Die Ataxie beim Pferd ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch unkoordinierte Bewegungen gekennzeichnet ist. Diese Bewegungsstörungen sind nicht auf Verletzungen des Bewegungsapparates zurückzuführen, sondern auf Schäden im Zentralnervensystem. In diesem Artikel werden die verschiedenen Aspekte der spinalen Ataxie beim Pferd beleuchtet, einschliesslich Ursachen, Symptome, Diagnose, konventionelle und homöopathische Behandlungsansätze, sowie Managementstrategien zur Verbesserung der Lebensqualität betroffener Pferde.
Was ist Ataxie beim Pferd?
Das Wort „Ataxie“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet Unordnung. Ein Pferd, das unter einer Ataxie leidet, zeigt unkoordinierte oder über das Ziel hinausgehende Bewegungen. Anders als bei Lahmheiten sind für diese Bewegungsstörungen aber keine Verletzungen des Bewegungsapparats verantwortlich. Es handelt sich um eine Erkrankung des Zentralnervensystems (neurologische Erkrankung) mit Schäden an Nervenfasern. Durch diese Schäden kann das betroffene Nervengewebe keine Impulse an die Muskeln oder das Gehirn mehr weiterleiten, und es kommt zu Koordinationsschwierigkeiten. Je nach Lokalisation des Schadens unterscheidet man die spinale Ataxie, bei der ein Teil des Rückenmarks betroffen ist, die cerebellare Ataxie (Kleinhirnataxie) und die cerebrale Ataxie, bei der Großhirn, Zwischenhirn oder Mittelhirn betroffen sind.
Ursachen der Ataxie beim Pferd
Die Ursachen für Ataxie bei Pferden sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:
Verletzungen:Traumatische Ereignisse wie Stürze oder Überschläge, insbesondere bei Fohlen, können zu Verletzungen der Halswirbelsäule und des Rückenmarks führen. Diese Verletzungen können das sogenannte Wobbler-Syndrom verursachen, bei dem es zu Schäden und Wachstumsstörungen der knöchernen Wirbel kommt, was eine Verengung des Wirbelkanals und eine Schädigung des Halsmarks zur Folge hat. Kommt es beim Klären der Rangordnung zum Sturz, kann ein eventuell entstehendes Trauma langfristig zu Ataxie führen.
Infektionen:Schwere Infektionen, insbesondere durch Viren wie Herpesviren, können das Gehirn und das Rückenmark schädigen. Auch Parasiten wie Palisadenwürmer, die durch den Körper des Pferdes wandern, können Nervengewebe zerstören.
Tumore und Bandscheibenvorfälle:Bei älteren Pferden können Tumore oder Bandscheibenvorfälle im Bereich des Rückenmarks zu einer spinalen Ataxie führen.
Genetische Faktoren:Bei der Kleinhirnataxie spielen auch rassenspezifische, erbliche Faktoren eine Rolle. Oldenburger und Araber sind hier häufiger betroffen.
Ernährungsbedingte Ursachen:Ein Mangel an bestimmten Nährstoffen, wie Vitamin E und Selen, kann langfristig zu Ataxie führen. Auch Fehl- und Mangelernährung während der Trächtigkeit (Unter- wie Übergewicht) können Auswirkungen darauf haben, ob sich das Wobbler-Syndrom bei Pferden ausbildet. Ungünstig sind Kombinationen mehrerer Faktoren.
Weitere Ursachen:Weitere mögliche Ursachen sind degenerative Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und Vergiftungen.
Symptome der Ataxie beim Pferd
Die Symptome der Ataxie können vielfältig sein und hängen von der Art und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Unkoordinierte Bewegungen: Pferde mit Ataxie zeigen unkoordinierte oder über das Ziel hinausgehende Bewegungen.
