THC bei Polyneuropathie: Erfahrungen, Kostenübernahme und Perspektiven

Die Suche nach Linderung chronischer Schmerzen, insbesondere bei Erkrankungen wie Polyneuropathie, kann ein langer und beschwerlicher Weg sein. Medizinische Cannabistherapie hat sich für viele Betroffene als Hoffnungsschimmer erwiesen, doch die damit verbundenen Herausforderungen, von der Kostenübernahme durch die Krankenkasse bis zum Umgang mit gesellschaftlichen Vorurteilen, sind nicht zu unterschätzen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Patienten mit THC bei Polyneuropathie, die Aspekte der Kostenübernahme durch die Krankenkasse und gibt einen Überblick über die aktuelle Forschungslage.

Ein persönlicher Weg zur Linderung

Die Geschichte von Andreas Braul, einem 63-jährigen Mann mit Multiplem Myelom, Amyloidose und Polyneuropathie, verdeutlicht die Schwierigkeiten im Umgang mit chronischen Schmerzen. Nach jahrelangen erfolglosen Therapieversuchen mit herkömmlichen Schmerzmitteln fand er durch Medizinalcannabis eine deutliche Verbesserung seiner Lebensqualität.

Die Diagnose: Ein Leben im Ausnahmezustand

Die Diagnose Multiples Myelom, eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks, war ein Schock. Hinzu kamen Amyloidose und eine schwere Polyneuropathie, die sich durch starke Nervenschmerzen in Händen und Füßen äußerte. Die Symptome waren vielfältig: ständiger Brenn- und Berührungsschmerz, Taubheitsgefühle, Krämpfe und eine deutliche Einschränkung der Beweglichkeit. Alltägliche Dinge wie das Halten eines Buchs, das Öffnen einer Flasche oder sogar das Tippen auf der Tastatur wurden zu Herausforderungen. Die Schmerzen waren rund um die Uhr präsent, raubten den Schlaf und machten mit der Zeit immer kraftloser.

Neben den körperlichen Beschwerden kamen auch psychische Belastungen hinzu. Die ständige Müdigkeit und das Gefühl, nicht mehr richtig am Leben teilnehmen zu können, führten zu Phasen der Verzweiflung. Die Angst vor Abhängigkeit und Kontrollverlust durch starke Schmerzmittel war allgegenwärtig. Es entstand das Gefühl, sich immer weiter zurückzuziehen, während das Umfeld hilflos zusah.

Der lange Weg durch das Schmerzmittel-Labyrinth

Über Jahre hinweg wurden verschiedenste Schmerzmittel ausprobiert. Die Palette reichte von klassischen Analgetika wie Novalgin bis hin zu starken Opioiden wie Tilidin und Medikamenten gegen Nervenschmerzen wie Pregabalin. Die Dosierungen wurden schrittweise erhöht, um überhaupt noch eine Wirkung zu erzielen. Doch der Körper gewöhnte sich schnell an die Medikamente, die Wirkung ließ nach, während die Nebenwirkungen zunahmen.

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Die Nebenwirkungen waren oft gravierender als der eigentliche Nutzen: ständige Müdigkeit, Benommenheit, Konzentrationsprobleme, Verdauungsstörungen und das Gefühl, wie in Watte gepackt zu sein. Die Lebensfreude schwand, der Rückzug wurde immer größer und es entstand das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Die Hoffnung, jemals wieder ein normales Leben führen zu können, wurde immer kleiner.

Alltag mit Einschränkungen

Die Polyneuropathie brachte viele Einschränkungen mit sich. Die Schmerzen in den Händen und Füßen waren so stark, dass selbst einfache Tätigkeiten wie das Öffnen von Flaschen oder das Festhalten eines Buchs kaum noch möglich waren. Das Tippen auf der Computertastatur, früher eine Selbstverständlichkeit, wurde zur Geduldsprobe. Oft fehlten Buchstaben, die Finger wollten nicht so, wie ich es wollte, und das Schreiben wurde immer mühsamer. Auch das Lesen wurde schwierig, da das Festhalten eines Buchs schwerfiel. Es wurden eBooks genutzt, doch selbst das war nicht immer problemlos.

