Schmerzen Links Unter Herz Ursachen: Ein Umfassender Überblick

Brustschmerzen sind ein Symptom, das viele Menschen sofort mit einem Herzinfarkt in Verbindung bringen. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Brustschmerzen viele Ursachen haben können, und nicht jeder Schmerz im Brustkorb deutet auf eine Herzerkrankung hin. Insbesondere bei Frauen können sich Herzprobleme anders äußern als bei Männern, was die Diagnose erschweren kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die möglichen Ursachen von Schmerzen im linken unteren Bereich des Herzens, einschließlich Herzerkrankungen, muskuloskelettalen Problemen, Verdauungsstörungen und anderen Faktoren.

Herzbedingte Ursachen für Brustschmerzen

Herzbedingte Schmerzen treten typischerweise mittig hinter dem Brustbein auf. Sie werden oft als dumpfer Druck oder Engegefühl beschrieben, als ob ein Gewicht auf der Brust liegt oder jemand den Brustkorb zusammendrückt. Die Schmerzen können in den linken Arm, beide Arme, den Hals, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen. Seltener äußern sich Herzschmerzen als Stechen oder Brennen.

Koronare Herzkrankheit (KHK) und Angina Pectoris

Die häufigste Ursache für herzbedingte Brustschmerzen ist die koronare Herzkrankheit (KHK), bei der es zu einer Mangeldurchblutung des Herzmuskels kommt. Ablagerungen verengen ein oder mehrere Herzkranzgefäße, der Blutfluss wird behindert und das Herz kann nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Dies kann zu Angina Pectoris führen, einemEngegefühl in der Brust.

Es gibt zwei Hauptformen der Angina Pectoris:

  • Stabile Angina Pectoris: Bei der stabilen Angina Pectoris treten die Symptome in der Regel im Zusammenhang mit körperlicher Belastung auf, etwa beim Sport, beim Treppensteigen oder bei anstrengenden Alltagstätigkeiten. Die Schmerzen sind immer ähnlich stark und verschwinden nach kurzer Zeit, sobald die Betroffenen sich ausruhen oder blutgefäßerweiternde Medikamente einnehmen.
  • Instabile Angina Pectoris: Bei der instabilen Angina Pectoris treten die Schmerzen neu, deutlich intensiver oder im Ruhezustand auf. Sie sind intensiver und dauern länger an als bei der stabilen Angina Pectoris, selbst Medikamente können sie nicht immer lindern. In diesem Stadium ist immer medizinische Hilfe erforderlich, da das Risiko für einen lebensbedrohlichen Herzinfarkt erhöht ist.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Ein Herzinfarkt ist ein medizinischer Notfall, der auftritt, wenn ein oder mehrere Herzkranzgefäße vollständig verschlossen sind und ein Teil des Herzmuskels nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird. Typische Symptome sind:

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  • Starke Schmerzen im Brustkorb, meist hinter dem Brustbein
  • Stechen in der linken Brust
  • Engegefühl und Atemnot
  • Ausstrahlung der Schmerzen in die linke Schulter, den Oberbauch, den Rücken, den Hals und den Unterkiefer
  • Übelkeit, Schweißausbrüche und Todesangst

Bei Frauen können die Symptome eines Herzinfarkts anders sein als bei Männern. Am stärksten sind bei ihnen oft die Schmerzen im Oberbauch. Die Symptome halten mindestens 20 Minuten an.

Mikrovaskuläre Angina

Neben der koronaren Herzkrankheit kann auch eine mikrovaskuläre Angina zu Brustschmerzen führen. Dabei sind nicht die großen Herzkranzgefäße verengt, sondern die winzigen Gefäße im Herzmuskel funktionieren nicht richtig. Sie können sich nicht ausreichend erweitern oder ziehen sich krampfartig zusammen. Das führt zu Durchblutungsstörungen, die in Standarduntersuchungen wie Herz-CT oder Katheter oft nicht sichtbar sind.

Weitere Herzerkrankungen

Weitere Herzerkrankungen, die Brustschmerzen verursachen können, sind:

  • Herzklappenerkrankungen: Erkrankungen der Herzklappen, wie z.B. eine Aortenstenose (Verengung der Aortenklappe), können Brustschmerzen, Atemnot und Ohnmachtsanfälle verursachen.
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Eine Entzündung des Herzmuskels kann zu diffusen Brustschmerzen, Müdigkeit, Leistungsminderung und Herzrhythmusstörungen führen.
  • Herzbeutelentzündung (Perikarditis): Eine Entzündung des Herzbeutels kann stechende Brustschmerzen verursachen, die sich beim Atmen verschlimmern.
  • Herzrhythmusstörungen: Herzrhythmusstörungen können ebenfalls Brustschmerzen verursachen.
  • Angeborene Herzfehler: Angeborene Herzfehler können ebenfalls zu Brustschmerzen führen.