- Unsicherer Gang: Ein unsicherer und schwankender Gang ist ein typisches Anzeichen. Dies fällt besonders auf, wenn sich das Pferd schnell bewegt oder Wendungen ausführt. Bei einer Gangataxie zeigen Pferde häufig einen Passgang, heben ihre Beine höher oder weniger hoch als gesunde Pferde oder drängen vermehrt zu einer Seite.
- Gleichgewichtsstörungen: Sowohl im Stand als auch beim Gehen können Gleichgewichtsstörungen auftreten. Dann spricht man von einer Standataxie, bei der das Pferd nur schwankend stehen kann und zum Hinfallen neigt.
- Schwierigkeiten beim Rückwärtstreten: Das Rückwärtstreten fällt betroffenen Pferden schwer oder ist sogar unmöglich.
- Abnormale Haltung: Das Pferd nimmt eine veränderte, oft steife Haltung ein, um das Gleichgewicht zu halten. Pferde mit Ataxie nehmen meist eine abnormale Haltung im Stand ein, bei der sie offen und häufig mit den Hinterbeinen weit auseinander stehen. Ein gesundes Pferd würde in dem Fall seine Haltung von alleine korrigieren.
- Veränderte Reaktionen: Ataktische Pferde können auf Berührungen und Bewegungen anders reagieren als gesunde Tiere. Dies kann von verminderter Sensibilität bis hin zu übertriebenen Reaktionen reichen.
- Schwierigkeiten beim Bergauf- und Bergabgehen: Ein typisches Symptom ist auch die Unfähigkeit, steile Hänge sicher zu bewältigen, da die Koordination der Beine beeinträchtigt ist.
- Hahnentritt: Einige Pferde zeigen den sogenannten Hahnentritt, bei dem sie ein oder beide Hinterbeine ruckartig hochreißen und unkontrolliert zurück auf den Boden setzen. Der Hahnentritt kann durch eine Rückenmarksverletzung entstehen.
- Stolpern: Zu dem bereits erwähnten unkoordinierten Gangbild, kann bei Ataktikern häufig noch ein Schwanken und Stolpern als Begleiterscheinung hinzukommen. Wenn ein Pferd zum Beispiel auf beiden Vorderbeinen lahm geht, dann neigt es auch zum Stolpern und abnormalen Bewegungsabläufen.
- Reduziertes Feedback: Ein ataktisches Pferd bekommt von seinen Gliedmaßen ein reduziertes Feedback, wo diese sich befinden. Tierärzte sprechen von Defiziten in der Propriozeption.
Diagnose der Ataxie beim Pferd
Die Diagnose einer Ataxie beim Pferd erfordert eine gründliche Untersuchung durch einen Tierarzt. Die Diagnose einer Ataxie beim Pferd beginnt mit einer umfassenden neurologischen Untersuchung durch einen Tierarzt. Ziel dieser Untersuchung ist es, die Koordinationsfähigkeit des Pferdes zu beurteilen und festzustellen, welche Teile des Nervensystems betroffen sein könnten.
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Klinische Untersuchung:Der Tierarzt wird das Pferd zunächst gründlich klinisch untersuchen, um andere mögliche Ursachen für die Bewegungsstörungen auszuschließen. Hierzu gehören Lahmheiten, Muskelprobleme oder andere neurologische Erkrankungen.
Neurologische Untersuchung:Eine detaillierte neurologische Untersuchung ist entscheidend, um die Art und den Schweregrad der Ataxie zu bestimmen. Hierbei werden verschiedene Tests durchgeführt, um die Koordination, das Gleichgewicht und die Reflexe des Pferdes zu überprüfen. Neurologische Tests sind beispielsweise, das Pferd auf einem ganz engen Zirkel drehen zu lassen oder es rückwärts treten zu lassen. Dabei beobachtet der Tierarzt das Gangbild und die Koordination des Pferdes. „Ataktiker neigen dazu, auf ganz engem Zirkel mit der Hinterhand auszuschwenken“, so Gerdes. „Gut zu beobachten ist ein gestörter Bewegungsablauf beim Pferd auch, wenn man sie plötzlich aus dem Trab oder Schritt anhalten lässt. Ataktiker haben auch beim bergauf oder bergab gehen häufig Probleme sowie wenn sie auf wechselnden Untergründen laufen müssen.
