Felix Murot und sein Gehirntumor: Eine Reise durch surreale "Tatort"-Welten

Ulrich Tukur als Felix Murot hat die deutsche Krimilandschaft revolutioniert. Seine Fälle sind mehr als bloße Mörderjagden; sie sind vielmehr psychologische Reisen in surreale Welten, oft ausgelöst durch die Auswirkungen eines Gehirntumors. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Handlungsstränge, die Murots Kampf mit seinem Tumor und seine Ermittlungen miteinander verweben, und untersucht, wie diese Elemente zusammenwirken, um einzigartige und unvergessliche "Tatort"-Episoden zu schaffen.

Die Haselnuss im Kopf: Der Beginn einer ungewöhnlichen Reise

Der Zuschauer wird in "Wie einst Lilly" mit Felix Murot konfrontiert, einem LKA-Ermittler in Wiesbaden, der die Diagnose eines haselnussgroßen Gehirntumors erhält. Anstatt sich behandeln zu lassen, ignoriert er die Diagnose und setzt seine Arbeit fort. Der Tumor verändert jedoch seine Wahrnehmung. Er riecht und schmeckt intensiver und gleitet in eine surreale Welt ab. Diese veränderte Wahrnehmung wird oft durch den Einsatz von Musikelementen aus den 1940er Jahren und einer gedämpften Darstellung der Realität verstärkt.

Murot wird an den Edersee gerufen, den Ort seiner Kindheit, wo er in einem Mordfall ermittelt. Er stößt auf eine brisante Geschichte um eine untergetauchte RAF-Agentin und wird mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung verschwimmen, und der Zuschauer wird in eine Welt gezogen, in der Erinnerungen durch den Tumor verzerrt werden.

"Das Dorf": Ein Trip in die Absurdität

In "Das Dorf" wird Murot in ein abgelegenes Dorf im Hintertaunus gerufen, um in einem vermeintlichen Selbstmordfall zu ermitteln. Auf der Flucht vor einer Attacke seines Tumors sucht er Schutz in einer Dorfkneipe, wo ihm das Gewächs im Kopf einen Streich spielt: Plötzlich tanzen und singen alle wie wild um ihn herum. Diese Szene ist ein Beispiel für die Absurdität und den surrealen Humor, der viele Murot-Fälle auszeichnet.

Murot gerät in einen Strudel aus bizarren Ereignissen, die von Organhandel bis hin zu bizarren High-Tech-Praxen tief unter dem Dorf reichen. Er begegnet skurrilen Charakteren wie dem charismatischen Herrn Bemering, seiner Mutter und deren Ärztin. Die Folge zitiert Elemente von Edgar Wallace über Hitchcock bis zur Rocky Horror Picture Show und wird so zu einer intelligenten und witzigen Zitatesammlung des Kriminalkinos.

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"Im Schmerz geboren": Ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Vergangenheit

"Im Schmerz geboren" beginnt mit einem spektakulären Auftakt: An einem einsamen Bahnhof werden drei bewaffnete Männer wie von Geisterhand getötet. Murot erkennt in dem unversehrten Mann seinen einstigen Freund Richard Harloff wieder. Der Fall entwickelt sich zu einem Katz-und-Maus-Spiel, in dem Murot gegen die Windmühlen des Bösen kämpft und seine eigene Verletzlichkeit hinter einer stoischen Fassade verbirgt.

Die Folge ist bekannt für ihren hohen Bodycount und den Einsatz klassischer Musik, die eigens vom hr-Sinfonieorchester eingespielt wurde. Sie zeigt Murots Fähigkeit, sich in die Opfer hineinzuversetzen und die Bruchstücke seiner Vergangenheit zusammenzusetzen.

Murots Persönlichkeit: Ein Einzelgänger mit moralischem Kompass

Felix Murot ist ein komplexer Charakter, der sich von anderen "Tatort"-Ermittlern abhebt. Er ist ein Einzelgänger mit einem moralischen Kompass, der an das Gute im Leben glaubt. Seine Einsamkeit ist ohne Koketterie, und er trägt die Tatsache, dass sein Vater Pfarrer war, mit Fassung.

Murot hat eine besondere Gabe: Er kann sich sehr gut in die Opfer seiner Mordfälle hineinversetzen. Sein äußeres Erscheinungsbild spiegelt seinen Charakter wider: Er wirkt oft trist in seinen einfarbigen Anzügen und der locker gebundenen Krawatte. Nur im Sommerurlaub bevorzugt er einen hellen Leinenanzug mit Strohhut und Sonnenbrille.

Ulrich Tukur: Der Mann hinter der Figur

Ulrich Tukur ist ein Allroundtalent, der seine Energie nicht nur in die Schauspielerei investiert. Er ist auch Musiker, Sänger und Autor. Mit seiner Band "Ulrich Tukur & die Rhythmus Boys" interpretiert er Evergreens der Goldenen Zwanziger bis hin zu den Vorkriegsjahren.

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Tukur hat die Figur des Felix Murot maßgeblich geprägt. Er hat sich aktiv in die Drehbücher eingebracht und seine eigenen Ideen eingebracht. Seine Darstellung des Murot wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Grimme-Preis und der Deutsche Fernsehkrimipreis.

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