Zu viel Adrenalin: Ursachen von Taubheitsgefühlen und was Sie dagegen tun können

Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens Taubheitsgefühle in verschiedenen Körperteilen. Diese können vielfältige Ursachen haben, wobei ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt, insbesondere ein Überschuss an Adrenalin, eine Rolle spielen kann. In diesem Artikel werden die Zusammenhänge zwischen Adrenalin, Stress und Taubheitsgefühlen beleuchtet und mögliche Ursachen sowie Lösungsansätze aufgezeigt.

Die Rolle von Adrenalin und Cortisol im Körper

Adrenalin, auch bekannt als das "Kampf-oder-Flucht"-Hormon, und Cortisol, das Stresshormon, sind zwei der wichtigsten Hormone, die im Körper zirkulieren. Adrenalin beschleunigt den Herzschlag und verbessert die Lungenfunktion. Cortisol ist für die Regulierung von Stoffwechselprozessen verantwortlich, die dem Körper bei Bedarf Energie zur Verfügung stellen. Es erhöht den Blutdruck und Blutzuckerspiegel und aktiviert die Körperzellen. In höheren Konzentrationen wirkt Cortisol entzündungshemmend.

Die Nebennieren und ihre Funktion

Die Nebennieren sind kleine Hormondrüsen, die oberhalb der Nieren liegen. Die Nebennierenrinde produziert unter anderem Cortisol, Aldosteron (das den Blutdruck reguliert) und Androgene (männliche Hormone). Die Nebennierenrinde wird von der Hypophyse und dem Hypothalamus gesteuert, wodurch ein komplexer Regelkreis entsteht.

Prof. Dr. med. Stefan R., Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III und des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, betont, dass die Nebenniere das wichtigste Stressorgan des Menschen und das am meisten durchblutete Organ im Körper ist. Er erklärt, dass die Nebenniere aus zwei Teilen besteht: dem Nebennierenmark, das vor allem Adrenalin produziert, und der Nebennierenrinde, die hauptsächlich Cortisol produziert.

Die "Nebennierenschwäche" - Mythos oder Realität?

In der Alternativmedizin wird häufig die Diagnose "Nebennierenschwäche" (Adrenal Fatigue) gestellt, insbesondere bei Menschen, die unter Stress, Schlafstörungen, chronischer Müdigkeit und Erschöpfung leiden. Schulmediziner betrachten die Nebennierenschwäche jedoch als eine "Mode-Diagnose", da es aus ihrer Sicht keine wissenschaftlichen Beweise für deren Existenz gibt.

Lesen Sie auch: Was Sie über Krämpfe durch zu viel Magnesium wissen sollten

Aus schulmedizinischer Sicht gibt es die Nebenniereninsuffizienz, bei der die Nebennieren nicht genügend Hormone produzieren. Im Gegensatz dazu soll bei der Nebennierenschwäche die Kommunikation zwischen Gehirn und Nebennieren gestört sein, was zu einem ständig erhöhten Cortisolspiegel und schließlich zur Erschöpfung der Nebennieren führt.

Ursachen von Taubheitsgefühlen

Taubheitsgefühle können verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Stress und Angst: In der Kampf-/Fluchtphase werden die Beschwerden durch das Sympathische Nervensystem mittels Adrenalinausschüttung verursacht. Der Körper ist alarmiert, und es gibt bei einer Panikattacke nichts, wofür er die Energie einsetzen könnte.
  • Muskuläre Verspannungen: Längeres Sitzen fördert muskuläre Verspannungen, die wiederum die Nerven beeinträchtigen, die mit den Armen und Beinen verbunden sind.
  • Vitamin- und Mineralstoffmangel: Ein Mangel an Vitaminen (z. B. Vitamin B12) oder Mineralstoffen (z. B. Magnesium) kann zu neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen führen.
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Eine Überfunktion der Schilddrüse kann ebenfalls zu Nervosität, innerem Zittern und Taubheitsgefühlen führen.
  • Unterzuckerung (Hypoglykämie): Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel kann die Ausschüttung von Adrenalin auslösen, was zu Nervosität, Zittern und Taubheitsgefühlen führen kann.
  • Wechseljahre: Hormonelle Veränderungen während der Wechseljahre können bei Frauen zu innerem Frieren und Zittern, Nervosität und Taubheitsgefühlen führen.
  • Schlafmangel: Chronischer Schlafmangel kann die Nervenfunktion beeinträchtigen und zu Überempfindlichkeit und Taubheitsgefühlen führen.
  • Infektionen und Viruserkrankungen: Bestimmte Infektionen, wie z. B. Lyme-Borreliose, können das Nervensystem schädigen und Taubheitsgefühle verursachen.
  • Medikamente und Koffein: Einige Medikamente und ein übermäßiger Koffeinkonsum können das Nervensystem stimulieren und zu innerem Zittern, Unruhe und Taubheitsgefühlen führen.
  • Polyneuropathie: Die Nervenerkrankung Polyneuropathie kann sich durch Kribbeln und Missempfindungen in Füßen, Beinen und Händen bemerkbar machen. Stress kann sowohl eine primäre als auch eine sekundäre Ursache einer Polyneuropathie sein.

