Multiple Sklerose: Lebensqualität verbessern und den Alltag meistern

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Die Symptome können vielfältig sein und umfassen Müdigkeit, Gangstörungen, sensorische Veränderungen, Spastik, Schmerzen, kognitive Beeinträchtigungen und visuelle Störungen. Dank moderner MS-Medikamente lässt sich die Multiple Sklerose heute meist gut behandeln. Aber jede Dauertherapie beeinflusst auch, wie flexibel Du Dein Leben und Deinen Alltag gestalten kannst. Fühlst Du Dich manchmal durch Deine MS-Therapie in Deinem Alltag eingeschränkt? Vielleicht sogar mehr als durch die Erkrankung selbst? Trotz der Herausforderungen, die MS mit sich bringt, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Lebensqualität zu verbessern und den Alltag leichter zu meistern.

Die Bedeutung eines gesunden Lebensstils

Ein gesunder Lebensstil spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit MS. Forschende aus Australien haben einen Onlinekurs für MS-Betroffene (MSOC) entwickelt - ein multimodales Programm für einen gesunden Lebensstil. Eine aktuelle Untersuchung lag der Fokus auf den Angaben der Teilnehmenden aus beiden Gruppen zu Studienbeginn. Die Ergebnisse würden die Bedeutung einer multimodalen gesunden Lebensweise bei Personen mit MS unterstreichen, so die Forschenden. Das gelte vor allem bei einem Lebensstil mit mindestens 4 gesunden Verhaltensweisen.

Eine Analyse von Daten von 857 Personen mit MS im medianen Alter von 47 Jahren (überwiegend weiblich, 87 %) aus 52 Ländern ergab, dass gesunde Verhaltensweisen wie eine hochwertige pflanzenbasierte Kost, die Gabe von mindestens 5 000 Internationalen Einheiten Vitamin D pro Tag, sowie von Omega 3, mindestens 30 min körperliche Aktivität an 3 Tagen pro Woche, mindestens 30 min Meditation pro Woche und Rauchverzicht, mit einer besseren Lebensqualität und geringerer Fatigue verbunden sind.

Gesunde Verhaltensweisen und ihre Auswirkungen

Zu Studienbeginn wiesen 33,7 % der Teilnehmenden 1, 30,0 % 2 und 21 % 3 gesunde Verhaltensweisen auf. Mit 91 % war die häufigste der Rauchverzicht. Es folgten mit 35 % Omega-3-Zufuhr, mit 30 % Vitamin-D-Gabe und mit 29 % regelmäßige körperliche Aktivität. Je 11 % ernährten sich gesund und meditierten. Gesunde Ernährung, körperliche Aktivität und Nichtrauchen korrelierten mit gesundheitlichen Auswirkungen. So war zum Beispiel eine gesunde Ernährung mit einer besseren psychischen und physischen QoL und einer geringeren Fatigueprävalenz verbunden. Teilnehmende mit 3 gesunden Verhaltensweisen profitierten hinsichtlich einer höheren psychischen und physischen QoL sowie einer geringeren Prävalenz moderater MS-bedingter Beeinträchtigungen. Ähnliches galt für Personen mit 4-6 gesunden Verhaltensweisen, bei ihnen trat zusätzlich eine Fatigue weniger häufig auf.

Ernährung als Schlüssel zur Verbesserung der Lebensqualität

Eine ausgewogene Ernährung ist ein Schlüsselbaustein für eine verbesserte Lebensqualität. Betroffene mit MS stehen immer wieder vor Herausforderungen, die gesunde Menschen nicht kennen - sei es eine eingeschränkte Mobilität, ständige Erschöpfung oder eine Schlafstörung. Es gilt auch als gesichert, dass sich eine ausgewogene Ernährung positiv auf die Entzündungs- und Immunprozesse im Körper auswirken kann. Dazu gehören bestimmte Fette, Vitamine und Spurenelemente. Es gibt nach aktuellem Wissensstand keine Diät, die MS heilen oder den Verlauf stoppen kann. Eine gesunde Ernährung verringert zudem z.B. das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 und neurodegenerative Erkrankungen (z.B. Parkinson, Demenz). Risikofaktoren, die das Herz und Gefäßsystem betreffen (z.B. Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen) und entsprechende Begleiterkrankungen.