Der Alltag war geprägt von ständiger Erschöpfung und dem Gefühl, den eigenen Körper nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Selbst kleine Erfolge, wie das eigenständige Öffnen einer Flasche, wurden zu besonderen Momenten. Die Lebensqualität war stark eingeschränkt, und die Angst, immer weiter an Selbstständigkeit zu verlieren, wuchs.

Der Wendepunkt: Erste Erfahrungen mit Medizinalcannabis

Nach vielen Jahren voller Rückschläge und erfolgloser Therapieversuche kam Andreas Braul durch seinen behandelnden Arzt erstmals mit dem Thema Medizinalcannabis in Berührung. Anfangs war er skeptisch, da er - wie viele Menschen seiner Generation - Cannabis vor allem mit Drogenkonsum und gesellschaftlicher Stigmatisierung verband. Doch die Aussicht auf eine neue Therapieoption, die weniger Nebenwirkungen versprach, war verlockend.

Gemeinsam mit seinem Arzt entwickelte er einen individuellen Therapieplan. Es wurde mit einer niedrigen Dosis eines Cannabisextrakts gestartet, der abends eingenommen wurde, um die Wirkung zunächst in einer ruhigen Umgebung zu beobachten. Die Dosis wurde langsam und kontrolliert gesteigert, immer in enger Abstimmung mit dem Arzt. Wichtig war es, die Therapie in einer stressfreien Phase zu beginnen, beispielsweise während einer Krankschreibung oder im Urlaub, um die Effekte besser beobachten zu können.

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Bereits nach den ersten Anwendungen bemerkte er positive Veränderungen. Die Schmerzen wurden erträglicher, die Krämpfe ließen nach und er konnte wieder besser schlafen. Auch tagsüber fühlte er sich wacher und klarer im Kopf, ohne die Benommenheit, die er von anderen Schmerzmitteln kannte. Die Angst vor Abhängigkeit oder starker Sedierung erwies sich als unbegründet.

Neue Lebensqualität dank Cannabistherapie

Mit der Zeit lernte Andreas Braul, die Dosierung individuell an seine Bedürfnisse anzupassen. Besonders in Phasen, in denen der Brennschmerz in den Füßen wieder stärker wurde, konnte er die Tropfendosis leicht erhöhen und so die Beschwerden gezielt lindern. Die Schmerzen sind zwar nicht vollständig verschwunden, aber sie bestimmen nicht mehr sein ganzes Leben.

Durch die Cannabistherapie konnte er viele alltägliche Aktivitäten wieder aufnehmen. Er steht morgens früh auf, ist viel draußen, fährt Fahrrad und genießt die Zeit mit seiner Familie und seinen Enkeln. Die Selbstständigkeit, die er zwischenzeitlich verloren glaubte, ist zurückgekehrt. Auch das Schreiben am Computer und das Lesen von eBooks sind wieder möglich, ohne dass die Finger ständig versagen oder die Konzentration nachlässt.

Einer der größten Gewinne ist der erholsame Schlaf. Früher war er nachts ständig wach, geplagt von Schmerzen und Unruhe. Heute kann er wieder durchschlafen und startet mit mehr Energie in den Tag. Die Müdigkeit und Benommenheit, die ihn früher ausgebremst haben, sind verschwunden. Auch das Gefühl, wieder aktiv am Leben teilzunehmen, hat seine Stimmung und sein Selbstwertgefühl deutlich verbessert.

Bürokratie und Geduld: Der Weg zur Kostenübernahme

Ein großer Stolperstein auf dem Weg zur erfolgreichen Cannabistherapie war die Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Anfangs musste Andreas Braul die Tropfen selbst bezahlen, was auf Dauer eine erhebliche finanzielle Belastung darstellte. Erst nach mehreren Anträgen, Gutachten und Gesprächen wurde die Kostenübernahme genehmigt. Dieser bürokratische Aufwand war kräftezehrend und für viele Betroffene eine hohe Hürde. Es bleibt der Wunsch, dass andere Patienten diesen Weg nicht so mühsam gehen müssen und die Therapie schneller und unkomplizierter erhalten können.

