Die Neurologie ist ein faszinierendes und zugleich anspruchsvolles Fachgebiet der Medizin. Sie befasst sich mit der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Nervensystems und der Muskulatur. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Kursinhalte im Neurologiestudium, die Bedeutung des Faches und die Ausbildung zum Facharzt für Neurologie.
Einführung in die Neurologie
Die Neurologie ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems sowie der Muskulatur beschäftigt. Dazu zählen das Gehirn, das Rückenmark, die Nerven und die neuromuskuläre Endplatte. Im Medizinstudium ist die Neurologie laut Approbationsordnung eins der Hauptfächer. Der Schein gilt somit als Voraussetzung für die Zulassung zum Zweiten Staatsexamen. Die Neurologie umfasst ein sehr breites Spektrum an Krankheitsbildern, die sowohl strukturelle als auch funktionelle Störungen betreffen können.
Kaum ein anderes Fach vereint so eindrucksvoll Theorie und Praxis - vom Reflexhammer bis zum MRT-Bild, von der Schlaganfallversorgung bis zur komplexen Differentialdiagnose bei Schwindel. Während viele Studierende anfangs vor der sogenannten „Königsdisziplin“ zurückschrecken, offenbart sich mit wachsendem Verständnis ein äußerst logisches System: Symptome führen über die Lokalisation zur Diagnose. Die Neurologie lebt vom Denken in Bahnen, vom präzisen Beobachten und dem richtigen Fragen. Auch wenn das Fach im Studium nicht zu den beliebtesten gehört, ist es für die spätere ärztliche Tätigkeit von zentraler Bedeutung - egal ob in der Notaufnahme, auf Station oder in der Hausarztpraxis.
Kursinhalte im Neurologiestudium
Untersuchungskurs Neurologie
Der Untersuchungskurs Neurologie ist ein wichtiger Bestandteil des Medizinstudiums. Er findet an zwei Terminen statt (Praktikum Neurologie 1 und 2) und dient nicht nur dazu, später als Arzt zu wissen, was sich wirklich hinter dem Begriff „grob neurologisch unauffällig“ verbirgt. Dieser Kurs wird auch als Vorbereitung für den Epikrisenpatienten und den OSCE benötigt. Achtung: Die neurologische Untersuchung wird aufgeteilt. Im ersten Termin werden vor allem die Themen Gang/Stand und Hirnnerven, im zweiten Termin Motorik, Koordination, Sensibilität und Reflexe behandelt.
Im Rahmen des Untersuchungskurses lernen die Studierenden die neurologischen Untersuchungsmethoden kennen. Der praktische Unterricht findet in Kleingruppen unter Supervision von Teaching Assistants statt. Alle angemeldeten Studenten werden in zwei Gruppen aufgeteilt (Reihenfolge der Anmeldungen ist dabei entscheidend). Diese zwei Gruppen werden wiederum in Kleingruppen für den praktischen Teil aufgeteilt. Die Anmeldung erfolgt über das SLF der Universität des Saarlandes. Die Vorlesungen finden im Hörsaal der Neurologie im Erdgeschoss des Gebäudes 90 um 16.15 Uhr statt. Die praktischen Übungen finden nach Absprache mit Ihren Teaching Assistants statt. Der Untersuchungskurs endet mit einer praktischen Prüfung (Zweiergruppe) am Semesterende sowie einer gemeinsamen MC-Klausur vor Beginn des Praktikums am Semesteranfang. Die Prüfungen des Untersuchungskurses (jeweils 50% praktische Prüfung und U-Kurs-Klausur) gehen zu 1/3 in die Gesamtnote ein.
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Hauptvorlesung zu neurologischen Erkrankungen
Im 3. bzw. 4. Klinischen Semester hören die Studenten die Hauptvorlesung zu den neurologischen Erkrankungen mit 3 Semesterwochenstunden. Parallel findet ein durch die neurologischen Ärzte der Klinik supervidiertes Praktikum am Patientenbett zur inhaltlichen Vertiefung statt. Dieses ermöglicht Untersuchungstechniken zu verbessern und das theoretische und praktische Wissen um die Diagnostik und Behandlung neurologischer Erkrankungen zu vertiefen. Die Anmeldung erfolgt über das SLF der Universität des Saarlandes. Voraussetzungen sind die bestandene Untersuchungskurs-Klausur und praktische Prüfung. Die Klausur findet vor dem Veranstaltungsstart statt. Die Vorlesungen beinhalten 3 Semesterwochenstunden (montags 14.15 bis 16.00 Uhr sowie dienstags 11.15 Uhr bis 12.00 Uhr). Das Praktikum findet mit ebenfalls 3 Semesterwochenstunden montags (16.00 bis 18.15 Uhr) oder freitags (12.00 bis 14.15 Uhr) statt. Das Praktikum endet mit einer gemeinsamen MC-Klausur am Semesterende.
