Brennende Schmerzen bei Multipler Sklerose: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Viele Menschen mit Multipler Sklerose (MS) erleben im Laufe ihrer Erkrankung Schmerzen, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Etwa zwei Drittel aller MS-Patienten sind von Schmerzen betroffen, wobei ein Teil davon unter neuropathischen Schmerzen leidet. Diese Schmerzen können sich in unterschiedlicher Form äußern und verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die verschiedenen Arten von Schmerzen bei MS zu verstehen, um eine angemessene Behandlung zu gewährleisten.

Arten von Schmerzen bei MS

Bei MS unterscheidet man hauptsächlich zwischen zwei Arten von Schmerzen:

  • Nozizeptive Schmerzen: Diese entstehen durch normale Schmerzreize, die der Körper über die Nozirezeptoren wahrnimmt. Sie sind in der Regel auf eine Gewebeschädigung oder Entzündung zurückzuführen.
  • Neuropathische Schmerzen: Diese werden auch als Nervenschmerzen bezeichnet und entstehen als Folge von Verletzungen oder Erkrankungen von Gehirn, Rückenmark oder der peripheren Nerven. Bei MS schädigen Entzündungen die Myelinscheiden, die die Nervenfasern umgeben, was zu fehlerhaften Nervensignalen und neuropathischen Schmerzen führen kann.

Eine Studie mit rund 1.250 MS-Betroffenen hat gezeigt, dass etwa ein Drittel der Teilnehmer an neuropathischen Schmerzen leidet. Insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen steigt das Risiko für neuropathische Schmerzen.

Ursachen von brennenden Schmerzen bei MS

Brennende Schmerzen sind eine Form von neuropathischen Schmerzen, die bei MS auftreten können. Sie werden oft als konstante, kribbelnde oder brennende Empfindungen beschrieben. Die genauen Ursachen für diese Schmerzen sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Schädigung der Myelinscheiden und der Nervenfasern selbst durch die Entzündungsprozesse bei MS eine wichtige Rolle spielt.

Die beschädigten Nervenfasern können fehlerhafte Signale senden, die vom Gehirn als Schmerz interpretiert werden. Zudem kann die Filterfunktion bestimmter Nervenbahnen im Rückenmark durch die Demyelinisierung beeinträchtigt werden, wodurch andere Nervenfasern das Gehirn hemmungslos mit unangenehmen, schmerzhaften Informationen "bombardieren".

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Symptome von brennenden Schmerzen bei MS

Brennende Schmerzen bei MS können sich auf unterschiedliche Weise äußern:

  • Dauerschmerzen: Betroffene schildern konstant auftretende brennende, kribbelnde Empfindungen.
  • Schmerzattacken: Es treten plötzlich einschießende, stechende Schmerzen auf. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Trigeminusneuralgie, bei der Berührungen wie ein Windzug oder Kauen Schmerzen auslösen können.
  • Dysästhetische Schmerzen: Sie sind eines der häufigsten Schmerzsyndrome bei MS und werden als konstante, brennende Schmerzen beschrieben, die ohne externe Reize auftreten. Davon sind besonders die Beine und Füße betroffen.
  • Lhermitte-Zeichen: Dies ist ein schmerzhaftes Zeichen, welches häufig bei MS auftritt.

Diagnose von Schmerzen bei MS

Um die Ursache von Schmerzen bei MS zu ermitteln, ist eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung durch einen Neurologen erforderlich. Dabei werden die Art, Intensität und Lokalisation der Schmerzen erfasst. Zudem können bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden, um Entzündungsherde im Gehirn und Rückenmark nachzuweisen.

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Schmerzen auszuschließen, wie z.B. Migräne, altersbedingten Gelenk- und Wirbelsäulenverschleiß oder rheumatische Erkrankungen. Auch Schmerzen, die nicht direkt durch die MS ausgelöst werden, wie z.B. eine schmerzhafte Blasenentzündung oder Rückenschmerzen durch einen schlecht angepassten Rollstuhl, sollten berücksichtigt werden.

Behandlung von brennenden Schmerzen bei MS

Die Behandlung von brennenden Schmerzen bei MS richtet sich nach der Ursache und Intensität der Schmerzen. Da herkömmliche Schmerzmittel wie Paracetamol bei neuropathischen Schmerzen oft keine Linderung verschaffen, kommen spezielle Medikamente zum Einsatz, die auf das Nervensystem wirken.

Medikamentöse Therapie

  • Antiepileptika: Medikamente mit Wirkstoffen wie Gabapentin oder Pregabalin können die Nervenaktivität reduzieren und dadurch die Schmerzen lindern.
  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie z.B. Amitriptylin, können ebenfalls bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden, da sie die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflussen.
  • Cannabinoide: In einigen Fällen können auch Cannabinoide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Krankengymnastik oder Kälte-/Wärmebehandlungen sowie moderate Sportübungen etc. können dazu beitragen, Muskelprobleme zu verbessern.
  • Physikalische Therapien: Wärme, Kälte oder Druck können ebenfalls zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Akupunktur und Massage: Diese können ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen.
  • Verhaltenstherapie: Verhaltenstherapie zur Behandlung von Schmerzen bei MS kann eine geeignete Alternative für MS-Patienten darstellen. Die Therapien zielen darauf ab, die psychologischen Veränderungen der Multiplen Sklerose zu behandeln, welche nachweislich ebenso eine große Rolle spielen wie die körperlichen Veränderungen.
  • Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, Schmerzen zu lindern und die allgemeine Lebensqualität zu verbessern.