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Auch die Aufklärung durch Ärzte ist oft unzureichend. Viele Mediziner sind mit dem Thema Medizinalcannabis wenig vertraut oder stehen der Therapie skeptisch gegenüber. Andreas Braul hatte das Glück, einen erfahrenen und offenen Arzt zu finden, der ihn kompetent begleitet hat. Doch das ist leider nicht die Regel. Hier besteht großer Nachholbedarf, damit mehr Betroffene von dieser Therapieoption profitieren können.

Umgang mit Vorurteilen durch Offenheit und Information

Die gesellschaftliche Akzeptanz von Medizinalcannabis ist noch immer ein sensibles Thema. Viele Menschen verbinden Cannabis nach wie vor mit illegalem Konsum und Drogenmissbrauch. Gerade im Alter ist die Angst vor Stigmatisierung groß. Andreas Braul hat gelernt, offen über seine Erfahrungen zu sprechen und Vorurteile aktiv abzubauen. Sein Umfeld war anfangs skeptisch, hat aber schnell erkannt, wie sehr sich seine Lebensqualität verbessert hat. Das hat ihm geholfen, selbstbewusster mit dem Thema umzugehen.

Es ist wichtig, sich gut zu informieren und bei Unsicherheiten das Gespräch mit Ärzten und Apothekern zu suchen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, Ängste abzubauen und Erfahrungen zu teilen. Medizinalcannabis ist kein Wundermittel, aber eine ernstzunehmende Therapieoption, die vielen Menschen - gerade im Alter - neue Perspektiven eröffnen kann.

Empfehlungen für Betroffene

Aus seiner Erfahrung gibt Andreas Braul anderen Betroffenen folgende Empfehlungen mit:

  • Geduld und Offenheit: Die Einstellung auf Medizinalcannabis braucht Zeit. Nicht jeder spürt sofort eine Besserung, und manchmal sind mehrere Anpassungen der Dosierung nötig. Offenheit für neue Wege und die Bereitschaft, gemeinsam mit dem Arzt die richtige Lösung zu finden, sind entscheidend.
  • Therapie in einer ruhigen Phase beginnen: Am besten startet man die Therapie während einer stressfreien Zeit, etwa im Urlaub oder während einer Krankschreibung. So lassen sich Wirkung und mögliche Nebenwirkungen besser beobachten.
  • Individuelle Dosierung: Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Cannabis. Die richtige Dosis muss gemeinsam mit dem Arzt gefunden werden. Eine enge Begleitung und regelmäßige Kontrolltermine geben Sicherheit.
  • Aufklärung und Austausch: Informieren Sie sich umfassend über die Therapie und suchen Sie das Gespräch mit anderen Betroffenen. Der Austausch in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann wertvolle Unterstützung bieten.
  • Keine Angst vor Stigmatisierung: Medizinalcannabis ist eine anerkannte Therapieoption und sollte nicht mit illegalem Drogenkonsum gleichgesetzt werden. Offenheit und sachliche Information helfen, Vorurteile abzubauen.

Die Rolle der Apotheke und pharmazeutische Beratung

Ein wichtiger Baustein der Therapie war die Unterstützung durch die Apotheke. Das pharmazeutische Team hat Andreas Braul ausführlich beraten, ihm Tipps zur Anwendung und Dosierung gegeben und ihm geholfen, die für ihn passende Darreichungsform zu finden. Er fühlte sich ernst genommen und gut aufgehoben - ein Unterschied zu manch anderen Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem.

Gerade bei älteren Menschen ist es wichtig, dass die Therapie individuell angepasst wird. Die Apothekerin hat ihm erklärt, wie wichtig es ist, regelmäßig Rücksprache mit dem Arzt zu halten und auf Veränderungen zu achten. Sie hat ihm auch Mut gemacht, Rückfragen zu stellen und Unsicherheiten offen anzusprechen.

