Einführung
Die Prostata ist ein wichtiges Organ im männlichen Körper, dessen Erkrankungen wie Prostatitis, benigne Prostatahyperplasie (BPH) und Prostatakrebs weit verbreitet sind. Insbesondere die operative Entfernung der Prostata (Prostatektomie), oft aufgrund von Krebs, kann eine Reihe von Komplikationen nach sich ziehen, darunter Nervenirritationen und Inkontinenz. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Folgen und verschiedenen Behandlungsansätze im Zusammenhang mit Prostatabeschwerden und Nervenirritationen, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.
Körperliche Aktivität und ihre Bedeutung in der Onkologie
Lange Zeit wurde körperliche Aktivität in der Onkologie kontrovers diskutiert. Früher wurde Krebspatienten oft Ruhe und Schonung empfohlen. Dank zahlreicher wissenschaftlicher Studien ist dieser Irrglaube widerlegt. Körperliche Aktivität ist eine wertvolle Ergänzung, sowohl während der Krebstherapie als auch in der Nachsorge zur Regeneration. Die positiven Auswirkungen sind vielfältig und umfassen körperliche und psychische Aspekte.
Beckenbodentraining: Grundlagen und Bedeutung
Ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung von Prostatabeschwerden und den Folgen einer Operation ist das Beckenboden- und Schließmuskeltraining. Dieses Training vermittelt ein Grundverständnis für den Blasenschließmuskel und den Beckenboden, einschließlich ihrer Lage, Funktion und Arbeitsweise. Auch die physiologischen Zusammenhänge von Atmung und Beckenbodenaktivität werden beleuchtet.
Lage und Funktion des Beckenbodens
Der Beckenboden besteht aus verschiedenen Schichten von Muskeln, Bändern und Bindegewebe. Seine Form und Befestigung im knöchernen Becken ermöglichen es ihm, die Organe des Bauchraumes zu stützen und zu tragen. Beim Mann wird der Beckenboden an zwei Stellen durch die Harnröhre und den Analkanal unterbrochen. An einem dieser Punkte bildet der äußere Harnröhrenschließmuskel den Verschlussmechanismus für die Kontinenz.
Zusammenspiel mit anderen Muskelgruppen
Der Beckenboden arbeitet mit der Bauch- und Rückenmuskulatur sowie dem Zwerchfell zusammen, um dem inneren Druck entgegenzuwirken und die aufrechte Körperhaltung zu ermöglichen. Das Zwerchfell, eine weitere Muskelplatte, bildet den oberen Abschluss des Bauchraumes.
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Auswirkungen einer Prostataentfernung
Durch die Entfernung der Prostata wird die Blase chirurgisch mit der Harnröhre verbunden, wodurch der innenliegende Anteil der Harnröhre verkürzt wird. Dies erschwert es dem äußeren Schließmuskel, die Kontinenz sicherzustellen. Zudem wird durch die räumliche Nähe der Prostata zum Blasenhals oft ein Teil des Blasenhalses mit entfernt, was die Anforderungen an den äußeren Schließmuskel weiter erhöht.
Postoperative Irritationen und ihre Folgen
Nach einer Prostataoperation ist die Beckenboden- und Verschlussmuskulatur oft irritiert, was die Anspannungsfähigkeit herabsetzt oder sogar aufhebt. Eine Irritation der Blasenmuskulatur im Blasenhalsbereich kann zu Fehlreaktionen der Blase führen, wodurch der Füllungszustand der Blase fehlerhaft interpretiert wird und starker Harndrang mit Urinverlust auftreten kann.
Diagnostik und Therapie der postoperativen Harninkontinenz
Vor therapeutischen Maßnahmen ist eine genaue Diagnostik der postoperativen Harninkontinenz erforderlich. Eine naheliegende, aber nicht immer sinnvolle Lösung ist die Reduzierung der Trinkmenge, da dies unerwünschte Auswirkungen auf den Körper haben kann.
Trinkmenge und Blasengesundheit
Eine ausreichende Trinkmenge ist wichtig für die Kapazität und Gesundheit der Blase. Als Faustregel gilt: 30 ml pro Kilogramm Körpergewicht ist das Minimum. Die Trinkmenge sollte in etwa der Urinmenge entsprechen, wobei pro Toilettengang 250 - 500 ml Harn normal sind.