Zusätzliche diagnostische Verfahren:
- Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule können knöcherne Veränderungen oder Verletzungen aufdecken.
- Myelographie: Bei einer Myelographie wird ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal injiziert, um das Rückenmark und die umliegenden Strukturen besser sichtbar zu machen. Dies kann helfen, Einengungen des Wirbelkanals oder andere Anomalien zu identifizieren. In die Halswirbelsäule kann man beispielsweise ein Kontrastmittel geben und dadurch genauer die Probleme des Pferdes ermitteln.
- Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT): Diese bildgebenden Verfahren können detailliertere Informationen über das Gehirn, das Rückenmark und die umliegenden Strukturen liefern.
- Liquoruntersuchung: Eine Analyse der Rückenmarksflüssigkeit kann entzündliche Erkrankungen oder Infektionen des Nervensystems aufdecken.
- Genetische Tests: Bei bestimmten Rassen, die genetisch prädisponiert sind, können Gentests zur Diagnose beitragen.
Konventionelle Behandlung der Ataxie beim Pferd
Die konventionelle Behandlung der Ataxie beim Pferd zielt darauf ab, die Ursache der Erkrankung zu behandeln und die Symptome zu lindern. Es gibt für Pferde mit gering ausgeprägter Ataxie Trainingsmöglichkeiten, die ihnen das Leben erleichtern. „Wenn es möglich ist, sollten Pferde ihre Muskulatur trainieren, denn mit genügend Muskeln können sie einiges ausgleichen“, erklärt Tierärztin Carolin Gerdes.
Behandlung der Ursache:Zunächst sollte stets etwas gegen die Ursache der Ataxie unternommen werden. Eine Borreliose im Anfangsstadium sollte man beispielsweise mit einer Antibiose bekämpfen oder bei Arthrose mithilfe einer gezielten Cortison-Therapie Linderung verschafft werden.
- Entzündungshemmende Medikamente: Bei Entzündungen des Nervensystems können entzündungshemmende Medikamente wie Kortikosteroide eingesetzt werden, um die Entzündung zu reduzieren und die Nervenfunktion zu verbessern.
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika eingesetzt werden, um die Infektion zu bekämpfen.
- Antivirale Medikamente: Bei viralen Infektionen können antivirale Medikamente eingesetzt werden, um die Virusvermehrung zu hemmen.
- Chirurgische Eingriffe: Bei bestimmten Erkrankungen, wie dem Wobbler-Syndrom oder Bandscheibenvorfällen, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um den Druck auf das Rückenmark zu verringern und die Nervenfunktion wiederherzustellen. Beim Wobbler-Syndrom gibt es die Möglichkeit, die betroffenen Halswirbel operativ zu versteifen, um das Halsmark zu entlasten. Das heilt aber keine bereits vorhandenen Schäden, sondern beugt vor allem einer weiteren Verschlechterung der Ataxie vor. Bei einer entwicklungsbedingten Erkrankung wie dem Wobbler-Syndrom können durch eine Operation die Halswirbel zur Stabilisierung versteift (basket surgery) werden. Eine dauerhafte Symptomlosigkeit kann nur durch einen chirurgischen Eingriff erreicht werden.
Symptomatische Behandlung:
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern, die durch die Ataxie verursacht werden.
- Muskelrelaxantien: Muskelrelaxantien können eingesetzt werden, um Muskelverspannungen zu reduzieren und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Koordination zu verbessern und die Beweglichkeit zu erhalten. Physio- und Bewegungstherapie können dem Pferd dabei helfen, seine Bewegungsabläufe zu verbessern und mehr Kontrolle über seinen Körper zurückzugewinnen. Unterstützen können Rotlicht- und Infrarotbestrahlung, Vibrationstherapie sowie Massagen, Taping und Bandagen.