Medizinalcannabis als wertvolle Ergänzung

Andreas Braul betont, dass Medizinalcannabis kein Allheilmittel ist. Es nimmt ihm nicht alle Schmerzen und heilt auch keine Krankheiten. Aber es hilft ihm, seine Beschwerden besser zu bewältigen und seinen Alltag aktiver zu gestalten. Für ihn ist Cannabis eine wertvolle Ergänzung zu anderen Therapien - nicht mehr und nicht weniger.

Er hat gelernt, die Therapie mit Respekt und Verantwortungsbewusstsein anzugehen. Die enge Zusammenarbeit mit seinem Arzt und die regelmäßige Kontrolle der Wirkung waren entscheidend für den Erfolg. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen hat ihm geholfen, Erfahrungen zu teilen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Gesellschaftliche Bedeutung: Mehr Aufklärung, weniger Stigma

Die Erfahrungen von Andreas Braul mit Medizinalcannabis zeigen, wie wichtig Aufklärung und ein offener Umgang mit dem Thema sind. Noch immer gibt es viele Vorurteile - sowohl bei Ärzten als auch in der Gesellschaft. Er wünscht sich, dass mehr Menschen erfahren, wie sehr Cannabis das Leben von Betroffenen verbessern kann.

Mehr Studien und Erfahrungsberichte könnten dazu beitragen, die Therapieoption bekannter zu machen und die Hürden für Patienten zu senken. Es ist an der Zeit, Medizinalcannabis als das zu sehen, was es ist: eine ernstzunehmende, effektive und nebenwirkungsarme Behandlungsmöglichkeit für viele chronisch Kranke.

Mehr Lebensfreude und Selbstbestimmung dank Medizinalcannabis

Rückblickend ist Andreas Braul sehr dankbar, dass er den Schritt zur Cannabistherapie gewagt hat. Die Schmerzen sind nicht weg, aber sie bestimmen nicht mehr sein Leben. Er hat wieder mehr Kontrolle über seinen Alltag, kann besser schlafen und hat neue Lebensfreude gefunden. Für ihn ist das ein riesiger Gewinn - und er hofft, dass seine Geschichte anderen Betroffenen Mut macht, neue Wege zu gehen.

Medizinalcannabis ist kein Allheilmittel, aber für viele - gerade im Alter - eine echte Chance auf mehr Lebensqualität, Selbstbestimmung und Lebensfreude.

Medizinisches Cannabis bei Polyneuropathie: Was sagt die Wissenschaft?

Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die durch Schädigung peripherer Nerven gekennzeichnet ist und zu Schmerzen, Taubheitsgefühl und Muskelschwäche führen kann. Die Behandlung konzentriert sich in der Regel auf die Linderung von Symptomen und die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. In den letzten Jahren hat medizinisches Cannabis als alternative oder ergänzende Behandlungsmöglichkeit für Polyneuropathie an Aufmerksamkeit gewonnen.

Wie kann medizinisches Cannabis bei Polyneuropathie helfen?

Medizinisches Cannabis kann helfen, die Symptome der Polyneuropathie zu lindern, indem es die Schmerzwahrnehmung reduziert und die Nerven beruhigt. CBD wirkt entzündungshemmend und neuroprotektiv, was den Nerven hilft, sich zu stabilisieren und die Empfindlichkeit für Schmerzreize zu reduzieren. THC kann bei akuten Schmerzspitzen eine schnelle Linderung bewirken und die Schmerztoleranz erhöhen. Die Terpene Beta-Caryophyllen und Linalool unterstützen die beruhigende Wirkung und fördern die Schmerzlinderung.

Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Cannabis bei Polyneuropathie

Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von Cannabis bei der Behandlung von Polyneuropathie untersucht. Eine Studie von Abrams et al. (2007) zeigte, dass Cannabis die neuropathischen Schmerzen bei HIV-bedingter Polyneuropathie signifikant reduzieren kann und eine effektive Ergänzung zur Schmerztherapie darstellt. Eine weitere Studie von Wallace et al. (2015) fand heraus, dass inhalatives Cannabis Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie signifikant reduzieren kann und dabei nur geringe Nebenwirkungen hat. Russo (2011) beschreibt die entzündungshemmende Wirkung von Terpenen wie Beta-Caryophyllen und deren potenziellen Nutzen bei chronischen Schmerz- und Nervenerkrankungen.

Ist Cannabis eine wirksame Therapie bei Polyneuropathie?

Medizinisches Cannabis kann eine unterstützende Rolle bei der Behandlung von Polyneuropathie spielen, indem es Schmerzen lindert, die Nerven beruhigt und Entzündungen reduziert. Die Kombination von CBD, moderatem THC und schmerzlindernden Terpenen wie Beta-Caryophyllen und Linalool kann die Schmerzempfindlichkeit senken und die Lebensqualität verbessern. Da die Wirkung individuell unterschiedlich sein kann, ist eine ärztliche Begleitung empfehlenswert, um die optimale Anwendung und Dosierung zu finden.

Praktische Anwendung

CBD-Öl oder -Kapseln können regelmäßig eingenommen werden, um eine konstante Wirkung zu erzielen und die Symptome zu kontrollieren. Die inhalative Anwendung von THC und CBD bietet bei akuten Schmerzschüben schnelle Linderung. Eine individuelle Dosierung und ärztliche Begleitung sind ratsam, um die optimale Wirkung und eine sichere Anwendung zu gewährleisten.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Seit 2017 dürfen Ärzte Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen und bei fehlenden Therapiealternativen Cannabis (Cannabinoide) zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen. Die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Der Antrag auf Kostenübernahme durch die Krankenkasse bedarf einer besonderen Begründung durch den behandelnden Arzt. In der Schmerztherapie kann es derzeit nur bei Patienten mit nicht anders behandelbaren schwersten chronischen Nervenschmerzen eingesetzt werden.

Voraussetzungen für die Kostenübernahme

  • Es muss eine schwerwiegende Erkrankung vorliegen.
  • Andere Medikamente haben keine Wirkung gezeigt.
  • Die Krankheit verursacht eine so schwere Gesundheitsstörung, dass die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt ist.

Ablauf der Kostenübernahme

  1. Gespräch mit dem Arzt: Zunächst sollte das Gespräch mit dem behandelnden Arzt gesucht werden. In Deutschland können sowohl Hausärzte als auch Fachärzte medizinisches Cannabis verschreiben, insbesondere wenn herkömmliche Therapien nicht ausreichend wirksam waren oder starke Nebenwirkungen verursachen.
  2. Antragstellung: Vor der ersten Verordnung von medizinischem Cannabis ist in der Regel eine Genehmigung der Krankenkasse für die Kostenübernahme erforderlich. Der Arzt stellt hierfür einen Antrag, der die medizinische Notwendigkeit begründet.
  3. Prüfung durch die Krankenkasse: Die Krankenkasse prüft den Antrag und entscheidet über die Kostenübernahme.
  4. Rezeptausstellung: Nach Genehmigung durch die Krankenkasse kann der Arzt ein Betäubungsmittelrezept für medizinisches Cannabis ausstellen.
  5. Bezug in der Apotheke: Mit diesem Rezept kann das Medikament in einer Apotheke bezogen werden.

Tipps für die Kostenübernahme

  • Vorbereitung ist alles: Symptomtagebuch, Medikamentenliste und Vortherapien mitbringen.
  • Realistisch bleiben: Cannabis ist eine Therapieoption, kein „Wundermittel“.
  • Ehrlich kommunizieren: Wünsche, Sorgen und Erfahrungen offen ansprechen.
  • Rezeptarten kennen: Privatrezept ist schnell verfügbar, Kassenrezept braucht Vorbereitung und Begründung.