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Antioxidantien und ihre Bedeutung

Um den oxidativen Stress bei MS zu reduzieren, können antioxidative Maßnahmen hilfreich sein. Antioxidantien sind Substanzen, die freie Radikale neutralisieren und so die Zellschädigung begrenzen können. Bei Menschen mit Multipler Sklerose kann durch andauernde Entzündungsprozesse der Bedarf an Antioxidantien erhöht sein. Wichtige Antioxidantien sind: Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E, β-Karotin und die Spurenelemente Kupfer, Selen und Zink. Diese Nährstoffe kannst du bei einer ausgewogenen Ernährung in der Regel mit der täglichen Nahrung zu dir nehmen. Antioxidantien kommen vor allem in Obst und Gemüse vor.

Omega-3-Fettsäuren

Omega 3-Fettsäuren hemmen entzündliche Prozesse im Körper. Diese sind z. B. in fettreichen Fischen wie Lachs, Hering und Makrele enthalten. Das gesunde Fett ist aber auch in Lein- oder Rapsöl, Avocados, Walnüssen, Mandeln oder Chia-Samen zu finden. Nimm zugleich möglichst wenige tierische Fette zu dir, da sie Entzündungen fördern.

Vitamin D

Wissenschaftler vermuten, dass ein Vitamin D-Mangel zur Entstehung der Multiplen Sklerose beiträgt. Sie haben festgestellt: Die Häufigkeit von MS nimmt mit wachsender Entfernung vom Äquator zu.

Kurzkettige Fettsäuren

Forscher fanden z. B. heraus, dass kurzkettige Fettsäuren bei MS Entzündungsreaktionen unterdrücken können und eine regulierende Wirkung auf das Immunsystem haben. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann z. B.

Bewegung und Sport als Therapie

Regelmäßige körperliche Aktivität kann einen großen Beitrag zur verbesserten Lebensqualität leisten. Viele Studien zeigen, dass körperliche Fitness wichtig für die Gesundheit ist. Bei Menschen mit MS kann schon regelmäßiges Gehen alleine die Mobilität verbessern. Sport und Bewegung verbessern dauerhaft dein Wohlbefinden, deine Stimmung und Leistungsfähigkeit. MS-Betroffene profitieren noch darüber hinaus von Sport und Bewegung: Sie können ihre Muskelkraft verbessern, ihr Gleichgewicht fördern und MS-Symptome wie z. B. Fatigue- und Spastik-Anzeichen lindern. Indem MS-Erkrankte ihre Fitness steigern, können sie zudem oft ihre Mobilität und ihren Alltag besser bewältigen.

