Wussten Sie, dass unbehandelter Hörverlust das Risiko für Demenz deutlich erhöht? Neue Studien belegen einen direkten Zusammenhang zwischen schlechtem Hören und kognitivem Abbau. In diesem Artikel erfahren Sie, wie wichtig gutes Hören für das Gehirn ist - und wie Sie gezielt vorbeugen können.
Was passiert bei unbehandeltem Hörverlust im Gehirn?
Wenn das Gehör nachlässt, muss das Gehirn mehr leisten, um Sprache zu verstehen. Es verarbeitet ständig unvollständige Informationen, was langfristig kognitive Reserven erschöpft. Das Sprachzentrum wird weniger gefordert, während andere Areale überlastet werden - dies führt zu kognitiver Unterforderung in manchen Bereichen und Überforderung in anderen. Je länger ein Hörverlust unbehandelt bleibt, desto schwerer ist der geistige Rückgang zu bremsen.
Hören findet zum Großteil im Gehirn statt. Das Ohr selbst nimmt über das Außenohr die Geräusche der Umgebung auf, verstärkt sie im Mittelohr über das Trommelfell und nochmals im Innenohr über die Hörschnecke. Im Anschluss werden sie in elektrische Signale umgewandelt und so an das Gehirn weitergeleitet. Hier werden alle eintreffenden Töne gefiltert, wodurch nur das Wesentliche gehört wird. Tritt eine Hörminderung auf, gelangen nicht mehr alle Geräusche zum Hörfilter. Aus diesem Grund baut dieser ab, Nervenzellen gehen verloren und der Verzweigungsgrad des neuronalen Netzes wird reduziert. Er verliert an Leistungsfähigkeit und damit nach und nach seine Filterfunktion. Dadurch ist das Gehirn weniger Reizen ausgesetzt, was zu einem erhöhten Demenzrisiko und zu Einschränkungen in der geistigen Leistungsfähigkeit führen kann. Gleichzeitig sind Menschen, die schlecht hören, auch in ihrer räumlichen Wahrnehmung eingeschränkt. Denn das Gehör ist dafür zuständig zu erkennen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt und wie weit entfernt es ist.
Aktuelle Studien und Forschungsergebnisse
Laut der Johns Hopkins Universität (USA) erhöht ein unbehandelter mittlerer Hörverlust das Demenzrisiko um bis zu 200 %. Ein schwerer Hörverlust sogar um über 500 %. Auch der deutsche Neurowissenschaftler Prof. Dr. med. Frank Huppertz warnt: "Hörverlust kann ein stiller Risikofaktor für Alzheimer sein, wenn er nicht frühzeitig erkannt wird." Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in frühzeitiger Hörgeräteversorgung eine der wichtigsten Maßnahmen zur Demenzprävention im Alter. Ein frühzeitiger Hörtest ist eine einfache, schmerzfreie Maßnahme - mit großer Wirkung für Ihre geistige Gesundheit.
Ein Forscherteam um Dr. Frank Lin von der Johns Hopkins Universität in Baltimore beziffert das Erkrankungsrisiko von Menschen ohne Hörgeräteversorgung auf 24 %.
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Demenz: Eine Übersicht
Demenz ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten nach und nach nachlassen. Sie betreffen unter anderem das Gedächtnis, die Orientierung, das Verhalten und die Sprache. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit, bei der man annimmt, dass abnorme Ablagerungen bestimmter Proteine in und um Nervenzellen entstehen. Diese Eiweißablagerungen schädigen die Zellen und stören die Kommunikation im Gehirn. Andere Demenzformen sind zum Beispiel die vaskuläre Demenz oder die Lewy-Körperchen-Demenz.