Schwerpunktcurriculum Klinische Neurobiologie
Die Neurowissenschaften haben in den letzten Jahren stets an Bedeutung gewonnen und das Wissen ist schnell expandiert. Gleichzeitig fehlt es an Möglichkeiten, dieses Wissen und Kenntnisse über moderne, in den neurowissenschaftlichen Forschungsgebieten eingesetzte Techniken im universitären Bereich zu erwerben. Das Schwerpunktcurriculum Klinische Neurobiologie soll dem schnellen Transfer von neuen Erkenntnissen der Neurowissenschaften in die Praxis dienen und einer begrenzten Anzahl von Studenten im Rahmen ihrer Ausbildung die Möglichkeit geben, sich vertiefend und studienbegleitend im Bereich der Neurowissenschaften fortzubilden.
Das Curriculum wird gemeinsam von den Kliniken bzw. Instituten für Anatomie, Neurologie, Neurochirurgie, Neurophysiologie, Psychiatrie, Psychologie und Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der Neuropathologie angeboten. Im den Seminaren werden die Themen von den Studierenden gemeinsam mit den BetreuerInnen erarbeitet und im Rahmen von Referaten vorgestellt und diskutiert. Das Schwerpunktcurriculum Klinische Neurobiologie erfolgt studienbegleitend über sechs Semester mit 2 SWS und einem Wochenendseminar.
Bedeutung der Neurologie im Medizinstudium und im klinischen Alltag
Im Medizinstudium ist die Neurologie laut Approbationsordnung eins der Hauptfächer. Der Schein gilt somit als Voraussetzung für die Zulassung zum Zweiten Staatsexamen. Das IMPP stellt im Hammerexamen viele Fragen zur Neurologie. Bei den insgesamt 320 Fragen kann man mit rund 8 Prozent reinen Neuro-Fragen rechnen.
Kaum ein medizinisches Fachgebiet ist im klinischen Alltag so häufig präsent wie die Neurologie. Viele Patienten stellen sich mit Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen vor - unabhängig von der Fachrichtung. Die Neurologie ist ein wichtiges Querschnittsfach, das Berührungspunkte mit vielen anderen Disziplinen hat, darunter Innere Medizin (z. B. Kardiologie, Angiologie), Geriatrie (z. B. Schlaganfall, Demenz), Notfallmedizin (z. B. Schädel-Hirn-Trauma, Status epilepticus) und Psychiatrie (z. B. organische Psychosen, Demenz).
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Ausbildung zum Facharzt für Neurologie
Weiterbildungsziel und -zeit
Ziel der Weiterbildung im Gebiet Neurologie ist die Erlangung der Facharztkompetenz nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit und Weiterbildungsinhalte. Die Weiterbildungszeit beträgt 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1, davon 24 Monate in der stationären neurologischen Patientenversorgung, 12 Monate in Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und/oder Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 6 Monate in der intensivmedizinischen Versorgung neurologischer Patienten. Bis zu 12 Monate können im Gebiet Innere Medizin und/oder in Allgemeinmedizin, Anatomie, Neurochirurgie, Neuropathologie, Neuroradiologie und Physiologie angerechnet werden. Bis zu 24 Monate können im ambulanten Bereich abgeleistet/angerechnet werden.