Kontrolle des Trink- und Toilettengangverhaltens
Ein Hilfsmittel zur Kontrolle des Trink- und Toilettengangverhaltens ist ein Miktionsprotokoll. Hierfür wird ein Messbecher neben der Toilette platziert, um über zwei Tage den Zusammenhang zwischen Trink- und Urinmenge zu beobachten.
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Blasentraining
Die Blase ist ein Speicherorgan, dessen Fassungsvermögen trainiert werden kann. Um die volle Kapazität der Blase auszuschöpfen, sollte neben der Kontrolle der Trinkmenge die Zeitabstände zwischen den Toilettengängen stetig verlängert werden.
Übungstagebuch
Ein Übungstagebuch kann helfen, den täglichen Übungsaufwand zu überwachen. Hier werden die Tagesform, die durchgeführten Übungen, der Zeitraum und individuelle Anmerkungen notiert.
Richtiges Verhalten beim Wasserlassen
Beim Toilettengang sollte man sich setzen, eine aufrechte Haltung einnehmen und sich Zeit lassen, ohne zu pressen. Die Urinmenge pro Toilettengang sollte mindestens 300 ml betragen.
Umgang mit Harndrang
Bei Harndrang sollte man versuchen, diesen zurückzuhalten, angefangene Tätigkeiten beenden und sich ablenken. Ein innerer Dialog mit der Blase kann helfen, sie zu beruhigen. Bei starkem Harndrang kann man sich auf die Kante eines Stuhles setzen und ein Hohlkreuz machen, um die Harnröhre zu verschließen.
Reflexpunkte und andere Tricks
Das Berühren von Reflexpunkten im Gesicht oder das Kneifen und Loslassen der Eichel kann helfen, den Harndrang zu reduzieren. Beim Niesen sollte man den Kopf zur Seite drehen, um starken Druck auf den Beckenboden zu vermeiden.
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Ernährung und Verdauung
Eine regelmäßige, gesunde und ballaststoffreiche Ernährung hat einen positiven Einfluss auf das Verdauungs- und Ausscheidungssystem. Viel Obst, Gemüse und Getreide unterstützen in Kombination mit einer ausreichenden Flüssigkeitsmenge einen regelmäßigen Stuhlgang. Ein gefüllter Darm nimmt mehr Platz im Bauchraum ein und übt so zusätzlichen Druck auf die Blase aus. Säurebetonte Früchte sollten gemieden werden.
Rehabilitation und Geduld
Die Rehabilitation eines verletzten oder überstrapazierten Muskels bzw. Muskelsystems benötigt Zeit. Ein übertriebenes Training kann kontraproduktiv sein. Körperliche Bewegung sollte dauerhaft in den Lebensstil integriert werden, um die Gesundheit bestmöglich zu erhalten.
Medikamentöse Nervenreparatur nach Prostatektomie
Forschende des Albert Einstein College of Medicine haben ein neues Medikament entwickelt, das in Tierstudien erfolgreich die Nerven regenerieren konnte, die bei einer radikalen Prostatektomie beschädigt wurden. Dieses Medikament hemmt das Enzym Fidgetin-like 2 (FL2), welches die Wanderung von Hautzellen bremst. Durch die Hemmung von FL2 konnten die Nerven in den Tierversuchen regenerieren und die erektile Funktion teilweise wiederhergestellt werden.
Erektile Dysfunktion trotz nervenschonender OP-Techniken
Auch bei nervenschonenden Operationstechniken kann es zu Schädigungen der kavernösen Nerven kommen, die den Blutfluss in den Penis regulieren. Medikamente wie Sildenafil sind bei diesen Patienten oft nicht wirksam genug.
Wirkungsweise des neuen Medikaments
Das Medikament basiert auf kleinen Ribonukleinsäure-Molekülen (siRNAs), welche die Gene für die Codierung und Herstellung des Enzyms FL2 hemmen. Es regte nach der Nervenschädigung die Regeneration der Nerven an und die erektile Funktion erholte sich teilweise wieder.
Stickstoffmonoxid und Erektion
Im Penisschaft der behandelten Tiere ließen sich höhere Mengen des Enzyms Stickstoffmonoxid-Synthase (NO-Synthase) nachweisen, welches Stickstoffmonoxid produziert, das die gesamte Kaskade von Prozessen anstößt, die schließlich zu einer Erektion führen.
Erektile Dysfunktion: Ursachen und Behandlung
Eine erektile Dysfunktion (ED) ist die anhaltende Unfähigkeit, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu bekommen und aufrechtzuerhalten. Viele Krebstherapien können die Sexualität beeinträchtigen und zu einer ED führen.
