer erhöhten Erregbarkeit des Nervensystems: Bei Migränepatienten ist oft die Erregbarkeit des Nervensystems erhöht, was ein Auslöser von Kopfschmerzen sein kann. Mithilfe des EEGs lässt sich dies nachweisen.
- Ausschluss anderer Erkrankungen: Bei Spannungskopfschmerzen kann ein EEG eingesetzt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.
- Differenzialdiagnose bei Kindern und Jugendlichen: Bei Kindern und Jugendlichen mit Kopfschmerzen oder Migräne sollte das Panayiotopoulos-Syndrom (PS) als Differenzialdiagnose in Betracht gezogen werden. Das PS ist eine gutartige fokale Epilepsie mit autonomem Symptombild, die aufgrund ihrer klinischen Präsentation leicht mit einer Migräne verwechselt werden kann. Das EEG kann hierbei helfen, die Diagnose zu sichern.
Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken auszeichnet. Der Kopfschmerz ist häufig, aber nicht obligat einseitig lokalisiert. Der Schmerzcharakter ist dumpf und drückend und wird insbesondere bei körperlicher Belastung meist stechend, pochend oder pulsierend. Die Intensität ist in aller Regel so hoch, dass sie zu einer relevanten Beeinträchtigung im Alltag führt. Beim Erwachsenen halten Migräne Attacken unbehandelt wenige Stunden bis maximal 3 Tage an. Länger dauernde Migräne Attacken sind selten.
Typisch für die Migräne sind folgende Begleitsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Geräusch- und Geruchs- Überempfindlichkeit. Typischerweise haben Migränepatienten in der Attacke ein erhöhtes Ruhebedürfnis. Sie sind blass und zeigen eine deutliche Rückzugstendenz. Bei ca. 15-25% der Migränepatienten besteht meist vor Eintritt der Kopfschmerzen eine Aura. Sie ist durch neurologische Symptome vor allem Sehstörungen mit Flimmersehen, Gesichtsfelddefekten, Gefühlsstörungen auf einer Körperseite oder eine Sprachstörung gekennzeichnet. Typischerweise entwickeln sich diese Symptome langsam über Minuten und bilden sich binnen einer Stunde wieder zurück.
Die Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns. Es kommt zu einer Aktivierung schmerzverarbeitender Zentren und zur Ausschüttung von schmerzvermittelnden Botenstoffen (Neurotransmittern). Die Botenstoffe führen dazu, dass es an den Blutgefäßen der Hirnhäute zu einer sterilen Entzündungsreaktion kommt. Die Pulsationen in den Blutgefäßen führen zu einer Dehnung der entzündeten Gefäßwand, das auch den typisch pulsierenden Schmerzcharakter der Migräne erklärt.
Nach dem aktuellen Wissensstand besteht für die Migräne eine genetische Veranlagung. Dies bedeutet, dass das Gehirn des betroffenen Migränepatienten auf bestimmte Auslösefaktoren oder Überlastungen mit einer Migräneattacke reagieren kann.
Therapie der Migräne
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der Therapie der Attacke selbst und den vorbeugenden Maßnahmen. Es gibt sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren.
In der Attacke werden in der Regel gängige Schmerzmittel wie z. B. Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen in Kombination mit Medikamenten gegen die begleitende Übelkeit eingesetzt. Darüber hinaus gibt es aber auch migränespezifische Substanzen, die sog. Triptane. Die meisten Triptane sind verschreibungspflichtig, d.h. sie können nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden. Alle Medikamente wirken am besten, wenn sie frühzeitig d.h. zu Beginn der Migräne Attacke eingenommen werden. In der Auraphase helfen die Medikamente oft nicht. Triptane sollten in der Auraphase grundsätzlich nicht eingenommen werden. Damit die Medikamente ihre optimale Wirkung entfalten können, sollten sich die Patienten zurückziehen und hinlegen.
Nachteil aller Schmerzmittel ist, dass sie immer dann, wenn sie über längere Zeit zu häufig eingenommen werden, zu einer Verschlechterung und Chronifizierung der Migräne führen können. Deswegen dürfen normale Schmerzmittel nicht häufiger als an 10-15 Tagen im Monat genommen werden. Migräne spezifische Medikamente sollten höchstens an 8 bis maximal 10 Tagen im Monat genommen werden.