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Empfohlene Sportarten

  • Aqua-Gymnastik: Mit einer großen Bandbreite an Übungen kräftigt und mobilisiert Aqua Gymnastik den Körper. Darüber hinaus ist sie ein effektives Herz-Kreislauf- Training. MS-Erkrankte können mit Aqua-Gymnastik speziell ihr Gangmuster und ihre Ausdauer verbessern. Geschwächte Muskeln lassen sich gezielt trainieren und dehnen, etwa die Bein- und Rumpfmuskulatur.
  • Bewegungslehren (Eutonie, Feldenkrais, Qigong, Tai Chi, Yoga): Sie stärken das innere Gleichgewicht, erhöhen die Körperwahrnehmung und können MS-Symptome wie Spastik, Depressionen oder Fatigue lindern. Auf sanfte Weise fördern sie, ohne zu überfordern. Daher sind sie auch für Menschen mit stärkeren Einschränkungen geeignet.
  • Fitness/Aerobic: Ein dynamisches Ganzkörpertraining in der Gruppe mit rhythmischen Bewegungen zu schneller Musik. Weil Arme und Beine gleichzeitig bewegt werden, schulen MS-Erkrankte auch Gleichgewicht und Konzentration.
  • Gerätetraining: Gerätetraining im Fitnessstudio kann entweder als reines Fitness- und Krafttraining durchgeführt werden oder als medizinische Trainingstherapie. Die Geräte sind individuell einstellbar und ermöglichen es, die Leistungsfähigkeit auf vielen Ebenen zu steigern.
  • Golf: Wer Sport und Ausgleich an der frischen Luft vereinen möchte, findet dieses beim Golfen. Positiver Aspekt für MS-Erkrankte: Sie können ausdauernd gehen ohne Zeitdruck. Golf spielen schult Konzentration und Ausdauer sowie die Hand-Auge-Koordination.
  • Gymnastik: Gymnastik ist für MS-Erkrankte besonders gut geeignet, um die Beweglichkeit zu erhalten, Körperkontrolle zu entwickeln sowie Koordination, Kraft und Ausdauer zu trainieren. Einzelne Einheiten lassen sich gut zwischendurch in den Alltag einbauen.
  • Kampfsport: Kampfsport hält nicht nur Körper und Geist fit, sondern baut Stress ab und Selbstbewusstsein auf. Er fördert durch präzise Bewegungsabläufe neben Körperbeherrschung, Konzentration, Reaktion und Gleichgewicht auch die Beweglichkeit. Da die Techniken schnell und kraftvoll ausgeführt werden müssen, ist Kampfsport in der Regel jedoch eher für Menschen mit geringer MS-Symptomatik geeignet.
  • Kanufahren/Paddeln: Für MS-Erkrankte, die sich in der freien Natur bewegen möchten, ist Kanufahren ein idealer Sport, da sie sich je nach Leistungsvermögen fit halten können. Durch die Schulung des Gleichgewichts und die rhythmischen Bewegungsabläufe können Symptome wie Spastik oder Ataxie abgeschwächt werden.
  • Klettern: Klettern ist ein effektives Ganzkörpertraining, das Kraft und Ausdauer erhöht und das Selbstvertrauen stärkt. Regelmäßiges Training am Fels oder in der Halle aktiviert ein komplexes Bewegungsmuster, das abwechselnd statische und dynamische Muskelarbeit erfordert und die Arm-Bein-Koordination fördert.
  • Laufen/Joggen: MS-Erkrankte berichten davon, dass Joggen ihnen geholfen hat, die Fatigue zu bekämpfen.
  • Nordic Walking: Nordic Walking ist für MS-Erkrankte besonders geeignet, weil das Gehen mit Stöcken zusätzlichen Halt gibt. Wer von Ataxie und Gleichgewichtsstörungen betroffen ist, gleicht mit dem gezielten Stockeinsatz zusätzlich Koordinationsstörungen aus und schont die Gelenke.
  • Radfahren: MS-Erkrankte, die Schwierigkeiten mit dem Gehen haben, können häufig mit dem Fahrrad wieder längere Strecken zurücklegen. Radfahren stärkt Ausdauer und Kraft und wirkt der motorischen Fatigue entgegen.
  • Reiten: Über den Pferderücken werden dreidimensionale Schwingungen auf den Reiter übertragen. Positiver Effekt: Die dabei entstehenden Impulse ermöglichen ein gezieltes Training der Halte- und Rumpfmuskulatur sowie die Regulierung der Muskelspannung. Menschen mit MS können durch Reiten ihr Gleichgewicht trainieren sowie ihre Ausdauer, ihre Beweglichkeit und ihre Koordination verbessern.

Tipps für das Training

  • Verzichte während eines Schubes weitgehend auf körperliche Aktivitäten.
  • Vermeide Überanstrengung! Fang am besten mit kleinen Trainingseinheiten an und steigere langsam dein Pensum. Baue auch kleine Pausen ein.
  • Achte darauf, dass du dich während des Trainings wohlfühlst, und nimm auch Rücksicht auf deine Symptome.
  • Verzichte bei Hitze auf Sport oder trainiere in einem kühlen Raum!
  • Dusche nach dem Training eher mit kühlem Wasser.
  • Bevorzuge beim Schwimmen Wassertemperaturen zwischen 22 und 26 Grad.
  • Entspanne dich nach dem Training.