Nicht-Herzbedingte Ursachen für Brustschmerzen

Brustschmerzen können auch durch eine Vielzahl von Erkrankungen verursacht werden, die nicht das Herz betreffen. Dazu gehören:

Muskuloskelettale Ursachen

  • Muskelverspannungen und Muskelkater: Verspannungen von Muskeln, Muskelkater und Schmerzen im oberen Rücken strahlen oft in die Brust aus. Sie verursachen bewegungsabhängige, meist leichte, teilweise ziehende Schmerzen in der Brust.
  • Interkostalneuralgie: Bei einer Interkostalneuralgie gehen Schmerzen von einem oder mehreren Zwischenrippennerven (Nervus intercostali) aus. Symptome sind ein Brennen in der Brust entlang des Nervs und stechende, oft einseitige Schmerzen. Die Interkostalneuralgie tritt zum Beispiel bei einer Gürtelrose oder bei Rippenbrüchen auf.
  • Wirbelblockaden: Diese Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule treten oft plötzlich auf und reizen Nerven und Muskeln zwischen den Rippen. Vor allem im Bereich der Brustwirbelsäule führen solche Blockaden zu Beschwerden, die einer Angina pectoris ähnlich sind.
  • Rippenbruch (Fraktur) oder Rippenprellung: Ein unkomplizierter Rippenbruch ist nicht bedrohlich, führt aber zu starken Schmerzen in der Brust, vor allem beim Atmen, Lachen und Husten. Auch Rippenprellungen sind oft für mehrere Wochen äußerst schmerzhaft.
  • Tietze-Syndrom: Bei dieser sehr seltenen Erkrankung kommt es zu einer Schwellung der Rippenknorpel im Bereich des Brustbeins. Betroffene berichten von Rippen- sowie Brustbein-Schmerzen.

Erkrankungen des Verdauungstrakts

  • Sodbrennen und Refluxkrankheit: Magenprobleme äußern sich oft als brennendes Gefühl oder Sodbrennen, häufig in Abhängigkeit von Mahlzeiten. Herzschmerzen - wie bei einer Angina pectoris - werden dagegen eher als Druck-, Enge- oder Beklemmungsgefühl beschrieben, oft mit Ausstrahlung in die Arme, Rücken oder Hals. Aber: Diese Unterschiede sind nicht immer eindeutig.
  • Speiseröhrenriss: Ursachen dieser Komplikation können eine Reflux-Krankheit oder Alkoholismus sein. Durch heftiges Erbrechen kommt es zu Schleimhauteinrissen bis hin zu einem kompletten Riss der Speiseröhre. Betroffene leiden dann unter heftigem Bruststechen.
  • Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis): Eine akute Pankreatitis äußert sich meist durch plötzlich auftretende, gürtelförmig ausstrahlende Schmerzen im Oberbauch, die bis in den Rücken ausstrahlen. Weitere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Fieber.
  • Roemheld-Syndrom: Gasansammlungen im Bauchraum drücken das Zwerchfell nach oben, so dass Herzbeschwerden entstehen. Dabei kommt es zu Symptomen wie Stechen in der linken Brust, Herzstechen und Druckgefühl. Die Beschwerden ähneln denen der Angina pectoris.
  • Erkrankungen der Gallenblase: Gallensteine oder eine Gallenblasenentzündung können zu Schmerzen im Oberbauch führen, die in den Brustbereich ausstrahlen und dort ein starkes Ziehen verursachen.

Lungenerkrankungen

  • Lungenentzündung (Pneumonie): Typische Zeichen einer Lungenentzündung sind Husten, Stechen in der Brust und Schmerzen im Brustkorb, angestrengtes Atmen, hohes Fieber und Auswurf. Die Beschwerden äußern sich ein- oder beidseitig.
  • Brustfellentzündung (Pleuritis): Eine Pleuritis äußert sich mit stechenden, häufig einseitigen Schmerzen im Brustkorb, die beim Atmen und Husten schlimmer werden. Druckgefühl, Husten, Fieber und Kurzatmigkeit kommen in einigen Fällen hinzu.
  • Lungenembolie: Hierbei wird ein Lungengefäß durch ein mit dem Blut angeschwemmtes Gerinnsel verstopft. Plötzlich auftretende Schmerzen im Brustkorb, Atemnot und Husten sowie Bewusstlosigkeit sind mögliche Folgen. Es handelt sich um einen lebensbedrohlichen Notfall.
  • Pneumothorax: Ist das Rippenfell gerissen, gelangt Luft in den Spalt zwischen Lunge und Rippenfell, was zu einem Kollaps der Lunge führt. Plötzliche Atemnot, stechende Schmerzen in der Brust (links oder rechts), Husten und ein Erstickungsgefühl sind häufige Folgen. Ein Pneumothorax entsteht meist durch äußere Verletzungen.
  • Lungenkrebs: Bösartige Tumorerkrankungen der Lunge werden häufig von stetig zunehmenden Schmerzen in der Brust, Husten, Atemnot, Heiserkeit sowie blutigem Auswurf begleitet.