Treten Migräne Attacken mehr als 3 oder 4 mal pro Monat auf oder halten die Attacken regelhaft sehr lange an und sprechen nicht gut auf die Akuttherapie an, sollte eine medikamentöse vorbeugende Behandlung (Prophylaxe) durchgeführt werden. Durch die tägliche Einnahme vorbeugender Migräne Medikamente kann die Häufigkeit und Intensität der Migräne Attacken reduziert werden. Nur so kann man erreichen, dass Patienten mit schweren und häufigen Migräne Attacken nicht zu häufig Schmerzmittel einnehmen müssen. Zum Einsatz kommen Medikamente, die sonst zur Behandlung von Bluthochdruck oder Epilepsie eingesetzt werden. Auch Nahrungsergänzungsmittel und Magnesium können bei einzelnen Patienten eine gute Wirkung zeigen. Es ist wichtig zu wissen, dass die Wirksamkeit einer prophylaktischen Behandlung frühestens nach 4-6 Wochen abgeschätzt werden kann. Wird eine Reduktion der Migräne Attacken um etwa die Hälfte erzielt, gilt eine Prophylaxe als wirkungsvoll. Völlige Schmerzfreiheit wird auch durch eine Prophylaxe meist nicht erzielt. Eine wirkungsvolle Prophylaxe sollte zunächst für mindestens 6-9 Monate beibehalten werden.
Eine wichtige Rolle in der Beeinflussung der Migräneintensität und Häufigkeit spielen die nichtmedikamentösen Verfahren. Studien konnten eine positive Beeinflussung auf die Migräne durch z. B. regelmäßigen Ausdauersport und Muskelentspannungsverfahren nachweisen, auch Biofeedback ist wirksam. Viele Patienten kennen bestimmte Auslösefaktoren für ihre Migräne Attacken wie zum Beispiel Schlafentzug, das Auslassen von Mahlzeiten, unzureichende Flüssigkeitszufuhr oder Stress.
Spannungskopfschmerz: Eine häufige Begleiterscheinung
Viele Menschen haben schon einmal Spannungskopfschmerzen erlebt. Der Spannungskopfschmerz ist der häufigste Kopfschmerz. Bei den meisten Patienten tritt er nur gelegentlich auf. Spannungskopfschmerzen betreffen in der Regel den ganzen Kopf, sie sind dumpf und drückend. Die Intensität ist meist leicht bis mittelstark, so dass sie oft als sehr lästig empfunden werden und nicht zu einer schweren Beeinträchtigung im Alltag führen. Begleitsymptome wie Übelkeit, Lärm- oder Lichtempfindlichkeit, die für eine Migräne typisch sind, fehlen beim Spannungskopfschmerz. Viele Patienten beschreiben die Kopfschmerzen wie „einen Schraubstock“ oder „ein Band und den Kopf, das zu eng ist“, zum Teil wird auch von einem Benommenheitsgefühl gesprochen. Spannungskopfschmerzen nehmen bei körperlicher Aktivität typischerweise nicht zu. Sie bessern sich häufig an der frischen Luft.
Man unterscheidet eine episodische und eine chronische Verlaufsform. Beim chronischen Spannungskopfschmerz treten die Beschwerden über 3 Monate an 15 oder mehr Tagen im Monat auf. Bei den episodischen Verlaufsformen liegt die Zahl der Kopfschmerztage darunter. Nur beim chronischen Spannungskopfschmerz kann auch eine leichte Übelkeit oder auch eine Licht- oder Lärmempfindlichkeit auftreten. Niemals kommt es zum Erbrechen oder zu einer Schmerzzunahme durch körperliche Belastung. Diese Symptome sind für eine Migräne charakteristisch.
Episodische Kopfschmerzen sind sehr häufig. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität in aller Regel nicht wesentlich und sprechen gut auf einfache Schmerzmittel an. Der chronische Spannungskopfschmerz ist dagegen sehr selten und entwickelt sich fast immer aus einem zuvor episodischen Verlauf. Ein wichtiger Risikofaktor für die Chronifizierung von Spannungskopfschmerzen ist der regelmäßige Gebrauch von Schmerzmitteln. Für die Diagnose und Therapie ist es daher ganz entscheidend, einen Übergebrauch von Schmerzmitteln auszuschließen.