Typische Symptome einer Demenz können sein:
- Vergesslichkeit (Gedächtnisprobleme), besonders bei neuen Informationen oder Terminen
- Schwierigkeiten beim Lernen neuer Dinge
- Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit, z. B. Rückzug, Reizbarkeit
- Orientierungsprobleme, etwa in ungewohnter Umgebung oder bei Zeiträumen
- Herausforderungen bei alltäglichen Aufgaben, wie Kochen, Einkaufen oder dem Umgang mit Geld
Nicht jede Vergesslichkeit bedeutet gleich Demenz. Viele Faktoren - zum Beispiel Stress, Schlafmangel oder unbehandelter Hörverlust - können das Gedächtnis vorübergehend beeinträchtigen.
Es gibt ca. 50 verschiedene Formen der Demenz, wobei die häufigste die Alzheimer-Demenz ist. Sie hat einen Anteil von ca. 60-70 %. Weil die Krankheit meist erst im höheren Alter auftritt, ist umgangssprachlich häufig von Altersdemenz die Rede. Doch die Ursachen der einzelnen Formen sind vielfältig. Alzheimer wird beispielsweise durch Eiweißablagerungen im Gehirn verursacht, die den Stoffwechsel der Nervenzellen stören. Bei anderen Formen liegen Durchblutungsstörungen vor. Gemeinsam haben alle Demenzerkrankungen, dass Nervenzellen im Gehirn absterben und die Verbindungen zwischen den Zellen dauerhaft verloren gehen. Dadurch kommt es schließlich zu den Symptomen einer Demenz.
Zunächst wird das Kurzzeitgedächtnis geschädigt. Betroffene verlegen häufig Gegenstände, sie können sich immer schlechter konzentrieren und werden vergesslich. Es fällt ihnen immer schwerer, sich besonders in fremden Umgebungen zu orientieren. Auch die Sprache leidet, wobei sich die Erkrankten selbst an alltäglich gebrauchte Wörter nicht mehr erinnern können. Im späteren Verlauf wird das Langzeitgedächtnis in Mitleidenschaft gezogen. Erinnerungen an Erlebnisse aus früheren Jahrzehnten gehen verloren. Auch Angehörige werden immer weniger erkannt. Schreitet die Krankheit noch weiter fort, bauen Betroffene zudem körperlich ab und benötigen verstärkt Hilfe.
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Der Zusammenhang zwischen Hörverlust und Demenz
Es wird geschätzt, dass rund 7 % aller Demenzfälle durch Vorbeugung oder Behandlung von Hörverlust im mittleren Lebensalter verhindert werden könnten. Warum es diesen Zusammenhang gibt, ist allerdings komplex. Trotz intensiver Forschung ist bis heute nicht endgültig geklärt, warum Hörverlust das Demenzrisiko erhöht. Es gibt mehrere Theorien, aber bislang keine abschließenden Antworten.
Die drei am häufigsten diskutierten Erklärungsansätze sind:
- Gemeinsame krankhafte Veränderungen: Dieselben Prozesse, die die Hörbahn (z. B. die Cochlea oder den Hörnerv) schädigen, können auch Bereiche des Gehirns betreffen, die für Gedächtnis und Denken wichtig sind.
- Weniger geistige Anregung: Wer schlechter hört, bekommt weniger Reize aus der Umgebung. Weniger soziale Interaktion und geistige Stimulation können dazu führen, dass sich das Gehirn schneller abbaut oder weniger Reservekapazität aufbaut.
- Erhöhter kognitiver Aufwand beim Hören: Wenn das Hören anstrengender wird, muss das Gehirn mehr Energie aufbringen, um Sprache zu verstehen. Diese Ressourcen fehlen dann für andere geistige Aufgaben.
Andere Erklärungsansätze beziehen sich auf psychosoziale Faktoren wie Einsamkeit, Depression und soziale Isolation infolge von Hörverlust.
Tinnitus als Warnzeichen?