Symptome von zu viel Adrenalin

Ein Überschuss an Adrenalin kann sich durch verschiedene Symptome äußern, darunter:

  • Herzklopfen und Herzrasen
  • Erhöhter Blutdruck
  • Trockener Mund
  • Atemnot und Beklemmungen in der Brust
  • Innere Unruhe und Überempfindlichkeit
  • Schwindelgefühle
  • Blasse Haut, kalte Hände und Füße
  • Kribbelgefühle
  • Erweiterte Pupillen
  • Innerliches Zittern

Was tun bei Taubheitsgefühlen und zu viel Adrenalin?

Wenn Sie unter Taubheitsgefühlen und den genannten Symptomen leiden, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

  1. Ärztliche Untersuchung: Lassen Sie die Ursachen der Taubheitsgefühle von einem Arzt abklären, um mögliche Erkrankungen auszuschließen. Dazu können Blutuntersuchungen, neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren gehören.
  2. Stressmanagement: Identifizieren Sie Stressfaktoren in Ihrem Leben und entwickeln Sie Strategien zur Stressbewältigung. Dazu können Entspannungstechniken wie Meditation, Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder Yoga gehören. Auch die Festlegung gesunder Grenzen und das Vermeiden von Stressoren können hilfreich sein.
  3. Ernährungsumstellung: Achten Sie auf eine ausgewogene und vitalstoffreiche Ernährung mit hochwertigen Eiweißen, Vitaminen, komplexen Kohlenhydraten und Mineralstoffen. Vermeiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker, Koffein und Alkohol, da diese innere Unruhe und Nervosität verstärken können.
  4. Bewegung: Integrieren Sie regelmäßige körperliche Aktivität in Ihren Alltag. Ausdauersportarten wie Schwimmen, Laufen oder Radfahren können helfen, Stress abzubauen und die Stimmung zu verbessern.
  5. Schlafhygiene: Achten Sie auf ausreichend Schlaf und eine gute Schlafhygiene. Gehen Sie regelmäßig zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie auf, schaffen Sie eine ruhige und dunkle Schlafumgebung und vermeiden Sie Bildschirme vor dem Schlafengehen.
  6. Nahrungsergänzungsmittel: In einigen Fällen kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein, um einen Mangel auszugleichen oder die Nervenfunktion zu unterstützen. Sprechen Sie jedoch vorher mit Ihrem Arzt oder Apotheker, um die richtige Dosierung und eventuelle Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu besprechen. Mögliche Nahrungsergänzungsmittel sind:
    • Magnesium: Hilft bei Muskelverspannungen und Nervosität.
    • B-Vitamine: Unterstützen die Nervenfunktion.
    • Vitamin D: Wichtig für die allgemeine Gesundheit und kann bei einem Mangel die Stimmung verbessern.
    • Adaptogene: Pflanzen wie Ashwagandha können helfen, den Körper vor den schädlichen Auswirkungen von Stress zu schützen.
  7. Pflanzliche Beruhigungsmittel: Bei nervöser Unruhe und innerem Zittern können pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian, Johanniskraut oder Melisse helfen, die Nerven zu beruhigen und die Entspannung zu fördern.
  8. Psychotherapie: Wenn Stress, Angst oder andere psychische Probleme die Ursache für die Taubheitsgefühle sind, kann eine Psychotherapie hilfreich sein, um die zugrunde liegenden Probleme zu bearbeiten und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
  9. Behandlung von Grunderkrankungen: Wenn die Taubheitsgefühle auf eine Grunderkrankung wie Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion oder Polyneuropathie zurückzuführen sind, ist eine gezielte Behandlung dieser Erkrankung erforderlich.

Morbus Addison und Nebenniereninsuffizienz

Es ist wichtig, eine Nebenniereninsuffizienz wie den Morbus Addison auszuschließen. Dabei handelt es sich um eine seltene, aber schwere Erkrankung, bei der die Nebennieren nicht genügend Cortisol und Aldosteron produzieren. Symptome sind unter anderem Erschöpfung, niedriger Blutdruck und Hautveränderungen. Die Diagnose erfolgt durch Blutuntersuchungen und Stimulationstests. Die Therapie besteht in der lebenslangen Einnahme von Hormonen.

Lesen Sie auch: Was wiegt ein menschliches Gehirn?

Adrenalin bei Reanimation

Eine französische Studie deutet darauf hin, dass die Verwendung von Adrenalin bei der Reanimation nach einem Herzstillstand möglicherweise nicht nur positive Auswirkungen hat. Wiederbelebte Patienten, die mit Adrenalin reanimiert wurden, hatten geringere Aussichten, in gutem neurologischem Zustand entlassen zu werden. Die Ergebnisse zeigten, dass der negative Adrenalineffekt dosisabhängig war und sich die Ergebnisse verschlechterten, je länger es bis zur ersten Adrenalinspritze gedauert hatte. Trotz dieser Einschränkungen nähren die Studienergebnisse den Verdacht, dass Adrenalin möglicherweise nicht der ideale Vasopressor in der Reanimationssituation darstellt.

Lesen Sie auch: Delfine: Mehr als nur verspielte Meeressäuger

tags: #zu #viel #adrenalin #taubheitsgefuhl