Es gibt zudem Hinweise, dass bei der Chronifizierung von Spannungskopfschmerzen auch genetische Faktoren eine Rolle spielen, da das Risiko selbst an einem chronischen Spannungskopfschmerz zu erkranken, in Familien, bei denen andere Mitglieder an einem solchen erkrankt sind, um das dreifache erhöht ist. Epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass Patienten, die unter chronischen Spannungskopfschmerzen leiden, statistisch häufiger an Depression oder Angsterkrankungen und Panikattacken leiden als Personen ohne Kopfschmerzerkrankung. Der ursächliche Zusammenhang ist hierbei nicht ganz klar. Zum einen erhöht eine Depression das Risiko, auch an Kopfschmerzen zu erkranken. Andererseits führen häufige Kopfschmerzen mit der hierdurch bedingten Verschlechterung der Lebensqualität auch zu einem erhöhten Risiko an einer Depression zu erkranken.
Ein besonderes diagnostisches Problem stellt das gleichzeitige Auftreten von Spannungskopfschmerzen und Migräne dar, was häufig beobachtet wird. In diesen Fällen ist oft nicht klar, ob es sich bei den leichteren, als bds. dumpf-drückend empfunden Kopfschmerzen wirklich um einen Spannungskopfschmerz handelt, oder ob diese Kopfschmerzen Ausdruck einer sehr leichten Migräne Attacke sind.
Die Entstehung der Spannungskopfschmerzen ist, obwohl es sich um eine häufige Erkrankung handelt, bis jetzt nicht geklärt. Möglicherweise gibt es auch verschiedene Ursachen, die zu dieser Kopfschmerzart führen und die letztendlich alle wie der oben beschriebene Spannungskopfschmerz aussehen. Die gängigste Vorstellung geht zurzeit von einer erhöhten Anspannung der Nackenmuskulatur aus, die bei häufigem Auftreten zu einer erhöhten Empfindlichkeit der Schmerzzentren im Gehirn führt. Veränderungen in den Muskeln selbst bestehen wohl nicht.
Wenn es zu Änderungen in den zentralen Schmerz verarbeitenden Strukturen gekommen ist, lässt sich der Spannungskopfschmerz erfahrungsgemäß schwieriger behandeln. Die weitere bestehende Verspannung der Muskulatur verstärkt die Mechanismen weiter, so dass ein Teufelskreis entsteht.
Die Diagnose eines Spannungskopfschmerzes sollte nach Möglichkeit durch einen in der Behandlung von Kopfschmerzen erfahrenen Arzt erfolgen. Die Diagnose stützt sich auf die typische Schilderung der Schmerzen und den körperlichen Untersuchungsbefund, der keine Hinweise auf eine andere zu Grunde liegende Ursache der Schmerzen liefern darf. Es gibt keine apparative technische Untersuchung, mit der man den Spannungskopfschmerz nachweisen könnte.
In der Behandlung muss man zwischen den vorbeugenden Maßnahmen (Prophylaxe) und der Schmerztherapie der akuten Attacke unterscheiden.
Medikamentös sind bei akuten Schmerzen die meisten Schmerzmittel, wie Aspirin 500 mg, Paracetamol 500 mg oder Ibuprofen 400 mg gut wirksam. Alternativ können auch ätherische Öle wie Pfefferminzöl versucht werden, die großflächig auf Stirn, Schläfen und den Nacken aufgetragen werden sollen. Ein großes Problem ist, dass die häufige Einnahme von Schmerzmitteln an mehr als 10 Tagen im Monat zu einer Zunahme der Kopfschmerzen führen kann, so dass bei einem chronischen Spannungskopfschmerz empfohlen wird, Schmerzmittel nur dann einzunehmen, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Wichtig ist einen Überblick zu behalten, an wie viel Tagen pro Monat Schmerzmittel genommen wurden.
Im Vordergrund der vorbeugenden Behandlung stehen neben Allgemeinmaßnahmen wie der Organisation eines regelmäßigen Tagesablaufes mit Pausen und ausreichendem Schlaf, sowie der Reduktion von Stressfaktoren regelmäßiger, d.h. nach Möglichkeit dreimal die Woche über mindestens 30 min, Ausdauersport (z. B. Radfahren, Schwimmen, Joggen, Nordic Walking usw.) sowie die Durchführung von Entspannungsübungen, die ähnlich wie bei der Migräne gut wirksam sind. Es stehen verschiedene Entspannungsverfahren zur Verfügung, wobei sich die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) als eines der wirksamsten und am einfachsten durchzuführenden Verfahren erwiesen hat.