Darreichungsformen und Anwendung

Cannabinoide werden aus der Hanfpflanze Cannabis sativa gewonnen. Der pflanzliche Cannabis enthält über 100 Inhaltsstoffe, u.a. die Cannabinoide. Ärzte dürfen Extrakte, künstliche Cannabinoide oder getrocknete Cannabisblüten (Medizinal-Hanf) verordnen. Bei Schmerzpatienten wird aufgrund der derzeitigen Studienlage zur Wirksamkeit, als auch der Ergebnisse der Begleiterhebung, zunächst die Anwendung eines oral wirksamen Cannabispräparats (Dronabinoltropfen, Nabiximols-Spray oder ölige Vollextrakte) bevorzugt.

Darreichungsformen

  • Cannabisblüten und Granulat: Diese werden meist inhaliert, wobei die Wirkstoffe durch Erhitzen freigesetzt werden. Hierfür wird ein Verdampfer (Vaporisator) verwendet, der die Blüten auf über 185 Grad Celsius erhitzt.
  • Mundsprays: Enthalten Cannabis-Extrakt; die Wirkstoffe werden über die Mundschleimhaut aufgenommen.
  • Kapseln: Werden oral eingenommen und wirken über den Verdauungstrakt.
  • Öl: Cannabis-Öl oder -Kapseln können regelmäßig eingenommen werden, um eine konstante Wirkung zu erzielen und die Symptome zu kontrollieren.

Anwendung

Die korrekte Anwendung und Dosierung von medizinischem Cannabis sind entscheidend für den Therapieerfolg. Es wird in der Regel mit einer niedrigen Dosis begonnen und diese langsam gesteigert, um die optimale Wirkung bei minimalen Nebenwirkungen zu erzielen. Eine regelmäßige ärztliche Begleitung ist während der Behandlung mit medizinischem Cannabis essenziell.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Unter einer Therapie mit Cannabinoiden kann es zu Nebenwirkungen im Gehirn kommen, die sich z. B. in Form von Übelkeit, Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Mundtrockenheit, Störungen der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung und des Denkens sowie Stimmungsschwankungen zeigen können. Weitere Nebenwirkungen sind Suchtentwicklung, Beeinflussung von Gedächtnisfunktionen, Verwirrtheit, Gewichtszunahme, Bewegungsbeeinträchtigungen, Nebenwirkungen auf das Herz- und Kreislaufsystem und Lustlosigkeit.

Wichtige Hinweise

  • Unter medizinischer Anwendung ist das Lenken von Fahrzeugen und Bedienen von Maschinen vorrübergehend eingeschränkt.
  • Bei gleichzeitig zur Schmerzerkrankung bestehenden bestimmten psychiatrischen Erkrankungen wie Suchterkrankungen oder Psychosen ist von einer Behandlung mit Cannabinoiden abzusehen, da die Risiken und Nebenwirkungen hier besonders erhöht sind.

Gesellschaftliche Akzeptanz und Stigmatisierung

Die gesellschaftliche Akzeptanz von Medizinalcannabis ist noch immer ein sensibles Thema. Viele Menschen verbinden Cannabis nach wie vor mit illegalem Konsum und Drogenmissbrauch. Gerade im Alter ist die Angst vor Stigmatisierung groß. Es ist wichtig, sich gut zu informieren und bei Unsicherheiten das Gespräch mit Ärzten und Apothekern zu suchen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, Ängste abzubauen und Erfahrungen zu teilen.

Fazit

Medizinisches Cannabis kann eine wertvolle Option zur Schmerzlinderung bei Polyneuropathie sein, insbesondere wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind. Es ist jedoch wichtig, sich umfassend zu informieren, die Therapie mit einem Arzt abzustimmen und die möglichen Risiken und Nebenwirkungen zu berücksichtigen. Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, und es kann einiges an Bürokratie erforderlich sein. Trotz dieser Herausforderungen kann medizinisches Cannabis für viele Betroffene eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bedeuten.

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