Weiterbildungsinhalte
Die Weiterbildungsinhalte umfassen den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in der Vorbeugung, Erkennung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation neurologischer Krankheitsbilder und Defektzustände, der neurologisch-psychiatrischen Anamneseerhebung einschließlich biographischer und psychosozialer Zusammenhänge, psychogener Symptome sowie somatopsychischer Reaktionen, der Indikationsstellung und Überwachung neurologischer, neurorehabilitativer und physikalischer Behandlungsverfahren, der Indikationsstellung und Auswertung neuroradiologischer Verfahren, der interdisziplinären diagnostischen und therapeutischen Zusammenarbeit auch mit anderen Berufsgruppen der Gesundheitsversorgung wie der Krankengymnastik, Logopädie, Neuropsychologie und Ergotherapie einschließlich ihrer Indikationsstellung und Überwachung entsprechender Maßnahmen, der Indikationsstellung soziotherapeutischer Maßnahmen, der gebietsbezogenen Arzneimitteltherapie, den Grundlagen der gebietsbezogenen Tumortherapie, der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten, neurologisch-geriatrischen Syndromen und Krankheitsfolgen einschließlich der Pharmakotherapie im Alter, den Grundlagen neurologisch relevanter Schlaf- und Vigilanzstörungen, den Grundlagen der Verhaltensneurologie und der Neuropsychologie, den Grundlagen hereditärer Krankheitsbilder einschließlich der Indikationsstellung für eine humangenetische Beratung, der Hirntoddiagnostik, der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen und Einordnung der Ergebnisse in das jeweilige Krankheitsbild, der intensivmedizinischen Basisversorgung, der Akutbehandlung von Suchterkrankungen.
Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren
Die definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren umfassen Elektroenzephalographie, Elektromyographie, Elektroneurographie einschließlich der kortikalen Magnetstimulation, visuelle, somatosensible, akustisch und motorisch evozierte Potentiale, Funktionsdiagnostik des autonomen Nervensystems, Funktionsanalysen bei peripheren und zentralen Bewegungsstörungen sowie Gleichgewichtsstörungen, Funktionsanalysen bei Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen, neuro-otologische Untersuchungen, z. B. experimentelle Nystagmusprovokation, spinovestibuläre, vestibulospinale und zentrale Tests, verhaltensneurologische und neuropsychologische Testverfahren, sonographische Untersuchungen von Nervensystem und Muskeln sowie Doppler-/Duplex-Untersuchungen extra- und intrakranieller hirnversorgender Gefäße, neurologische Befunderhebung bei Störungen der höheren Hirnleistungen, z. B. Aphasie, Apraxie, Agnosie, Neglect.
Kooperative Facharztausbildung
Einige Kliniken bieten in Zusammenarbeit mit Universitätskliniken die Möglichkeit einer kooperativen Facharztausbildung an. Diese ermöglicht es, die Ausbildung an zwei Häusern zu absolvieren und so ein breiteres Spektrum an neurologischen Erkrankungen kennenzulernen. In der Regel beginnt die Ausbildung in einem kleineren Krankenhaus, wo die Grundlagen der Neurologie erlernt werden. Im zweiten Teil der Ausbildung werden die neurologischen Kenntnisse an einer Universitätsklinik vertieft.
Innovationen in der neurologischen Ausbildung
Einige Kliniken bieten innovative Konzepte an, die Brücken in der Ausbildung zur Fachärztin/zum Facharzt für Neurologie schlagen. Dazu gehören beispielsweise interne Fortbildungsreihen, die die häufigsten und wichtigsten Krankheitsbilder der Neurologie bearbeiten und die Akut-Versorgung trainieren. Auch die Einführung in die Zusatzdiagnostik (EEG, EP, Neurografie/Myografie, Neurosonografie, Schwindeldiagnostik, Liquor) ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung.
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Die Rolle der klinischen Untersuchung
Auch in der heutigen Zeit bleibt die klinische Untersuchung und Analyse der körperlichen Befunde ein Schwerpunkt in der neurologischen Krankenversorgung. Die Untersuchung am Krankenbett und die Kommunikation mit dem Patienten sind wesentliche Bestandteile des Patienten-Arzt-Verhältnisses. Der Erwerb dieser Fähigkeiten stellt den Schwerpunkt während der gesamten Ausbildungszeit dar.
Bedeutung der Ultraschalldiagnostik
Unter oberärztlicher Anleitung werden die wichtigen Techniken der Ultraschalldiagnostik der hirnversorgenden Gefäße vom Beginn der Ausbildung an erlernt. Dies ermöglicht eine schnelle und nicht-invasive Beurteilung der Gefäße und ist ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Diagnostik.
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