Ursachen der erektilen Dysfunktion
Die operative Behandlung von Prostatakrebs, andere operative Eingriffe im kleinen Becken, Erschöpfung oder psychische Blockaden können zu Impotenz führen.
Behandlungsmethoden
Nach einer nervschonenden Operation können PDE-5-Hemmer verschrieben werden. Weitere wirksame Methoden sind die MUSE-Therapie, die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) und Vakuumpumpen.
Stationäre Reha
Eine stationäre Reha bietet die Möglichkeit zu offenen Gesprächen, sachgerechter Information und der Erprobung von Methoden. Ärzte, Psychologen und Therapeuten arbeiten eng zusammen, um eine ganzheitliche Therapie zu ermöglichen.
Lebensstil und Erektionsfähigkeit
Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung, Gewichtsreduktion, Stressvermeidung, Rauchverzicht und maßvollem Alkoholkonsum kann sich positiv auf die Erektionsfähigkeit auswirken.
Partnergespräche
Partnergespräche können helfen, Verunsicherungen und Redebedarf im Umgang mit einer erektilen Dysfunktion zu thematisieren.
Inkontinenz nach Prostata-Operation
Die Inkontinenz nach einer Prostata-Operation kann Folge einer operationsbedingten Schwächung des Schließmuskels oder einer Irritation der Blase sein.
Diagnose und Therapie
Die Diagnose erfolgt durch eine Blasendruckmessung und eine Blasenspiegelung. Konservative Therapie mit Muskelaufbautraining wie Schließmuskeltraining oder Biofeedback-Training ist von großer Bedeutung. Bei ausbleibender Besserung können operative Maßnahmen wie Schließmuskel-Unterspritzungen, die Implantation von Mikroballons, die Anlage von Harnröhrenschlingen / -bändern oder ein künstlicher Schließmuskel notwendig werden.
Prostatitis: Entzündung der Prostata
Die Prostatitis ist eine entzündliche Erkrankung der Prostata, die relativ häufig vorkommt und oft Schmerzen und Beschwerden beim Wasserlassen und Ejakulieren verursacht. Es gibt unterschiedliche Arten der Prostatitis, generell wird zwischen einer akuten und chronischen Prostatitis unterschieden.
Ursachen und Symptome
Die akute Prostatitis wird immer durch bakterielle Infekte verursacht, während die chronische Prostatitis verschiedene Ursachen haben kann. Die Symptome variieren je nach Art der Prostatitis.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch eine digital-rektale-Untersuchung, eine Urinuntersuchung und ggf. eine MRT-Untersuchung. Die Behandlung hängt von der Ursache ab und kann Antibiotika, Schmerzmittel oder symptomatische Therapien umfassen.
Belastungsinkontinenz nach Prostata-OP
Die Hauptursache für eine Belastungsinkontinenz beim Mann ist eine Prostata-OP. In den meisten Fällen tritt im Laufe der ersten Monate eine Besserung ein, jedoch bleibt sie in bis zu 15 Prozent der Fälle behandlungsbedürftig.
Faktoren, die eine Belastungsinkontinenz begünstigen
Das Alter des Patienten, die operative Technik, einschlägige Vorerkrankungen, die Größe der tumorbefallenen Prostata und das eigene Körpergewicht spielen eine Rolle.
Was tun bei persistierender Belastungsinkontinenz?
Wenn die Inkontinenz auch nach den ersten drei Monaten nach der Operation weiterhin besteht, ist es wichtig, die Ursache zu ermitteln. Konservative Therapie mit Muskelaufbautraining, spezielle Therapien wie Elektro-, Magnetfeld- oder Vibrationstherapien und operative Maßnahmen können in Betracht gezogen werden.
Medikamentöse Therapie: Duloxetin
In einigen Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung mit Duloxetin helfen, jedoch ist die Wirksamkeit nicht garantiert und es können Nebenwirkungen auftreten.
Erneute Operation
Bevor es zu einem erneuten Eingriff kommt, sollten zunächst alle konservativen Erstlinientherapiemethoden ausgeschöpft werden.
Gezieltes Beckenbodentraining
Gezieltes Beckenbodentraining mit einer App wie ACTICORE1 kann sehr gut geeignet sein, um die Muskulatur zu stärken und die Inkontinenz zu reduzieren.