Stressmanagement für mehr Lebensqualität

Stress kann MS-Symptome verstärken und auf Dauer auch die Darmbarriere schädigen, was wiederum negative Auswirkungen auf die Immunabwehr hat. Deshalb ist ein effektives Stressmanagement entscheidend. Ein Blick in Online-Foren zeigt: Wer Multiple Sklerose hat, erlebt besonders viel Stress. Der unvorhersehbare Verlauf der MS stellt so manchen Plan in Privatleben und Beruf in Frage und sorgt für Unsicherheit. Und Beschwerden wie Schmerzen und Gehstörungen oder Sexualstörungen verringern zusätzlich die Lebensqualität im Alltag. Bis heute gibt es dagegen keine Belege, dass Stress auch die Ursache der Erkrankung selbst sein kann. Da Stress oft “hausgemacht” ist, liegt es auch in deiner Hand, Stress vorzubeugen und auf diese Weise den Verlauf deiner MS positiv zu beeinflussen. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Optimismus in Bezug auf persönliche Lebensperspektiven beeinflussen uns dagegen positiv - wenn wir uns zutrauen, schwierige Situationen durchzustehen, nehmen wir diese eher als Herausforderung und nicht als unüberwindbares Hindernis wahr. Die gute Nachricht: Optimismus kann man trainieren. So entstehen bereits positive Gefühle und eine optimistische Einstellung, wenn man sich die eigene Zukunft als besonders rosig ausmalt. Ebenso kann es helfen, sich bewusst an den kleinen Dingen zu erfreuen - seien es die ersten Sonnenstrahlen am Morgen, das Lächeln eines Mitmenschen oder Vogelgezwitscher.

Entspannungstechniken

Das Erlernen und anwenden von Entspannungstechniken wie progressiver Muskelentspannung, tiefem Atemtraining, Meditation oder Yoga kann dazu beitragen, Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.

Regelmäßige Pausen

Das Einteilen des Tages in gut strukturierte Abschnitte mit ausreichend Zeit für Pausen und Erholung ist wichtig. Überforderung und chronischer Stress können Symptome verschlimmern.

Soziale Unterstützung

Der Austausch mit Familie und Freunden hilft, emotionalen Stress zu reduzieren. Das Teilen von Erfahrungen und Gefühlen kann nicht nur entlastend sein, sondern schafft ein Gefühl von Verbundenheit.

Zeitmanagement

Effektives Zeitmanagement kann helfen, den täglichen Stress zu reduzieren. Lerne z. B. Prioritäten zu setzen, Pausen einzuplanen, wenn möglich Aufgaben zu delegieren und auch mal Nein zu sagen.

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Tipps für mehr Zufriedenheit und Entspannung im Alltag

  • Sich umfangreich informieren: Eigne dir umfassendes Wissen über MS an. Denn Betroffene, die gut über MS informiert sind, haben weniger Schübe.
  • Tages- und Wochenplan erstellen: Schreib dir detailliert anstehende Termine und Aufgaben für den jeweiligen Tag und die ganze Woche auf. Achte auch darauf, dir deine Zeit realistisch einzuteilen, und rechne Puffer und Pausen mit ein.
  • Mit anderen Betroffenen austauschen: Oft hilft es zu erfahren, wie andere Betroffene ihre Erkrankung erleben und damit umgehen. In verschiedenen Foren kannst du dich mit anderen MS-Erkrankten austauschen und Rat einholen.
  • Hilfe in Anspruch nehmen: Scheue dich nicht, deinen Partner und deine Familie sowie Freunde um Unterstützung zu bitten. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dich dabei unterstützen, belastende Denk- und Verhaltensmuster aufzudecken und persönliche Strategien zur Stressbewältigung zu finden.
  • Informationsflut stoppen: Nimm dir ab und zu eine Auszeit von Telefon, Radio, Fernsehen und Internet.
  • Für schöne Dinge Zeit nehmen: Räume dir regelmäßig Zeit für Erholung und Dinge ein, auf die du dich freust - vom Spaziergang über den Spieleabend mit Freunden bis zum Konzertbesuch.
  • Tagebuch führen: Nimm dir regelmäßig - am besten täglich - Zeit, um deine Gedanken aufzuschreiben. Denn das Schreiben eines Tagebuchs eignet sich wunderbar zur Selbstreflektion und kann helfen, Ängste und belastende Erlebnisse zu bewältigen.
  • Stress-Anzeichen beachten: Achte auf dein Wohlbefinden - und steuere schon bei den ersten Stress-Anzeichen aktiv dagegen.

Umgang mit Fatigue

Bleierne Müdigkeit und Erschöpfung schon nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung - damit kämpfen viele MS-Betroffene Tag für Tag. Gegen das sogenannte Fatigue-Syndrom gibt es bis heute kein wirksames Medikament. Betroffene können sich jedoch den Umgang mit der Fatigue erleichtern, indem sie den Tageslauf ihren persönlichen Bedürfnissen anpassen.