- Bewegungstherapie: Bewegungstherapie in Form von Bodenparcours, der Arbeit mit Bodenpads oder Extreme-Trails.
Homöopathische Behandlung der Ataxie beim Pferd
Mitunter kann auch versucht werden, ein Pferd mit Ataxie mit Homöopathie zu behandeln. Die Homöopathie ist eine alternative Behandlungsmethode, die darauf abzielt, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Bei der Behandlung der Ataxie werden homöopathische Mittel eingesetzt, die auf die individuellen Symptome des Pferdes abgestimmt sind.
Wichtige Hinweise zur homöopathischen Behandlung:
- Die homöopathische Behandlung sollte immer von einem erfahrenen Tierheilpraktiker oder Tierarzt mit Zusatzausbildung in Homöopathie durchgeführt werden.
- Die Wahl des richtigen Mittels und die Dosierung sind entscheidend für den Erfolg der Behandlung.
- Die homöopathische Behandlung kann die konventionelle Behandlung ergänzen, aber nicht ersetzen.
Fütterung und Nährstoffversorgung bei Ataxie
Um die geringe Generationsfähigkeit der Nerven bestmöglich zu unterstützen, sollten Pferde mit neurologischen Erkrankungen bestmöglich mit für das Nervensystem wichtigen Nährstoffen versorgt sein. Die richtige Fütterung spielt bei Ataxie eine wichtige unterstützende Rolle, auch wenn sie die Grunderkrankung nicht heilen kann.
B-Vitamine:Gerade die Vitamine aus dem B-Komplex sind hier besonders wichtig. Im Normalfall nimmt das Pferd ausreichende Mengen der B-Vitamine über das Futter auf. Um die Deckung des Mehrbedarfs geschädigter Nerven zu sichern, ist eine zusätzliche Gabe von B-Vitaminen sinnvoll. B-Vitamine sind essentiell für die normale Funktion des Nervensystems und sollten ausreichend verfügbar sein. Der Nr. Ataxie bei Pferden ist eine ernste Erkrankung, die viele Pferdebesitzer betrifft und häufig Fragen aufwirft.
Vitamin E und Selen:Ein Vitamin E-Mangel kann sogar zu degenerativen Prozessen führen und Ataxie-ähnliche Symptome verursachen - besonders bei jungen Pferden ohne Zugang zu frischem Gras. Die Zufütterung von Mn Mangan gestaltet sich langwieriger und sollte gerade im Fall von Kissing Spines oder Spinaler Ataxie mindestens über ein halbes Jahr aufrecht erhalten werden.
Kupfer und Calcium:Kupfer und Calcium sind wichtig für die Knochenstruktur, da Mängel zu degenerativen Prozessen in der Wirbelsäule führen können.
Vitamin C, Zink und Selen:Vitamin C, Zink und Selen stärken das Immunsystem und können helfen, Infektionen vorzubeugen, die Ataxie auslösen könnten.
Aminosäuren:Auch Aminosäuren unterstützen die Nervenfunktion.
Weitere Fütterungsempfehlungen:
- Ausreichend hochwertiges Heu, das am Boden angeboten werden sollte, nicht in einem Heunetz auf halber Höhe. Das Fressen kann für die betroffenen Pferde andernfalls schwierig sein.
- Täglicher Weidengang mit der Möglichkeit zum Grasen sind vorteilhaft für die Gesunderhaltung von Pferden und insbesondere von denen mit Wobbler-Syndrom.
- Eine ausgewogene Mineralisierung incl. der Versorgung mit Spurenelementen.
- Vermeidung von Übergewicht, da dies das Muskel-Skelett-System zusätzlich belasten könnte.
Management und Alltag mit einem ataktischen Pferd
Ein angepasstes Management ist entscheidend, um ataktischen Pferden ein möglichst normales und sicheres Leben zu ermöglichen.
