Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der etwa 20 % der Frauen betroffen sind. Viele Frauen erleben, dass sich ihre Migräne während der Wechseljahre (Perimenopause) verändert. Bei einigen Frauen verschlimmern sich die Symptome, während sich bei anderen die Migräne bessert. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne in den Wechseljahren, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und gibt praktische Tipps für Betroffene.
Migräne und die Wechseljahre: Eine komplexe Beziehung
Die Wechseljahre, auch Perimenopause oder Klimakterium genannt, sind eine Zeit hormoneller Umstellung im weiblichen Körper. In dieser Phase sinkt der Östrogenspiegel, was zu verschiedenen Beschwerden führen kann, darunter Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und eben auch Migräne.
Kristina F., eine 51-jährige Migränepatientin, berichtet, dass ihre Migräneattacken in den letzten zwei Jahren, also mit Beginn der Wechseljahre, deutlich häufiger geworden sind. "An mehreren Tagen im Monat war es so schlimm, dass eigentlich gar nichts mehr ging", sagt sie.
Hormonelle Ursachen
Es gilt als gesichert, dass hormonelle Faktoren bei Migräne eine Rolle spielen. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Besonders die Östrogene sind von Bedeutung, da ihr Spiegel in der Perimenopause sinkt. Dies kann zu einem verminderten Serotoninspiegel führen, einem wichtigen Neurotransmitter in der körpereigenen Schmerzhemmung. Auch die Bildung des Botenstoffs Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), der bei Migräne eine Schlüsselrolle spielt, scheint durch hormonelle Einflüsse gesteuert zu werden. Forscher der Charité in Berlin haben herausgefunden, dass Migräne-Patientinnen größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn ausschütten, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt.
Weitere mögliche Ursachen
Neben den hormonellen Veränderungen können auch andere Faktoren Migräne in den Wechseljahren hervorrufen:
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- Stress: Häufige Belastungen im Alltag können Migräneattacken triggern.
- Schlafstörungen: Unregelmäßiger Schlaf oder Schlafmangel können Migräne begünstigen.
- Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel oder unregelmäßige Nahrungsaufnahme können Migräne auslösen.
- Flüssigkeitsmangel: Zu wenig Wasser trinken kann ebenfalls zu Kopfschmerzen führen.
- Druckveränderungen im Kopf: Durch das Ungleichgewicht der weiblichen Hormone Progestoren und Östrogen können Druckveränderungen im Kopf entstehen und somit Kopfschmerzen verursachen.
Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne in den Wechseljahren
Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung von Migräne in den Wechseljahren. Die Wahl der richtigen Therapie sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen, da die individuellen Bedürfnisse und Begleiterkrankungen berücksichtigt werden müssen.
Hormonersatztherapie (HRT)
Eine Hormonersatztherapie zur Anhebung des Östrogenspiegels kann die Migräne lindern. Dies muss jedoch sorgfältig abgewogen werden, da sie auch Risiken birgt, etwa ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Prof. Christian Maihöfner, Experte der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, betont, dass die individuellen kardiovaskulären Risikofaktoren und die Zeit seit Beginn der Menopause bei der Auswahl der passenden Therapie berücksichtigt werden müssen.
Während der Perimenopause haben Hormonersatztherapien häufig einen positiven Einfluss auf die Wechseljahrbeschwerden, allerdings nicht immer auf die Migräne. Nach der Menopause kann eine hormonelle Therapie gewählt werden, sollte sich die Migräne unter Behandlung mit den verfügbaren Standardtherapien nicht bessern.
Zur Auswahl stehen sowohl eine orale Einnahme (Tabletten) von Östrogen-Gestagen-Präparaten als auch eine transdermale Gabe von Östrogen, das als Gel über die Haut aufgenommen wird.
Medikamentöse Therapie
- Akuttherapie: Bei akuten Migräneattacken können Schmerzmittel wie NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) oder Triptane eingesetzt werden.
- Prophylaxe: Bei häufigen Migräneattacken kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, darunter Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika. Moderne monoklonale Antikörper zur Migräneprophylaxe dürfen auch im höheren Alter eingesetzt werden, wobei aber dazu aktuell noch wenig Erfahrungen vorliegen.
- Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen können Medikamente mit den Wirkstoffen Metoclopramid oder Domperidon helfen.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Entspannungsverfahren: Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) können helfen, Stress abzubauen und das autonome Nervensystem zu beruhigen.
- Sport: Regelmäßiger Ausdauersport, beispielsweise dreimal wöchentlich Joggen, wirkt nachweislich günstig.
- Stressmanagement: Stressmanagement-Techniken sind wichtig, da sich in dem Alter bei Frauen oft Belastungen häufen.
- Regelmäßiger Tagesablauf: Migräne-Patientinnen brauchen Stabilität, auch in ihrem Alltagsablauf.
Natürliche und alternative Heilmethoden
- Magnesium: Magnesium wirkt krampflösend und kann im gewissen Maße vor Migräneattacken schützen.
- Pflanzliche Helfer: Extrakte aus Pestwurz oder Mönchspfeffer sollen bei Migräne ebenfalls vorbeugend wirken.
- Ätherische Öle: Ätherische Öle auf Eukalyptus- oder Pfefferminzbasis können bei Kopfschmerzen wohltuend sein.
Tipps für den Alltag
- Migräne-Tagebuch führen: Das Führen eines Migräne-Tagebuchs kann helfen, persönliche Trigger-Faktoren zu identifizieren und zu vermeiden.
- Ausreichend trinken: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
- Regelmäßig essen: Essen Sie regelmäßig, um einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel zu gewährleisten.
- Ausreichend schlafen: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf.
- Stress reduzieren: Bauen Sie Stress ab und nehmen Sie sich Auszeiten.
- Bewegung: Treiben Sie regelmäßig Sport.
- Rechtzeitig Hilfe suchen: Scheuen Sie sich nicht, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, um die Ursache Ihrer Kopfschmerzen abzuklären und eine geeignete Therapie zu finden.
Migräne im höheren Alter
Auch wenn die Migräneneigung bei älteren Menschen eher sinkt, leiden auch sie unter Kopfschmerzen. Im Alter treten Kopfschmerzen vorranging als Folge einer anderen Erkrankung auf. Fachleute sprechen von sekundären Kopfschmerzen.
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Wichtig ist, dass Migräne, die im Alter zum ersten Mal auftritt, unbedingt ärztlich abgeklärt werden muss, um andere Ursachen auszuschließen.
Fazit
Migräne in den Wechseljahren ist ein komplexes Thema, das viele Frauen betrifft. Hormonelle Veränderungen spielen eine wichtige Rolle, aber auch andere Faktoren können Migräneattacken auslösen. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die individuell auf die Bedürfnisse der Patientin abgestimmt werden sollten. Neben medikamentösen Therapien können auch nicht-medikamentöse Ansätze und natürliche Heilmethoden helfen, die Migräne zu lindern. Wichtig ist, dass Betroffene sich nicht alleine fühlen und sich rechtzeitig professionelle Hilfe suchen.
Kristina F. aus Frankfurt am Main probiert gerade Magnesium als Prophylaxe aus und testet, ob die Vermeidung einzelner Nahrungsmittel hilft. Viel Wasser trinken, Bewegung, regelmäßiger Schlaf seien wichtig, ist ihre Erfahrung. "Auch wenn das im Alltag nicht immer alles funktioniert."
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