Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet ist, die das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Obwohl Kopfschmerzen das Hauptanzeichen sind, können Migräneattacken von einer Reihe anderer Symptome begleitet sein, darunter Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie, in einigen Fällen, vermehrter Harndrang. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Migräne, ihre verschiedenen Phasen, mögliche Ursachen und Auslöser sowie Behandlungs- und Vorbeugungsstrategien.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung, was bedeutet, dass sie nicht durch eine andere zugrunde liegende Erkrankung verursacht wird. Zusammen mit Spannungskopfschmerzen und Clusterkopfschmerzen gehört sie zu den häufigsten Kopfschmerzarten. Weltweit sind schätzungsweise 10-15 % der Erwachsenen von Migräne betroffen, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. In Deutschland leiden etwa 3,7 Millionen Frauen und 2,0 Millionen Männer an Migräne.
Phasen einer Migräneattacke
Eine Migräneattacke kann in verschiedene Phasen unterteilt werden, die nicht alle bei jedem Patienten auftreten:
- Prodromalphase (Vorboten): Bei etwa 30 % der Patienten kündigt sich eine Migräne durch Vorboten an, die 24-48 Stunden vor der eigentlichen Attacke auftreten können. Diese Symptome können Müdigkeit, Nackensteifigkeit, vermehrtes Gähnen, gesteigerten Harndrang, Durst- und Hungergefühl sowie Stimmungsschwankungen umfassen. Heißhunger, insbesondere auf Schokolade, kann ebenfalls ein Anzeichen für diese Phase sein.
- Auraphase: Etwa 10-15 % der Migränepatienten erleben eine Auraphase, die unmittelbar vor dem Einsetzen der Kopfschmerzen auftritt. Die Aura äußert sich in neurologischen Symptomen, die in der Regel 15-30 Minuten anhalten. Dazu gehören Sehstörungen wie Lichtblitze, helle Flecken, verschwommenes Sehen, kurzzeitiger Sehverlust oder ein Tunnelblick. In seltenen Fällen können auch Sprachstörungen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder sogar Lähmungserscheinungen auftreten. Bei manchen Menschen mit Auren treten auch Hörstörungen wie Tinnitus (Ohrgeräusche), Musik oder Geräusche auf.
- Kopfschmerzphase (Attacke): Diese Phase ist durch einen einseitigen, pulsierenden oder pochenden Kopfschmerz gekennzeichnet, der in der Regel 4-72 Stunden anhält. Die Schmerzen können von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Photophobie und Phonophobie) sowie einer Verschlimmerung der Beschwerden bei körperlicher Aktivität begleitet sein. Betroffene ziehen sich während dieser Phase oft in dunkle, ruhige Räume zurück.
- Rückbildungsphase (Auflösung): In dieser Phase klingen die Symptome langsam ab. Der Kopfschmerz ist nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend. Übelkeit und Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen werden weniger, sind aber noch nicht vollständig verschwunden.
- Erholungsphase (Postdromalphase): Nach dem Abklingen der akuten Symptome fühlen sich viele Patienten müde, erschöpft und abgeschlagen, ähnlich wie nach einem Kater. Konzentrationsschwierigkeiten, Schwäche, Schwindel, Benommenheit und Energielosigkeit können ebenfalls auftreten. Diese Phase kann bis zu 24 Stunden dauern, bis sich der Körper vollständig erholt hat. Bei einigen Patienten wird das Ausschleichen der Migränesymptome von einem vermehrten Harndrang begleitet.
Mögliche Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Studien haben 44 Gene im menschlichen Erbgut identifiziert, die das Migränerisiko erhöhen. Diese Gene enthalten Informationen über den Aufbau von Gefäß- und glattem Muskelgewebe, was darauf hindeutet, dass eine Störung der Regulation der kleinen Blutgefäße im Gehirn eine Rolle spielen könnte.
Es wird auch vermutet, dass Entzündungsstoffe wie CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) oder Substanz P in der Hirnhaut ausgeschüttet werden, was zu einer Sensibilisierung der Nervenzellen für Schmerzen und einer Verengung der Blutgefäße führt.
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Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Auslösern, die Migräneattacken provozieren können. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Hormonelle Veränderungen: Insbesondere bei Frauen können Hormonschwankungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren Migräneattacken auslösen.
- Stress: Sowohl akuter als auch chronischer Stress können Migräneattacken begünstigen.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel und Getränke wie Alkohol, Koffein, Schokolade, gereifter Käse, verarbeitete Lebensmittel und künstliche Süßstoffe können bei manchen Menschen Migräne auslösen. Unregelmäßige Mahlzeiten oder Auslassen von Mahlzeiten können ebenfalls ein Auslöser sein.
- Umweltfaktoren: Veränderungen des Wetters, wie z. B. Luftdruckänderungen, extreme Hitze oder Kälte, sowie starke Gerüche, Lärm oder helles Licht können Migräneattacken auslösen.
- Schlafstörungen: Sowohl Schlafmangel als auch übermäßiger Schlaf können Migräneattacken provozieren.
- Körperliche Anstrengung: Intensive körperliche Aktivität, insbesondere wenn sie ungewohnt ist, kann bei manchen Menschen Migräne auslösen.
- Medikamente: Einige Medikamente, wie z. B. bestimmte Blutdrucksenker oder hormonelle Verhütungsmittel, können Migräneattacken verstärken oder auslösen.
Migräne und Harndrang: Ein möglicher Zusammenhang
Obwohl der Zusammenhang zwischen Migräne und Harndrang nicht vollständig verstanden ist, gibt es mehrere mögliche Erklärungen:
- Prodromalphase: Wie bereits erwähnt, kann vermehrter Harndrang ein Symptom der Prodromalphase sein, die einer Migräneattacke vorausgeht. Dies könnte auf Veränderungen im Flüssigkeitshaushalt oder hormonelle Schwankungen zurückzuführen sein.
- Neurotransmitter: Migräne wird mit Veränderungen in der Aktivität bestimmter Neurotransmitter im Gehirn in Verbindung gebracht, wie z. B. Serotonin. Diese Neurotransmitter können auch die Funktion der Blase beeinflussen und zu vermehrtem Harndrang führen.
- Zentrale Sensibilisierung: Bei Menschen mit Migräne kann es zu einer zentralen Sensibilisierung kommen, bei der das Gehirn empfindlicher auf sensorische Reize reagiert. Dies könnte dazu führen, dass auch normale Blasensignale als dringender wahrgenommen werden, was zu vermehrtem Harndrang führt.
- Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden, wie z. B. Diuretika, können ebenfalls zu vermehrtem Harndrang führen.
Es ist wichtig zu beachten, dass vermehrter Harndrang auch ein Symptom anderer Erkrankungen sein kann, wie z. B. Harnwegsinfektionen, Diabetes oder Blasenerkrankungen. Daher sollte ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache des vermehrten Harndrangs abzuklären.
Diagnose von Migräne
Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf den klinischen Anzeichen und Symptomen des Patienten. Der Arzt wird eine detaillierte Anamnese erheben, um die Art, Häufigkeit, Dauer und Intensität der Kopfschmerzen sowieBegleitsymptome und mögliche Auslöser zu erfassen. Ein Kopfschmerztagebuch, in dem die Attacken und deren Begleitumstände dokumentiert werden, kann bei der Diagnose hilfreich sein.
In der Regel sind keine speziellen Tests erforderlich, um Migräne zu diagnostizieren. In einigen Fällen kann der Arzt jedoch zusätzliche Untersuchungen anordnen, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen, wie z. B. eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) des Gehirns.
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