Sichere Umgebung:Stall und Auslauf sollten frei von potenziellen Stolperfallen sein, und die Böden sollten rutschfest sein, um Stürze zu vermeiden. Am besten sollte das betroffene Pferd nur von bestimmten Personen geführt, geputzt und bewegt werden, die damit umzugehen wissen.
Angepasste Fütterung:Eine angepasste Fütterung ist wichtig, um das Pferd in einem optimalen Gesundheitszustand zu halten und Übergewicht zu vermeiden, das das Muskel-Skelett-System zusätzlich belasten könnte.
Regelmäßige tierärztliche Überwachung:Regelmäßige tierärztliche Kontrollen sind wichtig, um den Zustand des Pferdes zu überwachen und die Behandlungsstrategien entsprechend anzupassen.
Stressreduktion:Stress kann die Symptome der Ataxie verstärken.
Trainingsmöglichkeiten:Vielfältige Trainingsmöglichkeiten auf dem Platz, im Round-Pen oder im Gelände ermöglichen das tägliche „Ganzkörpertraining“.
Spezifische Therapieansätze
Tellington-Körperbandarbeit:Die Tellington-Körperbandarbeit kann eine wertvolle Ergänzung zur Therapie von Pferden mit Ataxie sein. Durch das Anlegen von elastischen Bändern um den Körper des Pferdes wird die Körperwahrnehmung (Propriozeption) verbessert und die Koordination gefördert. Das sanfte Einrahmen des Körpers mit den elastischen Bandagen ermöglicht den Tieren die optimale Selbstwahrnehmung ihrer Körperabmessungen, die Wahrnehmung über ihre Körperlage, der rechten und linken Körperhälfte und dem Gefühl von „oben und unten“ ihres Körpers, der Körperbewegungen sowie die Organisation der einzelnen Körperteile zueinander. Sie lernen sich damit selbst kennen, werden damit auch selbstbewusster. Spannend ist dabei zu beobachten, wie achtsam der Wallach bei den Bewegungsübungen mit den Körperbändern „in sich hineinhört“ und dabei ganz zu sich kommt. Störungen und Reize von außen werden in der Trainingszeit häufig ignoriert. Körper und Geist sind durch die taktilen Reize der Körperbänder anderweitig beschäftigt. Aufgrund dieser starken Intensität und Konzentration ist darauf zu achten, wann es der Reize genug ist und eine Pause oder das Aufhören angesagt ist. Oft reichen 15 Minuten intensives Arbeiten aus.
Körperbandarbeit:Die Bänder können auch beim Longieren gut angelegt werden. Ich lasse jedoch kein Pferd „frei“ und unkontrolliert damit laufen.
Manuelle Therapien:Manuelle Therapien und Bewegungsprogramme können durchaus eine Verbesserung bewirken, wobei eine Operation für den dauerhaften Erfolg meist der bessere Weg ist.
Kissing Spines im Zusammenhang mit Ataxie
Oft sind massive Rückenprobleme der Grund, Pferde auf Kissing Spines ("küssende Dornfortsätze") zu untersuchen. Unter Kissing spines versteht man die Folgen eines unphysiologischen Zusammenrückens der Dornfortsätze, so dass sich diese berühren, was unter Umständen sehr schmerzhaft sein kann. Die einzelnen Wirbelkörper sind im Rahmen der Erkrankung derart zusammengerückt, dass die Dornfortsatzspitzen (zum Beispiel am Widerist) sich mehr oder weniger berühren und aneinanderreiben, was natürlich Schmerzen verursacht. Die dazwischenliegende Knorpelmasse leidet unter dem Druck und kann dann im Abbau begriffen sein. Mittlerweile gilt in bestimmten Tierarztkreisen die Diagnose Kissing spines nicht mehr als Erkrankung sonder Spätfolge einer bereits langfristig und dadurch nachhaltig verspannten Muskulatur bzw. einer erlöschenden Tragfähigkeit.