Tipps zum Umgang mit Fatigue

  • Professionellen Rat einholen: Lasse dich von deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt, Physiotherapeuten und MS-Fachberater/-in beraten.
  • Tagesablauf planen: Die täglichen Aufgaben erfordern Kraft und Konzentration. Lerne, nicht einfach schnell loszulegen - koordiniere stattdessen deine Aufgaben. Beginne am besten mit der schwersten oder unangenehmsten Aufgabe und lege regelmäßig Pausen ein.
  • Regelmäßig bewegen: Sei aktiv! Sport und Bewegung verbessern dauerhaft dein Wohlbefinden, deine Stimmung und Leistungsfähigkeit.
  • Hitze vermeiden: Fatigue kann durch Hitze und höhere Körpertemperaturen verstärkt werden - Mediziner sprechen vom sogenannten Uhthoff-Phänomen. Halte dich daher bei hohen Sommertemperaturen in kühlen Räumen auf. Eine kühle Dusche und Kühlaggregate können die Körpertemperatur senken. Vermeide auch Hochleistungs-Sport, da sich der Körper dabei zu sehr erhitzt.
  • Ruhepausen einplanen: Integriere gezielt Pausen in den Alltag, in denen du dich erholen und entspannen kannst. Versuche dabei, ein für dich ausgewogenes Maß an Arbeit und Pausen zu finden, um leistungsfähig zu sein. Nimm dir dafür Zeit - es kann ein mühsamer Prozess sein, die Grenzen der Belastbarkeit herauszufinden. Tritt die Müdigkeit immer zur gleichen Zeit auf? Versuche dich auszuruhen, bevor sie am schlimmsten ist.
  • Soziales Umfeld einweihen: Rede mit Familie und Freunden, aber auch mit deinem beruflichen Umfeld offen über deine Erschöpfbarkeit. So kannst du Missverständnissen vorbeugen und es deinem sozialen Umfeld ermöglichen, sich auf die Fatigue einzustellen.
  • Wohn- und Arbeitsumfeld anpassen: Richte deine Wohnung nach deinen Bedürfnissen ein. Sei es in der Küche, im Wohnzimmer oder am Arbeitsplatz: Häufig verwendete Dinge sollten stets in deiner Nähe und gut erreichbar sein.
  • Ausgewogen ernähren: Achte auf eine gesunde Ernährung. Verzichte möglichst auf Alkohol und schwere Mahlzeiten.

Kognitives Training

Bei MS treten häufig auch kognitive Einschränkungen auf, wie z. B. Kognitives Training hilft dir, deine Konzentration zu steigern und dein Gedächtnis zu verbessern. So gewinnst du Selbstbewusstsein und bist besser für die Herausforderungen im Beruf und privatem Alltag gewappnet.

Tipps für kognitives Training

  • Mit einfachen Memo-Spielen bringst du deine grauen Zellen auf Trab. Spieleklassiker wie z. B. „Ich packe meinen Koffer und nehme … mit“ eignen sich ebenso wie Denk- und Rätselspiele.
  • Nutze deine Tätigkeiten im Alltag, um eigene Übungen zu entwickeln. Rechne z. B. beim Einkaufen von Lebensmitteln die Preise deiner Waren im Kopf zusammen.
  • Achte auf kurze und vor allem regelmäßige Trainingseinheiten - sie können die Gedächtnisleistung besonders effektiv verbessern.
  • Im Alltag helfen Routinen. B. einen Weg in Gedanken abgehst.
  • Schlafe ausreichend, denn Schlaf ist z. B. für die Bildung eines Langzeitgedächtnisses wichtig.
  • Bewege dich ausreichend! Es ist belegt, dass sich sportliche Aktivität positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt. So wird bei regelmäßiger Bewegung das Gehirn besser durchblutet.

Blasenstörungen

Vielleicht bist du, wie viele Betroffene mit MS im Laufe ihres Lebens, auch von einer Blasenstörung betroffen? Dagegen kannst du etwas unternehmen - z. B. Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die die Organe im Bauchraum stützt und den Bauchraum von unten abschließt. Eine gute Beckenboden-Muskulatur unterstützt die Funktion der Blase und ist außerdem wichtig, um Stuhl zu halten. Ein Training des Beckenbodens kann daher Blasenstörungen und Stuhl-Inkontinenz lindern und auch bei sexuellen Problemen helfen. Das Training steigert so die Lebensqualität - bei Frauen ebenso wie bei Männern.