Ein Tinnitus, dessen Neuauftreten (Inzidenz) in der Allgemeinbevölkerung zwischen 7 und 20 % liegt, könnte einer Demenz in jüngeren Jahren vorausgehen oder parallel dazu auftreten. Ein Tinnitus könnte demnach wie ein Frühwarnsignal der Entstehung einer Demenz interpretiert werden. Eine Studie deutet darauf hin, dass bei Patienten mit einem bereits vorhandenen Tinnitus im Vergleich zu Patienten ohne Tinnitus ein 63 % höheres Risiko besteht, im Alter von 30 bis 64 Jahren von einer Demenz betroffen zu sein.
Es ist wichtig zu beachten, dass Menschen mit Tinnitus aufgrund des Tinnitus häufiger unter Depressionen und Schlafmangel leiden. Beides gilt unabhängig voneinander als Risikofaktor für eine spätere Demenzerkrankung.
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Was Sie konkret tun können
Frühe Versorgung mit Hörgeräten senkt das Risiko
Studien zeigen, dass Menschen mit Hörgeräten seltener an Demenz erkranken. Menschen, die (wieder) gut hören, senken ihr Risiko, an Demenz zu erkranken. Der Gang zum Hörakustiker kann somit eine Möglichkeit sein, den Ausbruch von Demenz zu verzögern. Experten raten: „Ein Hör-Check einmal im Jahr bringt Gewissheit über den Hörstatus. Wird dabei ein Hörverlust festgestellt, so sollte die Versorgung möglichst frühzeitig beginnen, damit das Gehirn die Informationen verarbeiten kann und nicht verlernt, mit den Sinnesreizen umzugehen.“
Einige Studien zeigen, dass Hörgeräte bei Menschen mit Hörverlust sowohl kurz- als auch langfristig positive Effekte auf die geistige Leistungsfähigkeit haben. Gutes Hören verbessert die Lebensqualität in vielen Bereichen. Menschen, die Hörsysteme nutzen, berichten häufiger über besseren Schlaf, mehr Selbstvertrauen, ein aktiveres Sozialleben, ein gesteigertes Sicherheitsgefühl und bessere Leistungsfähigkeit.
Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung
- Regelmäßige Hörtests machen
- Hörgeräte benutzen (bei Hörverlust)
- Gezieltes Hörtraining und kognitive Übungen durchführen
- Andere Risikofaktoren behandeln (z. B. Diabetes, Bluthochdruck, Depression)
- Regelmäßig Sport treiben
- Sich gesund ernähren
- Den Konsum von Tabak und Alkohol reduzieren (oder ganz darauf verzichten)
- Sozial aktiv bleiben
- Sehverlust früh behandeln
Es ist nie zu spät!
Auch wenn Sie bereits seit längerer Zeit schlechter hören, lohnt es sich, aktiv zu werden. Moderne Hörsysteme, Training und Prävention können helfen, geistige Fähigkeiten zu unterstützen und Lebensqualität zurückzugewinnen. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin, Ihrem HNO-Arzt oder einem qualifizierten Hörakustiker - sie beraten Sie gerne. Sorgen Sie für Reize, sorgen Sie für die Stimulation, sorgen Sie für Input, sorgen Sie für Teilnahme am Leben.
Die terzo®-Gehörtherapie
Das terzo-Zentrum empfiehlt, den Folgen eines Hörverlustes mit der Kombination aus der speziell entwickelten terzo-Gehörtherapie und Hörgeräteversorgung entgegenzuwirken. Ein systematisches Gehörtraining kann dafür sorgen, diesen Teufelskreis aus Hörverlust und Isolation durchbrechen. Es sorgt für geistige Fitness, bis ins hohe Alter hinein, und kann so Demenz vorbeugen.
Die systematische terzo®Gehörtherapie bietet die Möglichkeit, die Hörfähigkeit Betroffener durch die Kombination aus Gehörtraining und Hörgeräten zu optimieren. Erstmalig angewandt im Jahr 2006, haben mittlerweile über 30.000 Menschen die terzo®Gehörtherapie genutzt.