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Ursachen von Kissing Spines:
- Trainingsfehler können unter anderem ein bereits länger vorliegendes "Nicht-über-den-Rücken-arbeiten" des Pferdes sein, so dass die Muskulatur abgebaut wird und die Wirbel bei Arbeit nicht geöffnet und damit durchflutet werden können.
- Fehlerhafte Hufbearbeitung, zum Beispiel mit der Folge, dass Pferde fühlig gehen und damit gerade im Brustbereich verspannen sind ebenso Auslöser.
- Schließlich und endlich kann auch eine nicht auf das Pferd angepasste Mineralisierung zu einer Kontraktion der Muskulatur und schließlich der gesamten Rückenwirbelsäule führen.
Nährstoffmängel:Durch die meist schon lange Zeit voraus vorliegenden Muskelverspannungen bzw. als Ursache für diese können in den meisten Fällen Nährstoffmängel im Bereich von Magnesium, Mangan, Selen, Vitamin E und Sekundären Pflanzenstoffen verantwortlich gemacht werden. Vorwiegend sind blutgeprägte Pferde, Pferde aus dem Sport aber auch schon in der Aufzucht nicht ausreichend mineraliserte Pferde betroffen. Bei älteren Pferden kommen Mineralstoffdefizite und die nachlassenden Tragkraft ursächlich in Betracht.
Bedeutung von Magnesium:Die Bedeutung von Magnesium bei Kissing Spines ist in zweierlei Hinsicht überragend. Zunächst kann ein Magnesiummangel zu Verspannungen führen. Durch Muskelverspannungen können sich die Wirbelkörper aneinander drücken. Einen Hinweis auf Muskelverspannungen geben die LDH und CK-Wert im Blut. Erhöhte Werte deuten auf Muskelerkrankungen hin. An dieser Stelle beginnt bereits der Knochen auf seine reichen Magnesiumspeicher zurückzugreifen. Die Manganwerte bei Patienten mit Kissings Spins liegen meist unter 1,0 µg/dl. Mangan und Selen stehen in einer Art Wechselwirkung zueinander.
Ernährungsmaßnahmen:Die Muskulatur reagiert relativ schnell auf Ernährungsmaßnahmen. Wohltuend sind gerade zu Beginn einer nutritiven Behandlung allgemein entsäuernde Maßnahmen mit basenbildenden Kräutern und Salzen.
Mineralstoffe:Sowohl bei muskulären Verspannungen, als auch bei Knochen- und Knorpel-Degenerationen übernehmen bestimmte Mineralstoffe eine Schlüsselfunktion. Hier sind an erster Stelle Magnesium und Mangan zu nennen, die nicht nur reichlich im Knochen gespeichert sind, sondern auch eine wichtige Funktion zur Entspannung der Muskulatur und der körperlichen Entsäuerung leisten. Auch Kupfer und Zink dienen der Knochen- und Bindegewebsregeneration und dem Aufbau einer funktionsfähigen Knochenmatrix, ohne die eine Calciumeinlagerung nicht möglich ist. Ein Mangel an Nährstoffen kann zu einer Degeneration der Knochensubstanz führen, wie beispielsweise Exostosen (Knochenauswüchsen, Überbeinen), aber auch zu einem massiven Knorpelabbau. In den Wirbelkanal hineinreichende Exostosen können die durchlaufenden Nervenbahnen beeinflussen.
Fütterungsempfehlungen:
- Auf der Basis einer qualitativ hochwertigen Heufütterung (keinesfalls Silage) sollten diese Pferde maßvoll und der Leistung entsprechend mit Kraftfutter gefüttert werden.
- Eine gute Mineralisierung incl. der Versorgung mit Spurenelementen.
- Wichtig ist die Fütterung von Magnesium und Vitamin E zur Bekämpfung ernährungsbedingter Verspannungen.
- Um den Wiedereinstieg in Bewegungsprogramme (zum Beispiel Longieren über den Rücken) zu erleichtern, hat sich die Fütterung von Glucosaminsulfat, Teufelskralle oder natürlichem Vitamin E bewährt.
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