Tipps bei Blasenstörungen

  • Trinke ausreichend! Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich. Bekommt dein Körper zu wenig Flüssigkeit, kann dies deine Leistungsfähigkeit einschränken und zu Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Harnwegsinfektionen und Nierenproblemen führen.
  • Verzichte auf Kaffee, schwarzen Tee oder Cola, da diese Getränke harntreibend sind.
  • Stelle deine Tagesmenge an Flüssigkeit am besten schon morgens gut sichtbar bereit, zum Beispiel an deinem Arbeitsplatz. So kannst du besser kalkulieren, wie es um dein Pensum steht.
  • Trinke bei Hitze mehr.
  • Gehe noch einmal auf die Toilette, bevor du das Haus verlässt. Bewegung treibt die Blase an - daher könntest du in unpassenden Momenten Harndrang verspüren.
  • Vermeide einen verstärkten Druck bei der Entleerung des Darms - dies kann die Beckenmoden-Muskulatur schwächen.

Hygienemaßnahmen und Körperpflege bei Blasenschwäche

  • Gelangt Urin auf die Haut, sollte er möglichst schnell abgewaschen werden, um Hautreizungen vorzubeugen.
  • Bei minimaler Inkontinenz reicht die Verwendung einer normalen Slipeinlage. Es gibt aber auch spezielle Einlagen, die den Urin geruchsneutral auffangen.
  • Verwende zum Waschen möglichst pH-neutrale Produkte.
  • Trockne die Haut gut ab.

Rehabilitation

Rehabilitationsmaßnahmen spielen eine entscheidende Rolle in der Behandlung und im Management von Multipler Sklerose (MS). Sie zielen darauf ab, die funktionelle Leistungsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern, die Selbstständigkeit und persönliche Bewegungsfreiheit zu fördern, sowie die Einbindung in Familie, Beruf und soziales Umfeld zu unterstützen. Durch individuell angepasste Rehabilitationsprogramme und die Teilnahme an verschiedenen Therapieformen, wie Physiotherapie, Ergotherapie oder kognitiven Trainings, können Patienten ihre motorischen Fähigkeiten und kognitiven Funktionen stärken. Langfristig kann die Reha MS-Kranken für den Alltag zu Hause stärken, indem sie ihnen die notwendigen Werkzeuge und Strategien an die Hand gibt, um mit den Auswirkungen ihrer Erkrankung umzugehen. Dazu gehören das Erlernen von Techniken zur Symptomkontrolle, das Anpassen des Wohnraums an ihre Bedürfnisse und das Aufbauen eines unterstützenden sozialen Netzwerks.

In der Regel müssen zwischen zwei Reha-Maßnahmen vier Jahre liegen, es sei denn, es besteht eine medizinische Notwendigkeit für eine frühere Intervention. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) empfiehlt, dass bei MS-Betroffenen eine 4- bis 6-wöchige Rehabilitation möglichst jährlich wiederholt werden soll, um eine langfristige Verbesserung zu erzielen.

Moderne Immuntherapien und ihre Auswirkungen

In der Vergangenheit ging eine Multiple-Sklerose-Erkrankung für die meisten Patienten mit einer signifikanten Behinderung und einer verkürzten Lebenserwartung einher. Mittlerweile ermöglichen moderne Immuntherapien eine nahezu normale Lebensdauer bei gutem Befinden. Die Chancen für Patienten mit Multipler Sklerose (MS), trotz ihrer Erkrankung ein gutes Leben mit hoher Lebensqualität zu führen, werden laut Registerdaten stetig besser. Viele Patienten bleiben langfristig ohne Behinderung, die Lebenserwartung hat deutlich zugenommen. Ein großer Anteil an dieser Entwicklung wird der Immuntherapie zugeschrieben.

Reduktion der Schubrate

Durch eine Immuntherapie werden bei schubförmig remittierender MS (RRMS) Krankheitsschübe verhindert. Die Progression der Erkrankung kann aufgehalten werden.

Weniger Fatigue

„Eine Therapie, die Schübe verhindert, verbessert die Lebensqualität“, sagte Haas. Sie verringert auch die Fatigue. Die Behandlung von Fatigue und von Depressionen hat nach Angaben der Neurologin entscheidenden Anteil am Erfolg einer MS-Therapie und der Verbesserung der Lebensqualität. Die symptomatische Therapie sollte an die Bedürfnisse der Patienten angepasst werden.

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