Selbsthilfegruppen

Wer unter chronischen Schmerzen leidet, kann vom Besuch einer Selbsthilfegruppe profitieren. Dort erfährst Du, wie andere mit der Situation umgehen. Eine Gruppe in Deiner Nähe findest Du auf der Webseite der Deutschen Schmerzliga e. V.

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Umgang mit Schmerzen im Alltag

Neben der medizinischen Behandlung gibt es auch verschiedene Maßnahmen, die Betroffene selbst ergreifen können, um mit Schmerzen im Alltag besser umzugehen:

  • Schmerztagebuch führen: Um die Übersicht über Verlauf, Häufigkeit, Intensität und Dauer Ihrer Schmerzen zu behalten, kann es für Sie hilfreich sein, wenn Sie ein Schmerztagebuch führen.
  • Stress vermeiden: Stress kann Schmerzen verstärken. Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kannEntzündungen reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden verbessern.
  • Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung sind ein wirksames Gegenmittel, auch wenn es schwerfällt.
  • Hilfsmittel anpassen: Achten Sie darauf, dass Hilfsmittel wie Rollstühle richtig angepasst sind, um Fehlhaltungen und Schmerzen zu vermeiden.

Multiple Sklerose: Ein Überblick

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und Rückenmark betrifft. In Deutschland sind ca. 250.000 Menschen an MS erkrankt. Die Erkrankung tritt zumeist im jungen Erwachsenenalter auf.

Symptome

MS ist eine Erkrankung mit tausend Gesichtern. Symptome sind oft Gefühlsstörungen, Lähmungen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen und Müdigkeit (Fatigue). Häufig leiden MS-Erkrankte schon zu Beginn der Erkrankung unter körperlicher oder psychischer Erschöpfung, extremer Abgeschlagenheit und anhaltender Müdigkeit, dem sogenannten Fatigue-Syndrom. Häufiges Kennzeichen eines ersten MS-Schubes ist eine Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis). Sie macht sich durch Schmerzen beim Bewegen der Augen und eine Sehverschlechterung bemerkbar. Häufig treten bei Menschen mit MS auch unkontrollierte Augenbewegungen auf, das sogenannte Augenzittern (Nystagmus). Durch die MS kann es zu Muskelschwäche und verlangsamten Bewegungsabläufen kommen. Man fühlt sich „schwach auf den Beinen“, stolpert öfter und hat das Gefühl, die Kontrolle über seinen Körper, Muskeln und Gelenke zu verlieren. Hinzu kommt, dass es bei einigen Erkrankten zu einer erhöhten Muskelspannung kommt, die manchmal auch mit einer Verkrampfung und Steifigkeit der Muskeln (Spastik) einhergeht. Das kann schmerzhaft sein und die Bewegungen zusätzlich stören. Häufig sind bei Multipler Sklerose auch Missempfindungen auf der Haut - bekannt als das sogenannte Ameisenkribbeln - oder Taubheitsgefühle, ähnlich wie bei einem eingeschlafenen Arm oder Bein.

Diagnose

Eine MS-Diagnose zu stellen, ist nicht einfach. Weil so viele unterschiedliche Symptome vorkommen können, gibt es nicht den einen „MS-Test“, der zweifelsfrei beweist, dass eine Multiple Sklerose vorliegt. Multiple Sklerose ist daher eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Entscheidend ist, dass sich Entzündungsherde an mehreren Stellen im Gehirn oder Rückenmark nachweisen lassen. Dafür wird eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT) des Kopfes durchgeführt. Weitere wichtige Untersuchungen zur Bestätigung einer MS-Diagnose sind die Untersuchung des Nervenwassers mittels einer Lumbalpunktion sowie Messungen von Sehnerven (VEP) und Nervenbahnen (SEP).

Therapie

Die Multiple Sklerose ist eine komplexe Erkrankung mit vielen Erscheinungsbildern - und entsprechend individuell ist die Therapie. Sie setzt an verschiedenen Ebenen an. Damit die Beschwerden bei einem Schub schneller abklingen, hilft zunächst Cortison als Infusion oder Tablette. Einfluss auf den Langzeitverlauf der Multiplen Sklerose nimmt man mit einer sogenannten Immuntherapie. Hier hat es in den vergangenen zehn Jahren große Fortschritte bei der Entwicklung von Medikamenten gegeben. Die Immuntherapie beeinflusst bei MS das fehlgesteuerte Immunsystem, indem sie dieses verändert (immunmodulierend) oder dämpft (immunsuppressiv). Am wirksamsten sind speziell entwickelte Antikörper. Sie verhindern das Eindringen von bestimmten Immunzellen ins Gehirn oder reduzieren ihre Konzentration im Blut. Dadurch können diese Zellen keine Entzündungen mehr auslösen. Mittlerweile gibt es gut 20 Immuntherapie-Mittel.

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Im täglichen Leben gibt es einiges, dass die Multiple Sklerose günstig beeinflussen kann. Ein wesentliches Element ist regelmäßige körperliche Aktivität. Ein Spaziergang oder eine Wanderung, eine Fahrradtour oder ähnliche Aktivitäten im Freien haben außerdem gleich mehrere positive Effekte: Man bewegt sich und kann schon durch kurzen, aber regelmäßigen Aufenthalt in der Sonne etwas gegen einen Vitamin-D-Mangel tun. Aber auch gezieltes Training ist wichtig. Ein weiterer wichtiger Baustein, den jeder selbst in der Hand hat, ist die Umstellung auf eine gesunde Ernährung. Selbst zubereitete Mischkost mit viel Obst und Gemüse, Fisch und Vollkornprodukten, aber wenig Zucker und Salz, tierischen Fetten und Zusatzstoffen (wie in verarbeiteten Lebensmitteln) hat positive Effekte. Zudem sollten Menschen mit Multipler Sklerose nicht rauchen.

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