Andere Ursachen

  • Gürtelrose (Herpes Zoster): Die Varizellaviren (bei Kindern Auslöser der Windpocken, bei Erwachsenen zeigt sich die Erkrankung in Form einer Gürtelrose) breiten sich im Versorgungsgebiet eines Nervenastes aus. Häufig ist eine Brustkorbhälfte betroffen. Gürtelförmiger Hautausschlag sowie elektrisierende, brennende Schmerzen in der Brust sind die Folge.
  • Aortendissektion: Darunter versteht man einen plötzlichen Riss in der Gefäßwand der Hauptschlagader. Stärkste Brustschmerzen, die in den Rücken, die Beine und den Bauch ausstrahlen, sind häufige Anzeichen dieser schweren Erkrankung. Es besteht Lebensgefahr.
  • Angst und Panikattacken: Psychische Ursachen bzw. Stress können sich ebenfalls durch Brustschmerzen äußern, indem es beispielsweise durch Muskelverspannungen zu Nervenirritationen kommt.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist wichtig, bei Brustschmerzen einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Insbesondere bei folgenden Symptomen sollte man sofort den Notruf wählen:

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  • Plötzlich auftretende, starke Brustschmerzen - insbesondere in Ruhe
  • Brustschmerzen, die von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Kaltschweißigkeit, Blässe, niedrigem Blutdruck oder schnellem Puls begleitet werden
  • Brustschmerzen, die länger als 20 Minuten anhalten
  • Atemnot
  • Schwindel oder Ohnmacht
  • Ausstrahlung der Schmerzen in den Arm, den Hals, den Kiefer oder den Rücken

Auch bei einem plötzlichen Leistungsknick - wenn man bisher körperlich aktiv war, nun aber schon bei geringer Belastung Beschwerden hat - sollte man einen Arzt aufsuchen.

Diagnose von Brustschmerzen

Um die Ursache von Brustschmerzen zu diagnostizieren, wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B.:

  • Elektrokardiogramm (EKG): Die Messung der elektrischen Herzaktivität ist unverzichtbar, um Herzkrankheiten zu erkennen.
  • Röntgen des Brustkorbs (Röntgen-Thorax): Mithilfe eines Röntgenbildes ist es dem Arzt möglich, viele Veränderungen der Lunge und des Skeletts zu erkennen.
  • Ultraschall des Herzens (Echokardiografie): Mit einer Ultraschalluntersuchung lässt sich die Herzfunktion beurteilen.
  • Magenspiegelung (Gastroskopie): Eine Gastroskopie zeigt gegebenenfalls krankhafte Veränderungen der Speiseröhre und des Magens auf.
  • Lungenspiegelung (Bronchoskopie): Mit einer Bronchoskopie werden Lungenerkrankungen sichtbar gemacht.
  • Herzkatheteruntersuchung: Bei einer Herzkatheteruntersuchung können die Herzkranzgefäße dargestellt und Verengungen oder Verschlüsse festgestellt werden.

Behandlung von Brustschmerzen

Die Behandlung von Brustschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei Herzerkrankungen können Medikamente, interventionelle Eingriffe (z.B. Stentimplantation) oder Operationen erforderlich sein. Bei muskuloskelettalen Ursachen können Schmerzmittel, Physiotherapie oder manuelle Therapie helfen. Bei Erkrankungen des Verdauungstrakts können Medikamente zur Reduktion der Magensäure oder zur Förderung der Darmbewegung eingesetzt werden. Bei Lungenerkrankungen können Antibiotika, Bronchodilatatoren oder Sauerstofftherapie erforderlich sein.

Was kann man selbst tun?

Bei weniger gravierenden Ursachen der Schmerzen haben Sie folgende Möglichkeiten, Ihre Beschwerden mit einfachen Mitteln selbst zu behandeln oder die entsprechende Behandlung zu unterstützen:

  • Verspannung: Gegen verspannte Muskeln hilft eine Mischung aus Wärme und Bewegung am besten. Wärmepflaster mit Capsaicin regen die Durchblutung an und lockern die Muskulatur, zusätzliche Bewegung dehnt sie. Auch Massagen verschaffen in vielen Fällen Linderung.
  • Sodbrennen: Verzichten Sie auf schwere Mahlzeiten (besonders vor dem Schlafengehen) und meiden Sie säurebildende Stoffe wie Nikotin und Alkohol sowie scharf gewürzte Speisen.
  • Gürtelrose: Die medikamentöse Behandlung lässt sich mit Bettruhe unterstützen. Das macht die Schmerzen in der Brust in vielen Fällen erträglicher.

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