Die Schilddrüse, ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das sich unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre befindet, spielt eine entscheidende Rolle für den Stoffwechsel, das Nervensystem und das allgemeine Wohlbefinden. Sie produziert die Hormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4, auch Thyroxin genannt), die ins Blut abgegeben werden und zahlreiche Körperfunktionen beeinflussen. Wenn die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone produziert, liegt eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vor. Diese kann angeboren oder erworben sein, wobei die erworbene Form meist Folge einer Schilddrüsenentzündung ist.
Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann verschiedene Ursachen haben. Selten ist sie angeboren, meistens jedoch Folge eines späteren Verlusts oder der Zerstörung von Schilddrüsengewebe, beispielsweise durch eine Entzündung. Auch eine Fehlfunktion der Steuerzentren im Gehirn (Hypothalamus und Hypophyse) kann zu einer Hypothyreose führen.
Die häufigsten Ursachen für eine erworbene Hypothyreose sind:
- Autoimmun-Thyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis): Bei dieser Autoimmunerkrankung bildet der Körper Antikörper gegen das eigene Schilddrüsengewebe, was zu einer chronischen Entzündung und Zerstörung des Gewebes führt. Betroffen sind vor allem Frauen ab dem 40. Lebensjahr.
- Schilddrüsenentzündung: Eine akute oder chronische Entzündung der Schilddrüse kann die Hormonproduktion beeinträchtigen.
- Therapiefehler: Eine zu starke Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) mit Medikamenten oder Radiojodtherapie kann zu einer Unterfunktion führen.
- Operationen an der Schilddrüse: Die Entfernung von Schilddrüsengewebe bei einer Operation, beispielsweise bei Kropf (Struma), kann eine Hypothyreose verursachen.
- Jodmangel: Ein Mangel an Jod, das für die Hormonproduktion benötigt wird, kann in seltenen Fällen zu einer Unterfunktion führen. In Deutschland ist Jodmangel jedoch selten die Ursache.
- Einnahme von Medikamenten: Einige Medikamente, wie Lithium oder Amiodaron, können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen.
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion
Eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt sich oft schleichend und verursacht zunächst nur geringe, harmlose Beschwerden. Daher wird sie oft erst spät erkannt. Die Symptome sind vielfältig, da die Schilddrüse viele Körperfunktionen beeinflusst.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Allgemeine Symptome:
- Müdigkeit, Erschöpfung, erhöhtes Schlafbedürfnis
- Antriebslosigkeit, Teilnahmslosigkeit, depressive Verstimmungen
- Kälteempfindlichkeit
- Gewichtszunahme
- Verlangsamte Reflexe
- Haut und Haare:
- Trockene Haut
- Spröde, brüchige Haare, vermehrter Haarausfall
- Brüchige Nägel
- Muskeln und Gelenke:
- Muskelschwäche, Muskelsteifigkeit und Schmerzen
- Gelenkschmerzen
- Herz-Kreislauf-System:
- Verlangsamter Herzschlag
- Erhöhter Blutdruck
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Verdauung:
- Chronische Verstopfung
- Hormonelle Störungen:
- Unregelmäßige Monatsblutung bei Frauen, unerfüllter Kinderwunsch oder reduzierte Empfängnisfähigkeit
- Verminderung des sexuellen Lustempfindens und der Potenz bei Männern
- Weitere Symptome:
- Heisere, tiefe Stimme, langsame, verwaschene Sprache
- Flüssigkeitsansammlung in den Augenlidern (Lid-Ödeme)
- Myxödeme: Teigige Schwellung des Unterhautbindegewebes, vor allem an den Armen und Beinen und im Gesicht. Betroffene wirken "aufgeschwemmt".
- Eventuell ein Kropf (Struma)
Psychische Auswirkungen:
Schilddrüsenhormone beeinflussen auch den Hirnstoffwechsel und die Gehirntätigkeit. Bei einer Unterfunktion kann es daher zu psychischen Symptomen kommen, wie:
- Depressive Verstimmungen, Apathie, Interessenlosigkeit
- Schnelle Erschöpfung, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen
- Gedächtnisstörungen
- Angstzustände
- Im Extremfall Wahnvorstellungen bis hin zu Suizidgedanken
Da sich die Schilddrüsenunterfunktion oft sehr langsam und schleichend entwickelt, werden die Symptome leicht übersehen und fälschlicherweise dem Alter zugerechnet.
Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion
Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion basiert auf verschiedenen Untersuchungen:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und die aktuellen Beschwerden des Patienten.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Schilddrüse und achtet auf Anzeichen einer Unterfunktion.
- Blutuntersuchungen:
- TSH-Wert: Der TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) ist der wichtigste Wert zur Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion. Bei einer Unterfunktion ist der TSH-Wert in der Regel erhöht.
- Schilddrüsenhormonwerte (fT3 und fT4): Bei einer Unterfunktion liegen die Werte für fT3 (freies Trijodthyronin) und fT4 (freies Thyroxin) unterhalb des Normbereichs.
- Antikörper: Bei der Autoimmun-Thyreoiditis (Hashimoto) lassen sich meist bestimmte Antikörper gegen Thyreoglobulin (Tg-Antikörper) und Thyroxinperoxidase (TPO-Antikörper) im Blut nachweisen.
- Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Durch Ultraschall können Größe und Beschaffenheit der Schilddrüse beurteilt werden. Bei einer Entzündung der Schilddrüse erscheint diese im Ultraschall typischerweise echoarm (dunkel) und inhomogen.
- Szintigrafie: Mittels Szintigrafie wird die Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse untersucht. Liegt eine Unterfunktion vor, nimmt die Schilddrüse die radioaktiv markierte Substanz nur in geringem Maße oder gar nicht auf.
Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion
Ziel der Behandlung ist es, den Hormonmangel auszugleichen und die Beschwerden zu beseitigen oder zu lindern. Die Schilddrüsenunterfunktion ist - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht heilbar und muss daher dauerhaft mit Medikamenten behandelt werden.
- Hormonersatztherapie mit Levothyroxin (T4): Das künstlich hergestellte Levothyroxin wird in Tablettenform eingenommen und ist mit dem vom Körper gebildeten T4 identisch. Im Körper kann es in das aktive Hormon T3 umgewandelt werden. Die Dosierung wird individuell angepasst und regelmäßig überwacht.
- Kombinationstherapie mit Levothyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3): In einigen Fällen kann eine Kombinationstherapie mit T4 und T3 sinnvoll sein, insbesondere wenn sich der Patient unter der alleinigen T4-Therapie nicht ausreichend wohlfühlt.
- Zusätzliche Jodzufuhr: Bei Jodmangel als Auslöser kann zusätzlich Jod notwendig sein. In Deutschland kommt eine Schilddrüsenunterfunktion aufgrund eines schweren Jodmangels aber praktisch nicht vor.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Levothyroxin:
- L-Thyroxin sollte nicht gemeinsam mit anderen Medikamenten eingenommen werden. Zwischen der Einnahme von L-Thyroxin und anderen Medikamenten sollte ein Abstand von mindestens einer Stunde liegen.
- Die Tabletten sollten morgens nüchtern, etwa 30 Minuten vor dem Frühstück, mit ausreichend Wasser eingenommen werden.
- Die Dosierung muss genau eingehalten und regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden.
- Die Behandlung muss in der Regel lebenslang erfolgen.
Muskelschmerzen und Schilddrüsenunterfunktion
Muskelschmerzen (Myalgien) und Muskelsteifigkeit sind häufige Symptome bei einer Schilddrüsenunterfunktion. Der Mangel an Schilddrüsenhormonen kann den Energiestoffwechsel der Muskeln beeinträchtigen und zu Muskelbeschwerden führen.
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Wie beeinflussen Schilddrüsenhormone die Muskulatur?
Schilddrüsenhormone beeinflussen Stoffwechselprozesse in der Muskulatur auf verschiedenen Ebenen. Sie regulieren die Proteinsynthese, den Kohlenhydratstoffwechsel, die extra- und intrazellulären Elektrolytkonzentrationen und die Enzymaktivität im Muskel.
Muskelsymptome bei Hypothyreose:
- Muskelschwäche, insbesondere im Becken- und Oberschenkelbereich
- Muskelsteifigkeit und Schmerzen
- Muskelkrämpfe, die durch körperliche Belastung oder Kälte ausgelöst werden können
- Verlangsamte Muskelkontraktion und -erschlaffung
- Erhöhte Muskelenzyme (CK-Wert) im Serum
Behandlung von Muskelschmerzen bei Hypothyreose:
Die Behandlung der Muskelschmerzen zielt in erster Linie auf die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion ab. Durch die Hormonersatztherapie mit Levothyroxin kann der Hormonmangel ausgeglichen und die Muskelfunktion verbessert werden. In der Regel bilden sich die Muskelsymptome nach erfolgreicher endokrinologischer Behandlung langsam zurück.
Schilddrüsenunterfunktion und Nerven
Schilddrüsenhormone beeinflussen auch die Funktion der Nervenzellen. Bei einer Unterfunktion kann es daher zu neurologischen Symptomen kommen, wie:
- Konzentrationsstörungen
- Gedächtnisstörungen
- Verlangsamte Reflexe
- Depressive Verstimmungen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Extremitäten (Parästhesien)
Behandlung von Nervenbeschwerden bei Hypothyreose:
Auch hier steht die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion im Vordergrund. Durch die Hormonersatztherapie können die neurologischen Symptome in der Regel verbessert werden.
Leben mit einer Schilddrüsenunterfunktion
Mit einer gut eingestellten Schilddrüsenunterfunktion können Betroffene ein normales Leben führen. Wichtig ist, die Medikamente regelmäßig einzunehmen und die Kontrolluntersuchungen beim Arzt wahrzunehmen.
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Weitere Empfehlungen für Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion:
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung.
- Ausreichend Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Muskelkraft zu erhalten und die Stimmung zu verbessern.
- Stress vermeiden: Vermeiden Sie Stress und Überforderung. Erlernen Sie Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson.
- Ausreichend Schlaf: Achten Sie auf ausreichende Ruhe- und Schlafzeiten.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Lassen Sie Ihre Schilddrüsenwerte regelmäßig vom Arzt kontrollieren.
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